Wir gehen auf Mitte Juni zu. Und wie so oft, habe ich auch jetzt Aha-Momente im Garten. Dabei sind die Themen gemischt wie die Waren in einem Tante-Emma-Laden. Es geht um die richtige Endivien-Sorte für unseren kleinen Gemüsegarten, um überraschende Erkenntnisse mit Rehen im Garten und warum mich Regen plötzlich beeindruckt. Außerdem verrate ich einen Trick, wie ich einen phänologischen Aussaattermin auch ohne Zeigerpflanze festlege.
Diese Endivien-Sorte baue ich nicht mehr an
Langsam denke ich an den Anbau von Endiviensalat für die Herbst- und Winterernte. In der Vergangenheit habe ich verschiedene Sorten ausprobiert. Grundsätzlich gibt es Friseé- und Escariol-Typen.
Friseé-Sorten sollen kältefester sein. „Das ist in unserer Gegend doch ein Argument für diese Sorte“, dachte ich mir. Also angebaut.
Das Ergebnis hat mich enttäuscht. Denn diese Sorte hat stark geschlitzte Blätter, hat damit zwischen den „Blattadern“ wenig Blattmasse.
Bei unserer kleinen Gemüseanbaufläche kann ich das nicht brauchen. Da zählt jedes Blatt. Und auch, ob das Blatt viel oder wenig zum Beißen hergibt.
Schließlich will ich auf wenig Platz möglichst viel ernten. Deshalb kehre ich wieder zur Sorte „Escariol, grüner“ zurück.
Diese Sorte bildet einfach mehr Blattmasse zwischen den Leitbündeln, also den „Adern“ oder „Nerven“.
Das war der Aha-Moment: Aha! Es gibt vom Endiviensalat Sorten mit unterschiedlich viel Ertrag. Wenn ich die Wahl habe, kann ich bei wenig Platz genauso gut Sorten mit mehr Ertrag anbauen.
Übrigens habe ich keinen relevanten Unterschied bei der Kältetoleranz zwischen Friseé- und Escariol-Sorten festgestellt.
Aha! Rehe kommen auch am helllichten Tag in den Garten
In der Vergangenheit habe ich unsere Rehe im Garten (ich nenne sie schon „unsere Rehe“, weil sie unseren Garten als Speisekammer ausgewählt haben und scheinbar uns gehören) in der Morgendämmerung gesehen. Einmal auch am Nachmittag. Aber das ist schon lange her.
Vermutlich besuchen sie uns auch nachts. Aber das weiß ich nicht genau, weil ich nicht auf der Lauer liege. Ich habe vermutet, dass sie auf alle Fälle zu Zeiten kommen, zu denen wir uns nicht länger im Garten aufhalten. Und das ist nun mal nachts.
Doch seit ein paar Tagen regnet es endlich. Deshalb hält sich zur Zeit tagsüber keine Menschenseele im Garten auf. Und auch im Nachbargarten tut sich nichts.
Irgendwie wissen das die Rehe und besuchen jetzt unseren Garten am helllichten Tag. Das hat mich dann doch überrascht. Wer verrät eigentlich den Rehen, dass niemand im Garten ist?
Jedenfalls genehmigen sich die Rehe nun auch tagsüber den einen oder anderen Leckerbissen aus unserem Garten. Aktuelle Opfer, die mich schmerzen, sind eine Blattzichorie der Sorte „Catalogna gigante di Chioggia“ und ein Kopfsalat der österreichischen Sorte „Butterhäupl“.
Neben Kulturgemüsen mussten auch wieder essbare Wildpflanzen dran glauben: Gewöhnliche Nachtkerze, Sauerampfer, Rainkohl und eine 1,20 Meter große Gänsedistel. Das kann ich verkraften, denn sie wachsen auch an anderen Stellen.
Doch etwas mehr Sorgen macht mir unser junger Pfirsichbaum, der heuer zum ersten Mal Früchte trägt! Einige seiner Blätter werden immer wieder angeknabbert – scheinen aber doch nicht so gut zu schmecken, denn Kahlfraß ist uns bisher erspart geblieben.
Obwohl… Könnte das nicht heißen, dass Rehe die Blätter vom Pfirsichbaum immer wieder probieren, bis sie ihnen schmecken? Über diese Frage mag ich gar nicht nachdenken. Also geschwind zum nächsten Punkt.
Aber vorher noch das, was ich gelernt habe. Nachdem Rehe auch tagsüber in den Garten kommen, werde ich das Gemüse auch tagsüber unter einem Schutznetz verstecken.
Denn die Rehe haben nur das Kultur-Gemüse gefressen, bei dem ich während des Tages die „Zudecke“ weggemacht hatte.

Aha! Bei Regen wachsen nicht nur Schnecken viel besser
Seit ein paar Tagen regnet es immer wieder mal. Und sofort sind Schnecken unterwegs.
Nicht nur Schnecken mögen Regen, sondern auch Kohlrabi, Salat und anderes Gemüse. Allem kann ich jetzt beim Wachsen zuschauen,
Mir wird wieder einmal bewusst, dass ein sanfter Landregen die Hochbeete bis in tiefere Erdschichten bewässert, tiefer und besser als ich das könnte. Egal, wieviel Gießkannen ich bei Trockenheit zum Gemüse schleppe oder wie lange ich mit dem Gartenschlauch bewässere.
Der Gemüsegarten im Juni: So einfach lässt sich ein phänologisches Problem lösen
Der Frühsommer hat dieses Jahr bei uns Mitte Mai angefangen. Gegen Ende des Frühsommers (also nicht zu Beginn des Hochsommers, der sich mit der Lindenblüte zeigt) säe ich ein letztes Mal Kohlrabi aus.
Doch wie weiß ich, wann der Frühsommer seinem Ende entgegengeht, wenn ich es nicht anhand von phänologischen Zeigerpflanzen sehe?
Die Lösung ist einfach: Ich rechne das wahrscheinliche Ende aus. Wenn ich weiß, wann der Frühsommer angefangen hat und weiß, wie lange er durchschnittlich dauert, kann ich das ungefähre Ende berechnen. Auf ein paar Tage hin oder her kommt es dabei nicht an.
Meine Erkenntnisse mit dem Gemüsegarten Anfang Juni
Im Juni beginnt ist bei uns der Übergang vom Früh- zum Hochsommer und damit noch einmal eine Zeit für die Aussaat von Gemüse, das die Rehe hoffentlich in Ruhe lassen.
Auch wenn wir unseren Garten gerne mit Tieren teilen, will ich das Gemüse gegen die Rehe noch mehr schützen. Denn das Gemüse baue ich primär für uns und nicht für die Rehe an. (Übrigens bin ich der festen Überzeugung, dass Rehe wissen, dass sie im Siedlungsgebiet vom Jäger nicht erschossen werden dürfen.)
Und wenn der Wetterbericht wieder “schönes Wetter” vorhersagt, bedeutet das nicht, dass es das Wetter ist, das ich will. Außer zum Wandern. Aber das ist ein anderes Thema. Für den Gemüsegarten darf es auch mal ausgiebig regnen.
Viel Freude in Garten und Natur
Sonja
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