45+ Fun facts rund um Phänologie

Schlüsselblumen als Phänologie - Zeichen der Natur

Als ich mit dem Gärtnern und Gemüse anbauen angefangen habe, hatte ich noch nichts mit Phänologie am Hut.

Erst die oft unpassenden Angaben zu Aussaat-Zeiten von Gemüsen, die einfach nicht zu meinem Garten passen wollten und viele Misserfolge haben mich auf das Thema Naturzeichen im Gemüseanbau gebracht. Und damit zum entspannteren und erfolgreicheren Anbau von Gemüse.

Begriffe rund um Phänologie, Citizen-science und Phänologische Gärten

  1. Wo kommt das Wort “Phänologie” her und was bedeutet es?

Mein Herkunftswörterbuch sagt, dass das Wort “Phänologie” vom griechischen “phanein” und “logos” stammt und “Lehre von den Erscheinungen” bedeutet.

Damit sind die verschiedenen Entwicklungsphasen von Lebewesen in der Natur gemeint. Bei Pflanzen zum Beispiel sind das Blattaustrieb, Blüte, Fruchtreife und so weiter.

  1. Was ist ein “Citizen-science-Projekt”?

Bürger und Bürgerinnen können sich ehrenamtlich an wissenschaftlichen (Forschungs)-Projekten beteiligen.

Sie müssen dafür keine wissenschaftliche Ausbildung haben. Diese Bürgerbeteiligung nennt sich “Bürgerwissenschaften”, auf englisch  “citizen science”.

Solche Projekte sind unter anderem die jährlich stattfindende “Stunde der Gartenvögel”, in der Menschen aufgerufen werden, Vögel zu zählen und zu melden. Aber auch die phänologischen Meldungen gehören dazu.

  1. Eine Uhr, damit man weiß, wann bei Blumen der Wecker klingelt

Carl von Linné, ein ein schwedischer Naturforscher, geboren 1707, hat die sogenannte Blumenuhr entwickelt. An dieser Uhr kann die Zeit abgelesen werden.

Linné hatte beobachtet, dass verschiedene Pflanzen nur zu bestimmten Tageszeiten ihre Blüten öffnen. Daraus entwickelte er ein Blumenbeet in Uhrform, das zu den jeweiligen Zeiten mit den Pflanzen bepflanzt ist, an denen sie blühen.

Die Wegwarte und auch der Zuckerhut zum Beispiel öffnen ihre Blüten vom Morgen bis gegen 14 Uhr. Die Bepflanzung geht also bis 14 Uhr. Danach kommen andere Pflanzen.

Wenn man die Uhrzeit wissen will und gerade keine Uhr zur Hand hat und man im Blumenbeet steht, ist das sehr praktisch.

Phänologie ist uralt – wann alles begann

  1. Die ältesten phänologischen Aufzeichnungen

Die ältesten phänologischen Aufzeichnungen stammen aus Japan. Dort wird seit dem 8. Jahrhundert die Zeit der Kirschblüte aufgezeichnet.

  1. Phänologie in Deutschland

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sammelt seit 1951 phänologische Daten. Die Daten sammeln ehrenamtliche BeobachterInnen.

  1. Der Hamburger Forsythien-Kalender

In Hamburg wurde seit 1945 aufgeschrieben, wann die Forsythien an der Lombardsbrücke anfangen zu blühen. Aber erst 1952 haben es die Forsythien auf die Beobachtungsliste des DWD geschafft.

  1. Das älteste Beobachtungsobjekt in Europa

In der Schweiz schaut man schon seit 1808, wann die Blätter der Rosskastanie austreiben. Damit gehört sie zu den ältesten Beobachtungsobjekten in Europa.

  1. Phänologie in Österreich

In Österreich wurde 1851 die Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus gegründet, was als der Einstieg in die phänologischen Beobachtungen angesehen wird.

Phänologie in Zahlen

  1. Zehn Jahreszeiten anstatt vier

Im Gegensatz zum meteorologischen und kalendarischen Kalender, die jeweils nur vier Jahreszeiten kennen, kommt die Natur mit zehn Jahreszeiten um die Ecke.

Für den Anbau von Gemüse ist das extrem praktisch. Denn mit “Aussaat im Februar und März” kann das Gemüse nichts anfangen.

Mit solchen Monatsangaben taucht irgendwann die Frage auf: Wenn es im Februar schneit, soll das Gemüse dann trotzdem ausgesät werden? Nur weil da steht: Februar?

Wenn da allerdings steht: “Aussaat zu Beginn des Vorfrühlings zur Schneeglöckchenblüte” ist das viel eindeutiger!

  1. So viele Menschen schauen den Pflanzen beim Wachsen zu

Beim Deutschen Wetterdienst (DWD) beobachten 1.200 Ehrenamtliche die Entwicklung der Pflanzen. Und unterstützen ganz nebenbei der Wissenschaft. Ein Citizen-science-Projekt eben.

  1. Sie haben 48 Pflanzen im Blick

Der DWD lässt 48 Pflanzen beobachten. Neben Wildpflanzen gehören auch Kulturpflanzen wie die Forsythie, Forst- und Ziergehölze sowie landwirtschaftliche Pflanzen dazu.

  1. Eine ganze Menge Naturerscheinungen

An den 48 Pflanzen, die der DWD beobachtet, werden jährlich bis zu 168 verschiedene Entwicklungsphasen von Pflanzen beobachtet.

  1. Sicher ist sicher

Der DWD verlässt sich nicht nur auf Ehrenamtliche, sondern beobachtet selber an 45 hauptamtlichen Wetterstationen phänologische Erscheinungen.

  1. Das passiert in 30 Jahren

Um Trends in der Klimaentwicklung zu erkennen werden lange Zeiträume von 30 Jahren beobachtet. So ein Referenzperiode liegt in Deutschland zum Beispiel zwischen 1961 und 1990.

Durch diesen langen Zeitraum verlieren Jahre, die anders als die meisten Jahre verlaufen, ihre Bedeutung.

Ein Ausreißer-Jahr war bei uns der Juli 2025. Er war kalt und regnerisch. Feldsalat und Winterpostelein sind gekeimt und nach ein paar Tagen hatte ich die Heizung eingeschaltet. Im Juli! Das ist aber nicht typisch für den Juli.

  1. Sofort-Meldungen

30 % der BeobachterInnen melden ihre Beobachtungen dem DWD sofort. Daraufhin macht die Agrar-Meteorologie den LandwirtInnen Handlungsempfehlungen.

Das gleiche mache ich im Kleinen. Ich beobachte Pflanzen und je nach Entwicklungsstadium säe ich Gemüse aus oder auch nicht.

  1. Die Pflanzen haben mehr Zeit, um zu wachsen

Die Vegetationsperiode ist in Deutschland seit 1961 im Durchschnitt um 26 Tage länger geworden. Damit können die Pflanzen länger wachsen.

Für den Gemüseanbau heißt das, wir können länger ernten. Aber die Natur hat auch ihre kuriosen Tücken: Durch die lange Vegetationszeit hat bei uns der Apfelbaum manchmal noch einmal im Herbst geblüht.

Natürlich werden aus den Blüten keine reifen Äpfel. Weil dann der Winter mit kürzeren Tagen und kälteren Temperaturen kommt.

Im nächsten Jahr gibt es an den Stellen mit den Herbstblüten keine Äpfel. Denn die Blütenanlage wird im Vorjahr angelegt und die wurde im Herbst schon “vertan”.  

Phänologie weltweit

  1. Das Frühlingsfest in Süd-Korea

In Süd-Korea richten sich viele Frühlingsfeste nicht nach dem Kalender sondern nach der Blüte der Kirschbäume. Ist ja auch eine Art Kalender.

  1. Phänologie ist überall – oder doch nicht?

Phänologische Beobachtungen gibt es weltweit – außer in der Antarktis.

In der Antarktis ist mit zwei Arten von Blütenpflanzen, einem Gras und einem Doldenblütler sowie mit Moosen, Flechten, Algen und Pilzen der zu beobachtende Bewuchs doch recht überschaubar.

  1. Nicht nur JapanerInnen werfen ein Auge auf die Kirschblüte

Die Kirschblüte wird auch in Liestal in der Schweiz beobachtet. Und das schon seit 1894.

  1. Schweizer Citizen-scientists haben weniger zu tun

Die phänologischen BeobachterInnen in der Schweiz beobachten nur 26 verschiedene Pflanzen und an denen nur 68 Naturerscheinungen.

  1. Tiere gucken gehen

Phänologie hat nicht nur was mit Pflanzen zu tun. In Österreich werden seit 1951 auch Tiere beobachtet. Dazu gehört unter anderem die Fragen, wann der erste Kohlweißling fliegt oder der erste Kuckuck ruft.

Mit der Frage, wann quakende Kröten auf Brautschau sind und wann  Krötenschutzzäune aufgebaut werden, betreibe ich ebenfalls Tierphänologie:

Und immer, wenn ich den Kuckuck zum ersten Mal im Jahr rufen höre, frage ich mich, ob ich Geld in der Hosentasche habe. Denn es heißt, wenn das so ist, hat man immer genügend Geld in der Tasche.

Erstaunliches über Phänologie

  1. Zwei verschiedene Jahreszeiten nicht über Kontinente hinweg, sondern  innerhalb weniger Meter

Wie lange eine phänologische Jahreszeit dauert, kann innerhalb weniger Meter unterschiedlich sein. Das hängt mit dem Mikroklima zusammen, das an dem Platz vorherrscht. Es wird unter anderem durch Standort, Sonne und  Schatten beeinflusst.

So blüht die Forsythie bei unseren Nachbarn immer einige Tage früher als bei uns. Denn deren Forsythie befindet sich auf der Südseite der Hecke. Unsere (geschenkt bekommene – das nur nebenbei) steht dagegen im Südwesten, wo sie mittags noch von der Südhecke beschattet wird und die Sonne erst am Nachmittag hinkommt.

So macht der Standort einen Unterschied in der Pflanzenentwicklung. Bei meinen phänologischen Beobachtungen, die ich für den Anbau von Gemüse nutze, beobachte ich immer die gleiche Pflanze, also nicht in dem einen Jahr die von den Nachbarn und im anderen unsere eigene Pflanze.

  1. Der Frühling kommt dreimal

Bei den phänologischen Jahreszeiten gibt es nicht nur einen Frühling sondern gleich drei:

  • Vorfrühling
  • Erstfrühling
  • Vollfrühling

Jeder dieser Frühlinge hat andere geeignete Aussaat-Termine von Gemüsen im Rucksack. So wird man mit dem Vorziehen von Gurken im Vorfrühling keine Freude haben, aber mit der Aussaat von Erbsen schon.

  1. Pflanzliche Analphabeten

Pflanzen können – so scheint es – unseren Kalender nicht lesen. Deshalb ist der Beginn der phänologischen Jahreszeiten, die direkt mit der Entwicklung von Pflanzen korrelieren, nicht auf ein bestimmtes Datum festgelegt.

Der Vorfrühling zum Beispiel fängt mit der Blüte der Hasel an. Das kann im Dezember, Januar oder Februar sein. Kalendarisch würde der Frühling am 21. März anfangen.

  1. Eine Zeigerpflanze kann verschiedene Jahreszeiten anzeigen.

Um den Beginn der phänologischen Jahreszeiten festzustellen, braucht man gar nicht so viele verschiedene Bäume und Sträucher. Denn einige zeigen gleich mehrere Jahreszeiten an.

Beispiele gefällig? Der Apfelbaum zeigt mit der Blüte den Beginn des Vollfrühlings an und mit der Erntereife der Äpfel den Beginn des Spätsommers.

  1. Die Rosskastanie ist in Rente gegangen

Die Rosskastanie, die in der Schweiz ab 1816 beobachtet worden ist, hat im Jahr 2015 nach 199 Jahren ihren Dienst quittiert. Seither wird eine andere Rosskastanie beobachtet.

  1. Der Vorfrühling, der im gefühlten Winter beginnt

Der Vorfrühling beginnt phänologisch gesehen mit der Blüte der Hasel. Das kann je nach Region bereits im Dezember sein.

Da kann es noch lange dauern, bis es wirklich wärmer wird. Weil die Hasel so variabel ist, taugt sie als Zeiger für den Gemüseanbau meiner Meinung nach nicht.

  1. Die Pflanze als Messinstrument

Da Pflanzen auf verschiedene Umwelteinflüsse wie Wärme, Witterung, Lichtmenge und Bodentemperaturen reagieren, sind sie ein sehr präzises Messinstrument.

Pflanzen sagen uns viel genauer als ein Datums-Kalender, ob die  Umweltbedingungen für die Aussaat von Gemüse gerade passen. So können zum Beispiel mit Beginn der Forsythienblüte Radieschen gesät werden.

  1. Bunte Blätter und der Herbst ist da?

Wir verbinden die herbstliche Laubverfärbung oft mit dem Herbstanfang. Doch beginnt im phänologischen Kalender der Herbst schon früher – mit der Reife der Holunderbeeren.

  1. Das Aus für die Forsythien an der Lombardsbrücke

Die Forsythien an der Lombardsbrücke wurden 2026 von der Deutschen Bahn gerodet.

  1. Wanderschuhe mit Tempo 40

Der Frühling wandert von Portugal im Süden mit durchschnittlich 40 Kilometer täglich immer weiter nach Norden bis Finnland. Pro 100 Höhenmeter mehr braucht er 3 Tage länger. Für diese Berechnung werden phänologische Erscheinungen wie der Austrieb der Moorbirke und der Eberesche herangezogen.

  1. Tempo 200

Von West- nach Ost-Europabraust der Frühling mit 200 Kilometer am Tag durch die Gegend. Auch hier wird er langsamer, wenn er Höhenmeter machen muss.

Fun facts über phänologische Gärten

  1. Was ist ein phänologischer Garten?

Phänologische Gärten sind Gärten an verschiedenen Standorten. Dort wird  die Entwicklung bestimmter Bäume und Sträucher standardisiert beobachtet.

Dadurch sieht man, wie sich Pflanzen an verschiedenen Standorten mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen im Jahresverlauf entwickeln.

  1. Schlappe 6 Jahre

Von der ersten Idee zur Gründung der Internationalen phänologischen Gärten über die Einrichtung sogenannter Muttergärten bis zur ersten phänologischen Beobachtung hat es nur 6 Jahr gedauert! Das ging ja flott!

  1. Genetische Monotonie statt Vielfalt

Im Naturgarten will man Vielfalt! Doch in phänologischen Gärten ist genetische Verarmung erwünscht.

Deshalb wachsen in den phänologischen Gärten in Deutschland, egal, wo sie sich auf der Landkarte befinden, genetisch identische Pflanzen.

Diese stammen von einer Mutterpflanze ab. Die Vermehrung erfolgt über Stecklinge und Pfropfen.

  1. Warum wachsen im phänologischen Garten Klone?

Mit den gesammelten Daten will man erforschen, wie sich Wetter und Klima auf die Pflanzenentwicklung auswirken.

Unterschiede in der Entwicklung sollen nicht auf genetische Vor- oder Nachteile zurückzuführen sein. Damit das ausgeschlossen werden kann,  müssen die Pflanzen genetisch identisch sein.

  1. Für was braucht man phänologische Gärten?

Mit den wissenschaftlich erhobenen Daten und den daraus resultierenden  Erkenntnissen über Umwelteinflüsse leitet man unter anderem Handlungsempfehlungen für Landwirtschaft und Naturschutz ab.

  1. Da kommen die Pflanzen für den phänologischen Garten her

Die Pflanzen der 27 phänologischen Gärten in Deutschland stammen alle aus einem Garten aus Grafrath bei München.

  1. Wo befindet sich der erste phänologische Garten in Deutschland?

Der erste phänologische Garten in Deutschland wurde im Jahr 2007 in Recklinghausen angelegt. Dort werden unter anderem Esskastanie, Zaubernuss und Mandelbaum beobachtet.

  1. Wo sind die phänologischen Gärten in Europa?

Die Gärten findet man fast überall in Europa, zum Beispiel in Irland, Skandinavien und Finnland, aber auch in Portugal und Makedonien im Süden.

  1. Was ist das Globale Phänologische Monitoring (kurz: GPM)?

Das GPM ist ein Netzwerk, das weltweit Daten von Phänologischen Gärten sammelt. Dazu gehören Länder wie China, USA, Italien und die Tschechische Republik.

  1. So viele phänologische Gärten gibt es weltweit

Im Jahr 2026 gab es in den Internationalen Phänologischen Gärten 61 Stationen in 18 Ländern. Aber nicht alle sind aktiv. In Deutschland gibt es 27 phänologische Gärten.

Gemüseanbau mit phänologischen Naturzeichen

  1. Was Forsythie und Kohlrabi miteinander zu tun haben

Wenn die Forsythie blüht, ziehe ich Kohlrabi vor. Egal, welches Datum gerade ist.

  1. Ich nehme nicht nur Zeigerpflanzen für die Aussaat von Gemüse her

Bei mir wachsen nicht alle Zeigerpflanzen in der Umgebung.Deshalb nehme ich auch andere Pflanzen als Zeiger für Aussaattage her, zum Beispiel die Blüte der frühen roten Johannisbeere.

Dieses Entwicklungsstadium läutet zwar keine neue phänologische Jahreszeit ein, ist aber für mich ein wertvoller Hinweis darauf, was ich gerade säen kann. Die zusätzlichen Pflanzen habe ich mir im Laufe der Jahre selber “zusammengesucht”.

Übrigens: Der Name “Johannisbeere” leitet sich vom 24. Juni ab, dem Johannitag, um den herum die ersten Früchte reifen und damit neben der Linde den Hochsommer einläuten. Aber ich schweife ab.

  1. Ein paar wenige Merkmale in der Natur und gut ist es

Für den Anbau von Gemüse konezntriere ich mich im Wesentlichen nur auf folgende Merkmale von Pflanzen:

– Blattentfaltung

– Blüte

– Fruchtreife

Blattverfärbung und Blattfall.als phänologische Erscheinungen sind für meine Methode des Gemüseanbaus nicht mehr von Bedeutung. Zu dieser Zeit passiert nicht mehr viel.

Noch mehr Lesestoff

Endlich eine dicke Ernte im kleinen Gemüsegarten!

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