Was sind phänologische Merkmale und welche sind für den Gemüseanbau wichtig?

Phänologische Merkmale sind Blüten der Forsythie.

Für die Aussaat von Gemüsesamen gucke ich nicht in den Kalender, sondern gehe  in die Natur. Ich beobachte, was gerade passiert. Was passiert, erkenne ich an den  phänologischen Merkmalen, die auch phänologische Phasen genannt werden.

Mit ihnen finde ich den besten Zeitpunkt zum Säen. Denn die Natur ist ein unschlagbar guter Kalender. Wenn sie sagt: „Es ist Frühling“, dann ist Frühling und nicht dann, wenn es der menschengemachte Kalender vorgibt. Für diesen Natur-Kalender brauche ich nicht viel. Nur Augen, um zu schauen.

Was sind phänologische Merkmale?

Phänologische Merkmale beschreiben die Entwicklungsstadien von Pflanzen. Wir können sie uns wie den Lauf der Jahreszeiten vorstellen. Auf den Winter folgt der Frühling, auf diesen der Sommer und dann der Herbst. Schließlich beginnt mit dem Winter wieder alles von vorne.

So verläuft auch die Pflanzenentwicklung jedes Jahr in der gleichen Reihenfolge. Nehmen wir als Beispiel die Blüte eines Apfelbaums.

Zuerst sind am Apfelbaum Blüten-Knospen. Dann brechen diese auf und einige Blüten öffnen sich, werden immer mehr, bis der Baum mit Blüten übersät und schließlich verblüht ist.

Jedes dieser Entwicklungsstadien ist ein phänologisches Merkmal. Von denen man praktischerweise für die richtige Saatzeit meistens nur ein Stadium braucht. Doch schauen wir uns zuerst die Pflanzenteile an, die wir beobachten wollen.

Pflanzenteile, die für den phänologischen Gemüseanbau wichtig sind

Für die Aussaat von Gemüsesamen beobachte ich im Wesentlichen drei  Pflanzenteile. Es handelt ich um solche, die wahrscheinlich jede/r erkennt:

  • Blatt / Laub
  • Blüte
  • Frucht

Ich schaue mir die Pflanzenteile nur von bestimmten Pflanzen an und nicht von allen Pflanzen, die im Garten oder in der näheren Umgebung wachsen.

Ich gucke also nicht nach den Blättern vom Holunder, weil ich nur seine Blüten und  reifen Früchte brauche. Und ich schaue auch nicht, wann die Zitterpappel blüht, nur weil ich eine Blüte von einem Baum brauche und die Zitterpappel mir gerade über den Weg läuft.

Die Zitterpappel kann wunderschön silbrig glänzend blühen wie sie will. Interessiert mich in diesem Zusammenhang nicht!

Phänologische Entwicklungsphasen von Pflanzen und ihre Relevanz

Es ist also ganz einfach. Ich schaue mir eine Pflanze an und wähle den Teil, der für die Aussaat relevant ist. Also Blüte, Blatt oder Frucht.

Dann identifiziere ich die phänologische Phase an, in der sich die Pflanze zur Zeit  befindet. Das können viele Phasen sein. Doch nur wenige sind relevant. Mögliche Phasen sind:

Entwicklungsphasen vom Blatt / Laub

Die Entwicklung des voll ausgebildeten Blattes erfolgt in Phasen. Das ist mit der  Entwicklung von Menschen vergleichbar.

Menschen werden geboren, entwickeln sich von Säuglingen über Kleinkinder zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen, dann zu Erwachsenen und SeniorInnen.

Kein Mensch kommt erwachsen zur Welt. Und kein Blatt ist von Anfang an fertig entfaltet. Wenn die Zeit für den Austrieb vom Laub gekommen ist, spitzen die Blattspitzen aus den Knospen hervor.

Im Laufe der Zeit schieben sich die Blätter immer weiter aus der Knospe. Bis zu diesem Stadium sind sie für den Gemüseanbau noch bedeutungslos.

Dann wird´s interessant! Denn nun entfalten sich die Blätter zum vollständig ausgebildeten Blatt. Später, je nach Baum oder Strauch verfärben sie sich im Herbst die Blätter. Schließlich fällt das Laub vom Baum. Das alles sind wichtige Phänomene.

Entwicklungsphasen der Blüte

Am Baum oder Strauch sind zuerst die Blütenknospen sichtbar, aber noch nicht offen. Wir können die Blüte in diesem Stadium links liegen lassen.

Sobald am beobachteten Objekt einige Blüten zu blühen anfangen, schenken wir ihm unsere volle Aufmerksamkeit. Diese nimmt ab, wenn das Objekt anfängt zu verblühen.

Blüten bestehen allerdings nicht immer aus Kron- und Blütenblättern. Die Zeigerpflanze „Hasel“ zum Beispiel blüht an Kätzchen. Bei ihr strecken sich die Kätzchen und fangen zu stäuben an. Da der Haselstrauch zeitlich äußerst flexibel blüht, ist er für mich für den Gemüseanbau nicht relevant.

Phänologische Phasen sind Blüten im Frühjahr. Hier mit einer Wildbiene an einer Blüte.

Entwicklungsphasen von Früchten

In dieser Phase steht für den Gemüseanbau die Reife von Obst, Beeren oder Samen im Mittelpunkt und nicht ihre Entwicklung ab der Befruchtung der Blüte.

Die Früchte sind noch nicht reif, wenn zwar die meisten Früchte, zum Beispiel Äpfel oder Eicheln ihre volle Größe schon erreicht, aber immer noch ihre „grüne“, unreife Farbe haben.

Die Fruchtreife – und damit das relevante Merkmal – tritt ein, wenn die Ernte beginnt oder wie bei den Früchten der Eiche sich die Eicheln braun verfärbt haben und manche auch schon abfallen.

Gemüseanbau mit Hilfe der Phänologie ganz praktisch

Für den phänologischen Gemüseanbau orientiere ich mich nur an leicht zu erkennenden Merkmalen. Die obige Merkmalsbeschreibung ist nicht vollständig. Bei der Blütenentwicklung zum Beispiel gibt es noch andere Entwicklungsstadien wie „ruhende Knospen“ und „aufbrechende Knospen“.

Doch das ist zu kompliziert und auch nicht relevant. Schauen wir uns die für den Gemüseanbau wesentlichen Merkmale in Verbindung mit ein paar Gemüse-Beispielen genauer an.

Phänologisches Merkmal 1) Blattentfaltung von Pflanzen

Wenn wir an Blätter von Pflanzen denken, haben wir meistens die fertig entfaltete Form im Kopf. Das ist die Form, die für bestimmte Saatzeiten relevant ist.

Angenommen, ich will Asia-Salat vorziehen und brauche dafür die „Forsythienblüte“ als Zeigerpflanze. Doch sie wächst weder in unserem Garten noch in der näheren Umgebung.

Wenn wir wissen, wie „Blattentfaltung“ aussieht, können wir statt auf das Erscheinen der Forsythienblüte auf die Blattentfaltung der Stachelbeere zurückgreifen. Diese Pflanze ist unsere Ersatzpflanze.

Ersatzpflanzen können eine andere phänologische Phase zeigen als die primär beobachtete Pflanze. In diesem Beispiel steht alternativ zur Blüte die Blattentfaltung im Vordergrund.

Gemüseanbau mit Hilfe der Phänologie gelingt mit den richtigen Merkmalen wie Blattentfaltung.

Phänologisches Merkmal 2) Blüte

Die Blüte bestimmter Pflanzen zeigt mir, dass bereits genügend Wärme und Licht vorhanden ist, die die Pflanzen für ihre Entwicklung brauchen. Im Frühjahr sagt mir das blühende Schneeglöckchen, dass ich erste Salate vorziehen kann.

Phänologisches Merkmal 3) Fruchtreife

Es stehen verschiedene Früchte zur Beobachtung bereit. Mit reifenden Holunderbeeren fängt der Frühherbst an. Für das Nachsäen von Zucchini ist es zu spät. Das wird nichts mehr.

Wenn sich der Vollherbst mit reifen Eicheln zeigt, kann ich immer noch Knoblauch stecken. Könnte ja sein, dass vorher kein Platz im Gemüsebeet frei war, weil sich die Salaternte länger hingezogen hat.

Phänologisches Merkmal 4) Blattverfärbung

Im Herbst füllen Bäume und Sträucher ihre Vorratskammern, indem sie Nährstoffe aus den Blättern in Wurzeln und Stamm einlagern.

Dadurch verfärben sich bei einigen Arten die Blätter, denn die noch im Blatt verbliebenen Stoffe werden sichtbar. Sie waren vorher durch die nun schon eingezogenen Stoffe überdeckt.

Wenn die Herbstfärbung einsetzt, ist es für fast jedes Gemüse zu spät fürs säen. Doch nicht für jedes Gemüse. Wenn sich das Laub der Stiel-Eiche herbstlich färbt, zeigt das den Beginn vom Spätherbst an. Wenn ich bisher noch keinen Knoblauch gesteckt habe, kann ich ihn immer noch stecken.

Phänologisches Merkmal 5) Blattfall

Wenn Bäume und Sträucher ihre Blätter verlieren, fragt man sich im Garten: „Laub im Garten liegenlassen oder entfernen?

“ Beim Wandern oder Spazierengehen im Wald raschelt das Laub unter den Füßen so schön.

Fallen die Blätter der Stiel-Eiche vom Baum, fängt der Winter an. In diese Zeit heißt es Wintergemüse wie Pastinaken, Grünkohl, Postelein, Topinambur oder Feldsalat ernten.

Meine Erkenntnisse über phänologische Merkmale

Für den Gemüseanbau anhand der Phänologie verwende ich nur Merkmale, die leicht zu erkennen sind. Andere sind unwichtig.

Was nicht heißt, dass ich sie nicht sehe. Denn je mehr ich mich mit Phänologie beschäftige, desto mehr Details nehme ich wahr.

Ich glaube, wer sich mit phänologischem Gemüseanbau befasst, sieht die Natur im Garten oder beim Wandern mit völlig anderen Augen, viel intensiver. Und nimmt auch die Jahreszeiten bewusster wahr.

Ich freue mich zudem über Zusammenhänge, die ich entdecke. Das können so einfache Naturerscheinungen wie die Reihenfolge der Blüte sein: Kirschpflaume –  Schlehe – Zwetschge.

Das ist jedes Jahr gleich und für mich wie ein Kalender zu lesen, in dem steht: „Wenn das und das blüht, dann säst du das und das Gemüse aus.“

Das über Jahre zu beobachten und Muster zu erkennen, hat Suchtpotential. Das Schöne an dieser Sucht ist, dass sie nichts kostet, niemandem weh tut und erstaunlich aussagekräftig ist.

Alles, was man braucht, ist Lust, in die Natur zu gehen und zu schauen, was in ihr los ist. Doch das ist eh´ kein Thema. Als naturverbundene HobbygärtnerIn hat man sowieso ein gewisses Naturinteresse. Das unterstelle ich mal.

Viel Freude in Garten und Natur

Sonja

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