Die Marienkäfer-Brackwespe. Sie ist ein Parasit. Ein Parasit, der seine Eier in Marienkäfer legt. Und der sich dann als Larve durch die inneren Organe des Marienkäfers frisst. Und der Marienkäfer überlebt – zunächst!
Für unser Gefühl ist das eine schaurige Sache. Wo doch Marienkäfer so putzig sind!
Sollten wir deshalb lieber nichts für Marienkäfer im Garten tun? Um den Parasiten die Möglichkeit zur Fortpflanzung zu entziehen? Das ginge, indem wir ihnen keine wilde Ecke anbieten.
Doch ohne wilde Ecken geht´s den Marienkäfern trotzdem an den Kragen und es passieren noch andere unerfreuliche Dinge. Welche das sind, erfahrt ihr hier.
1) Ohne wilde Ecke im Garten wachsen dir die Blattläuse über den Kopf
Blattläusen geht´s ohne wilde Ecken, in denen Marienkäfer oder Florfliegen Überwinterungsplätze und Verstecke finden, richtig gut.
Dadurch sind Fressfeinde von Blattläusten Mangelware. Jetzt können sich die Läuse in rasender Geschwindigkeit vermehren und über das Gemüse herfallen.
Wenn man also Marienkäfern zum Schutz vor Brackwespen keine Heimstatt bietet, suchen sich die Käfer einen anderen Garten zum leben, fressen und vermehren.
2) Du siehst keine Ochsenaugen
Einige Schmetterlinge wie das “Große Ochsenauge” brauchen zur Vermehrung Gräser. Denn sie heften ihre Eier in Bodennähe an einen Grashalm oder an verdorrtes Gras.
Was passiert nun, wenn Gräser ständig abgemäht werden, weil man auf sogenanntes gepflegtes Grün schauen will?
Die auf Gräser spezialisierten Schmetterlinge bekommen Nachwuchssorgen. Denn sie verlieren sowohl Plätze für die Ei-Ablage als auch Raupenfutterpflanzen.
Sollten diese Falter trotzdem zwischen zwei Mäh-Durchgängen Eier abgelegt haben, heißt das nicht, dass es die Schmetterlinge bis zum erwachsenen Falter schaffen.
Der Nachwuchs kann dann immer noch vor der Entwicklung zur Raupe oder Puppe dem Rasenmäher oder Rasentrimmer zum Opfer fallen. Und wo das Erwachsenenstadium nicht erreicht wird, können keine Falter sein.
3) Du fragst dich, wo die hübschen, hüpfenden Heupferde bleiben?
Heupferde besiedeln unter anderem Grünflächen mit einem Gras- und Krautbewuchs, der wenigsten 30 cm hoch sein soll. So hoch wird Rasen nie!
Fehlen störungsfreie Naturecken mit entsprechender Vegetation, fühlen sich Heupferde aus Mangel an einem geeigneten Lebensraum nicht wohl und du wirst sie in deinem Garten mit der Lupe suchen müssen.
Dabei zählen sie zu den Nützlingen, weil sie Blattläuse, Fliegen und Käfer fressen! Lässt du Gräser um Bäume oder in der Hecke stehen, profitieren davon also sowohl kunterbunte Schmetterlinge als auch Heupferde!
4) Es kommen immer mehr gefräßige Nacktschnecken
Laufkäfer, Erdkröten, Blindschleichen und andere versteckt lebende Tiere fressen Schnecken. Damit sich ihre natürlichen Fressfeinde ansiedeln, brauchen sie Verstecke.
Fehlen Verstecke, weil sich Wildnis nicht ausbreiten darf, werden es noch mehr Schnecken. Auch wenn man meint, dass man eh´ schon ewig viele Schnecken im Garten hat, könnten es ohne die natürlichen Gegenspieler noch viel mehr sein.
Ein Beispiel gefällig? Nachdem wir das Haus gebaut hatten und unser Garten noch eine Baustelle ohne ökologisch wertvolle Strukturen war, fing es an zu regnen. Und es regnete. Und regnete.
Da kamen Nacktschnecken ohne Ende daher gekrochen. Sie wanderten die Hauswände hoch, übersäten Terrasse und Gehweg ums Haus. Man konnte kaum durchgehen, ohne auf Schnecken zu steigen.
Im Laufe der Jahre sind die Nacktschnecken deutlich weniger geworden – selbst während langer Regenperioden. Ich glaube, dass das an der Zunahme der natürlichen Fressfeinde liegt.
Diese konnten sich ansiedeln, weil wir viele verschiedene Naturgarten-Elemente integriert haben. Auch wenn es manchmal nicht so erscheinen mag – heute sind in unserem Garten deutlich weniger Schnecken als damals.
5) Du fragst dich: “Wohin mit dem Geraffel, das ich beim Graben eines Pflanzlochs gefunden habe?”
Stell dir vor, du willst Stauden – zum Beispiel rot blühende Indianernesseln – einpflanzen.
Du gräbst und gräbst.
Dann stößt du auf Steine.
Und noch mehr Steine.
Jetzt fragst du dich vielleicht: “Wohin mit den Steinen?”
Hier kommt die preisgünstigste und einfachste Methode!
Es ist der Steinhaufen im Garten.
Damit sind die Steine ruck-zuck verräumt.
Du willst diese kleine, ökologisch wichtige Nische, die ruhig etwas wilder aussehen darf, nicht im Garten haben?
Dann kannst du mit mehr Zeitaufwand und vielleicht auch mit Kosten verbunden, die Steine verschenken oder über den Wertstoffhof entsorgen. Dort werden Natursteine zu Schotter verarbeitet.
Weil wir gerade vom Schotter sprechen. Das bringt mich auf die Idee für den nächsten Punkt.
6) Schottergarten statt wilder Ecke und du hast mehr Arbeit
Ein Schottergarten gilt als pflegeleicht. Ist er aber nicht. Denn zwischen den Steinen sammelt sich Staub und Laub, bildet sich Humus und Wildkräutersamen lassen sich auf geheimnisvolle Weise nieder.
Wenn die Wildpflanzen dann munter zwischen dem Schotter sprießen, ist das Jäten bestimmt aufwändig.
Ich möchte mich nicht auf den Schotter knien müssen, um die Pflanzen auszureißen. Und auf grobem Schotter gehen oder stehen gefällt mir schon beim Wandern nicht. Beim Gärtnern zählt es bestimmt auch nicht zu den angenehmen Dingen.
Da fällt mir gerade was auf: Ich habe noch nie, nie, nie jemanden gesehen, der über den Schotter gebeugt war und die Flächen mechanisch vom Wildwuchs befreit hat.
Und trotzdem schauen sie picobello aus. Da drängt sich mir der Verdacht auf, dass manche Leute mit Gift nachhelfen. Aber ich schweife vom Thema ab.
Egal, mit welchen Mitteln Menschen ihren Schottergarten “sauber” machen. Im Vergleich dazu ist eine ökologisch wertvolle Naturzone vom Arbeitsaufwand her die reinste Entspannung.
7) Es gibt weniger Schmetterlinge im Garten
In einer wilden Ecke dürfen Brennnesseln wachsen. Sie dienen mehr als fünfzig Schmetterlingsarten als Raupenfutter.
Manche von ihnen stehen ausschließlich auf Brennnesselblätter. Reiße Brennnesseln aus und du siehst weniger Schmetterlinge im Garten herumfliegen. Doch wer will das schon?

8) Du kannst dich seltener erschrecken und Mäuse finden deinen Garten toll
Manchmal sonnt sich in unserem Garten eine Ringelnatter auf den Steinstufen oder auf der Terrasse. Ich gebe zu.
Wenn ich um die Ecke gehe und sich eine Ringelnatter blitzschnell ins leise raschelnde Gebüsch verzieht, erschrecke ich. Angst habe ich keine.
Doch manche Menschen fürchten sich vor Ringelnattern. Aber für Menschen sind sie nicht gefährlich. Für Mäuse schon. Denn diese stehen zusammen mit Schnecken, Fröschen und Insekten auf der Speisekarte der Tiere.
Was bringt neben einem ausreichenden Nahrungsangebot Ringelnattern noch dazu, deinen Garten zu lieben? Verstecke!
Verstecke für den Alltag und für das Brutgeschäft sowie Überwinterungsplätze. Verstecke wie Komposthaufen, Steinhaufen, Totholzhaufen, Laubhaufen, Büsche und Hecken mit Wildwuchs. Wilde Ecken eben.
Obwohl Ringelnattern im Garten ein Zeichen für einen ökologisch gesunden Garten sind, willst du sie trotzdem nicht im Garten haben?
Verzichte auf Wildnis-Elemente und wild wuchernde Vegetation. Damit reduzierst du die Möglichkeiten der geschützten Ringelnatter, sich im Garten anzusiedeln.
Mit dem Risiko, dass dafür (noch) mehr Mäuse – vielleicht sogar mehr Wühlmäuse – den Garten ganz toll finden.
9) Mit einem Garten ohne wilde Ecken hast du mehr Arbeit
Eine Naturzone macht weniger Arbeit. Sie wird nicht nur in Ruhe gelassen, sondern man kann sie auch für “kurze Wege” nutzen. Wie geht das?
Nutze einen wilden Bereich zum Sammeln von holzigen Abfällen wie Strauch- oder Baumschnitt. Hast du keinen, muss das Schnittgut aufwändig gehäckselt oder abtransportiert und zum Wertstoffhof gefahren werden. Das ist arbeitsintensiver, als es auf die Benjeshecke zu werfen.
Je mehr wilde Flächen im Garten vorhanden sind, desto weniger Arbeit hat man mit mähen, pflanzen, pflegen oder Begleitkraut in Schach halten.

10) Taubenschwänzchen suchen vergeblich einen Platz
Der Kolibrischwärmer, ein tagaktiver Nachtfalter, legt in unseren Breitengraden seine Eier bevorzugt an Labkrautgewächsen wie Kletten-Labkraut, Echtem Labkraut oder Wiesen-Labkraut ab.
Diese Wildkräuter sind oft als Unkraut verschrien und werden eifrig ausgemerzt. An einigen Stellen kann man die wuchernden Gesellen tatsächlich nicht brauchen, zum Beispiel im Hochbeet. Aber in einer wilden Ecke stören sie nicht.
Hat man dann noch ausreichend Nektar liefernde Blühpflanzen, steigt die Chance auf den Besuch des Taubenschwänzchens im Garten.
11) Igel sind obdachlos
Igel sind beliebte Gartenbewohner. Doch in zu aufgeräumten Gärten droht ihnen Wohnungslosigkeit. Damit Igel im Garten heimisch werden, brauchen sie einen Rückzugsort.
Eine wilde Ecke mit Laubstreu kann zum natürlichen Rückzugsort für einen Igel werden, ohne dass man ein teures Igelhaus kauft.
12) Der Ernteertrag ist geringer
Nicht nur Honig- und Wildbienen sondern auch Fliegen, Käfer, Schmetterlinge und Wespen sind wichtige Bestäuber von Obst- und Gemüsepflanzen. Damit tragen sie zum Ernteerfolg bei, sei es bei Äpfeln, Erdbeeren oder Melonen.
Wo es keine entsprechenden Naturecken gibt, sind weniger dieser Insekten unterwegs oder fehlen ganz. Weniger Bestäuber führen zu weniger Fruchtbildung und damit zu einer geringeren Ernte.
13) Die wertvolle Spontanvegetation fehlt
In Bereichen, in denen nicht eingegriffen wird, siedeln sich im Laufe der Zeit von alleine Wildpflanzen an. Man hätte sie dort vielleicht nie hingepflanzt. Aber genau dort wachsen sie gut, bilden die sogenannte „Spontanvegetation“.
Spontanvegetation ist vielfältig. In unserem Garten sind das unter anderem Glockenblumen, Knotige Braunwurz, Pfaffenhütchen und Weißdorn.
Dieser Wildwuchs ist meistens sehr robust was Schnecken- und Wühlmausfraß angeht. Man muss sich nicht um den Fortbestand der spontanen Vegetation kümmern – im Gegensatz zu Zierpflanzen, die deutlich mehr Arbeit machen.
Ein weiterer Aspekt ist, dass Pflanzen, die von alleine wachsen auch auf einzelne Pflanzen spezialisierte Wildbienen anlocken und ihnen beim Überleben helfen können.
So sammelt zum Beispiel das Weibchen der Glockenblumen-Scherenbiene ausschließlich Nektar und Pollen von Glockenblumen.
Vögel profitieren ebenfalls vom Wildwuchs. Bei uns picken Vögel die Samen der “Gewöhnlichen Nachtkerze” aus den Samenkapseln oder von Gräsern.
Das ist nur möglich, weil die wild wachsenden Pflanzen stehen bleiben und damit überhaupt zur Samenbildung kommen können.
Ein zu aufgeräumter Garten dagegen verhindert Spontanvegetation mit ihren wichtigen Funktionen für die Vielfalt.

Erkenntnisse zum Leben ohne wilde Ecke im Garten
Ein Garten ohne wilde Ecken geht gar nicht – denn das bedeutet, auf natürliche Prozesse und einen vielfältigen, sich ständig mit der Natur verändernden und lebendigen Garten zu verzichten. Und was ist schon ein Garten ohne Überraschungen?
PS: So geht es mit dem Marienkäfer und der Brackwespe weiter
Die Larve frisst sich also durch den Marienkäfer. Nach drei Wochen verlässt sie das Körper-Innere und verpuppt sich zwischen den Beinen des lebendigen Marienkäfers.
Ab diesem Zeitpunkt bewegt sich der Marienkäfer jedoch nicht mehr. Ist aber nicht tot sondern nur gelähmt. Außer es kommt ein Fressfeind der Brackwespe daher. Dann zuckt der Käfer und schreckt damit Fressfeinde ab.
Nach rund einer Woche ist die Brackwespe erwachsen und fliegt davon. Der Marienkäfer stirbt meistens – nur wenige überleben.
Viel Freude in Garten und Natur
Sonja
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Ich würde mir echt wünschen, mehr Menschen kämen auf die Idee, ihren Garten nicht mehr so „aufzuräumen“. Danke für diese beeindruckende Liste an Argumenten!
Liebe Grüße
Angela
Hallo Angela,
manchmal hilft es, mit gutem Beispiel „unaufgeräumt“ voranzugehen und dranbzubleiben, damit auch andere das Potential von wilderen Gärten sehen.
Herzliche Grüße
Sonja