Eine einzige Blüte vom Löwenzahn produziert 200 bis 400 Samen.
Jeder dieser Samen ist federleicht, wiegt weniger als ein halbes Gramm.
Und jeder dieser Samen hängt an einer Art Fallschirm.
Mit Hilfe dieser Fallschirme kann sich Löwenzahn bei leichtem Wind kilometerweit verbreiten.
Diese Fallschirme sind typisch für die Pflanzenfamilie der Korbblütler
Nicht nur Löwenzahn gehört zur Pflanzenfamilie der Korbblütler, sondern auch Salat.
Ich habe beim Römersalat nachgezählt.
Da waren es pro Blütenköpfchen deutlich weniger Samen.
Aber so ein blühender Salat vermehrt sich ja nicht nur mit einer einzigen Blüte.
Da sind so viele Blüten mit Samen dran, dass auch eine ganze Menge zusammenkommt.
Ob Salatsamen auch so weit fliegen können wie die Früchte des Löwenzahns?
Diese Frage kann ich nicht beantworten.
Mit Nachdenken komme ich auf „Ja!“.
Denn sie sind ebenfalls Leichtgewichte.
Allerdings wird den Salat kaum jemand zwischen Wiesengräsern oder in Pflasterfugen suchen oder gar als solchen erkennen.
Und wozu das alles?
Saatgut ernten statt Pflanzen wegwerfen
Um eigene Samen zu ernten.
In unserem Garten reifen die Samen von Römersalat, Kopfsalat und Pflücksalat.
Sie öffnen sich wie reifende Löwenzahnblüten.
Und bereiten sich für den Abflug vor.
Vorher fange ich einige ein.
Genauso wie die Samen vom Zuckerhut.
Doch wie mache ich das bei der kleinen Fläche, auf der ich Gemüse anbaue?
So dass ich trotz Samenernte genug Gemüse einfahren kann?
Bei kleiner Anbaufläche Gemüse verpflanzen
Früher habe ich das Gemüse im Hochbeet auswachsen lassen.
Aber das ist ein Problem.
Denn bis die Blüte vorbei ist und die Samen reif sind – das dauert.
Wochen und Monate.
Während dieser Zeit blockieren sie Platz, auf dem sonst schon wieder Gemüse wachsen könnte.
Deshalb habe ich etwas verändert.
Die Samen produzierenden Gemüse wachsen ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr im Gemüsebeet.
Sobald Salat, Kohlrabi, Mangold oder anderes Gemüse anfängt zu schossen, grabe ich es aus.
Und pflanze es um.
Zum Beispiel zwischen Zierblumen.
Oder ins wilde Durcheinander im Kräuterbeet.
Oder neben einen Strauch, an dem es sonnig ist.
Einfach überall dort hin, wo etwas freier Platz ist.
Dort kann sich das Gemüse vermehren.
Oder auch nicht.

Warum die Samenernte misslingt
Denn die Aktion ist nicht immer erfolgreich.
Es gibt hungrige Mitesser.
Schnecken zum Beispiel.
Sie haben eine andere Vorstellung vom Gemüsezweck als ich.
Pak Choi fressen sie ratzeputz auf.
Auch am Salat der Sorte „Teufelsohren“ naschen die Schnecken.
Aber an den „Teufelsohren“ raspeln sie nur an den großen, welken Blättern.
Denn Salate werden beim Schossen herb oder bitter.
So bitter, dass sie den Schnecken scheinbar dann doch nicht so gut schmecken.
Und damit den Pflanzen nicht ganz den Garaus machen.
Das, obwohl die Blätter nach dem Umpflanzen schon arg marode ausschauen, weil beim Umpflanzen die Wurzeln gestört wurden.
Doch die Spitze, an der sich die Blüten und später die Samen bilden, hält erstaunlich gut durch.
Eigene Gemüse-Samen auf kleiner Fläche ernten – Erkenntnis
Mit dieser Umpflanz-Methode bringe ich Kohlrabi, Zuckerhut und andere Gemüse dazu, Blüten zu bilden. Wunderschöne Blüten, die zwischen Zierblumen und Wildkräutern gerne von Insekten besucht werden.
Auf diesem Weg wird Gemüse zum heimlichen Insekten-Schatz im Garten. Doch nicht nur ein Schatz für Insekten. Auch für mich. Nach der Samenreife gewinne ich eigenes Saatgut – ohne dass das Gemüse den knappen Platz lange belegt.
Viel Freude in Garten und Natur
Sonja
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