Was für ein Glück! Zum ersten Mal im Leben einen eigenen Garten! Und den kann man auch noch neu anlegen! Ein Garten zum Ideen haben, Stauden pflanzen, Gemüse ernten, entspannen … und abrackern.
Denn kaum fängt man an, türmen sich die Aufgaben zu einem riesigen, unbezwingbaren Berg auf. Auch wenn man mit Eifer dabei ist, weiß man bereits nach kurzer Zeit nicht mehr, wo man zuerst hinlangen soll. Was es nicht alles zu tun gibt! Und an was man gar nicht gedacht hat!
Ich berichte über meine Erfahrungen. Sie bilden die Grundlage für diesen Artikel. Er liefert keinen millimetergenau ausgearbeiteten Plan. Er ist eher eine Anregung wie man die Gartengestaltung angehen kann und was idealerweise von Anfang an berücksichtigt wird.
1) Zierbeet anlegen
Am Anfang war ich hochmotiviert. Voller Begeisterung habe ich überall gleichzeitig angefangen zu werkeln. Dabei habe ich die Flächen „großzügig“ bepflanzt.
Hier einen Apfelbaum, dort eine Tulpenzwiebel und dort hinten eine einsame Staude gepflanzt. Dazwischen kein Mulch – woher auch? Und kein Unkraut-Vlies.
Und oh Wunder! Das „Unkraut“ hat die lückigen Zierbeete übernommen. Im ersten Jahr hatten wir zudem überall Weißen Gänsefuß. Oh Schreck!
Wir haben ihn ausgerissen. Macht man halt so. Damals wussten wir es noch nicht besser. Heute würde ich mit ihm eine kulinarische Reise durch essbare Wildpflanzen antreten.
Was habe ich gelernt?
Am Anfang alles auf einmal zu bepflanzen geht nicht. Das können professionelle Gartenbaufirmen machen, die mit der Gestaltung beauftragt werden und mit einem Trupp ArbeiterInnen anrücken.
Diese haben den ganzen Tag Zeit, um sich um die Anlage des Gartens zu kümmern. Aber nicht wir Privatpersonen. Wir haben vielleicht auch noch ein Leben abseits des Gartens.
So würde ich es heute bei der Anlage von Zierbeeten machen.
Das Wichtigste erscheint mir, zuerst ein einziges Zierbeet oder eine kleine Fläche mit Stauden und Sträuchern zu bepflanzen. Alle anderen Abschnitte kommen nach und nach.
Denn wenn man an jeder Ecke ein bißchen was macht, kommt man nicht hinterher. Weder mit dem Pflanzen von Sträuchern, Stauden und Bäumen noch mit dem Retten der frisch gepflanzten Sachen (Begleitkräuter überwuchern alles), noch mit dem Anbau von Gemüse und was sonst noch an allen Ecken und Enden zu tun ist.
Und das würden wir wieder tun. Stauden ohne Mulchmaterial pflanzen? Nein. Aber heute würde ich den Nachbarn fragen, ob er Rasenschnitt oder andere „Gartenabfälle“ vermissen würde, wenn er sie uns schenkt.
Das würden wir auch heute nicht tun. Wir verwenden immer noch kein Unkraut-Vlies. Und auch das käme uns heute nicht in die Tüte: Es gab gut gemeinte Ratschläge von Freunden, dass wir einen Gärtner mit der Gestaltung und Anlage beauftragen sollen. Das würden wir auch heute noch nicht tun. Denn dann ist ein Garten „fertig“ gestaltet.

2) Kompost- Platz für die stillen, unsichtbaren Freunde
Kaum hatten wir unser Haus mit Möbeln und Leben gefüllt, gab´s Küchenabfälle. Den wollten wir nicht der Bio-Tonne schenken. Deshalb musste ein Kompostplatz her!
Die Entscheidung für den Standort war einfach: der Nordwesten des Grundstücks. Feng Shui lässt grüßen. Der Nordwesten steht für „Hilfreiche Freunde“, was Mikro- und Makro-Organismen im Bio-Haufen eindeutig sind.
Der Komposthaufen steht dort bis heute und er hat Gesellschaft bekommen. Daneben hat sich ein Holunderstrauch angesiedelt. Sehr schön!
3) Hecke pflanzen: Geduldsspiel
Eine Hecke erfüllt mehrere Funktionen: zum Beispiel als Versteck für Tiere, Rehschutz, Nahrung für Vögel oder Sichtschutz. Mit etwas Glück gibt´s schon eine von NachbarInnen gepflanzte Hecke – oder auch nicht.
Falls Sichtschutz das Hauptkriterium ist, sollte man möglichst früh mit dem Pflanzen der Heckensträucher anfangen. Denn es dauert, bis sie zur Sichtschutz-Größe herangewachsen sind.
Übrigens: Manche Bebauungspläne schreiben vor, welche Pflanzen wo erlaubt sind und welche nicht. Deshalb vor dem Kauf lieber einen Blick drauf werfen.
Bei uns hat es gepasst. Wir wollten von Anfang an viele verschiedene Heckensträucher, gemischt mit vogelfreundlichem Wildobst, was im Bebauungsplan auch vorgesehen war.
Außerdem sollte man noch vor der Heckenbepflanzung klären, ob ein Zaun installiert werden soll. Der sollte noch vor der Pflanzung der Heckensträucher gebaut werden. Später wird es kompliziert.
Wir haben keinen Zaun. Haben kurz mal drüber nachgedacht, weil die Rehe im Garten seit einigen Jahren nicht nur im Winter sondern auch im Sommer in unserem Garten zum Schlemmen vorbeischauen.
Die Idee mit dem Zaun haben wir wieder verworfen. Umständlich. Aufwändig. Nicht zielführend.
Abgesehen davon würde der Zaun in der vorgeschriebenen Maximalhöhe uns nicht vor Rehen im Garten schützen. Denn es gibt Vorschriften im Bebauungsplan. Aber das war nicht unser Grund gegen einen Zaun.
4) Platz für Gemüseanbau festlegen
Früh darüber nachdenken, wo Gemüsebeet oder Hochbeet hin sollen. Denn einmal festgelegt und die Flächen bepflanzt, lässt sich der Standort nur mehr schwer ändern. Das Hochbeet ist kein leichtes, kleines Möbelstück, das man nach Belieben verschieben kann.
5) Mitte des Grundstücks?
Wieder so eine Feng-Shui-Regel, nach der mir die Mitte des Grundstücks wichtig ist. Deshalb habe ich sie sogar auf dem Grundstücksplan markiert, bevor das Haus fertig war.
Weil der Baggerfahrer schon mal zum Terrassieren des Grundstücks da war, durfte er gleich noch einen großen Felsen in der Mitte ablegen. Unter dem wohnen jetzt Ameisen. Die scheinen sich wohlzufühlen.

6) Obstbäume pflanzen
Obstbäume brauchen Platz und noch mehr Zeit, bis sie reichlich Ertrag bringen. Deshalb möglichst bald den Standort planen und frühzeitig pflanzen. Sie lassen sich später schlecht irgendwo dazwischen quetschen.
7) Gemüse anbauen: langsam herantasten
Gemüse von Anfang anbauen – ja. Aber mit ein paar wenigen Gemüsen loslegen und Erfahrungen sammeln. Salat zum Beispiel geht immer.
Am Anfang nicht alles selber vorziehen wollen. Heute würde ich im Gegensatz zu damals auch mal vorgezogene Jungpflanzen kaufen. Denn am Anfang der Gartengestaltung ist so viel zu tun. Da kommt irgendetwas beim Vorziehen bestimmt zu kurz.
8) Regeln mutig ignorieren
Bücher und Gartenbauprofis sagen, dass man den Garten zuerst von A bis Z durchplanen soll. Erst wenn der Plan steht, geht´s mit der Umsetzung los.
Dieses Argument leuchtet mir ein – wenn ein bezahlter Profi das erledigt. Denn er braucht einen Plan, um den Garten innerhalb einer kalkulierten Zeit anzulegen.
Doch wenn man keine Profis mit der Gartengestaltung beauftragt, sondern den Garten selbst anlegt, weil man Freude dran hat, kann man diese Regel getrost ignorieren. Der Garten ist in so einem Fall keine Baumaßnahme wie ein Haus, sondern ein sich entwickelnder, lebendiger Organismus.
9) Jauchetonne aufstellen
Etwas für den schnell sichtbaren Erfolg: Zum Herstellen von eigener Brennnesseljauche die dazugehörige Jauchetonne von Anfang an im Garten platzieren. Wo, ist zunächst egal. Die lässt sich später ja leicht wieder verschieben.
10) Einen Teil des Gartens sich selbst überlassen
Fehlt noch eine klare Vorstellung vom späteren Aussehen des Gartens, einfach Teile (vorläufig) sich selbst überlassen.
Solange, bis eine Idee zur Gestaltung keimt. Vielleicht gefallen diese wilden Ecken später aber so gut, dass sie bleiben dürfen. Das könnte direkt der Anfang einer wunderbaren Freundschaft mit einem Naturgarten sein.

11) Regentonne aufstellen
Regenwasser zum Gießen, wenn die Sonne scheint, kann man nie genug haben. Wenn keine Zisterne vorhanden ist, einfach eine oder mehrere Regentonnen ans Fallrohr anschließen.
Das würden wir heute anders machen.
Wir haben leider keine Zisterne. Heute würden wir sie bei der Bauplanung einplanen. Regenwasser ist so wertvoll und wichtig für den Garten!
Garten anlegen: Meine Erkenntnisse über einen selbst gestalteten Garten
Ich wollte damals zu viel auf einmal. Sofort! Im Nachhinein sage ich: Das war ein Fehler. Gut war, dass wir sehr früh Fixpunkte wie Lage vom Komposthaufen, von Wegen und Mitte festgelegt hatten.
Damit hatten wir schon mal Punkte, um die herum wir den Garten weiter gestalten konnten. Es macht auch nichts, wenn man später noch mal was verändert. Wir haben zum Beispiel die mit Holzhäcksel belegten Wege wieder aufgegeben.
Ein selbst gestalteter Garten entsteht nicht in wenigen Wochen, sondern über Jahre und verändert sich immer wieder.
Viel Freude in Garten und Natur
Sonja
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