ExpertInnen prognostizieren für das Garten-Jahr 2026 Ungemach und zweifelhafte Garten-Trends. Doch sie können sich irren. Denn Trends muss man nicht mitmachen oder Prognosen treffen nicht ein.
In meiner persönlich gefärbten Auswahl von (Wunsch-) Garten-Trends zeige ich euch, was ist mache, um Herausforderungen wie Wetterextreme auszutricksen und fragwürdigen Garten-Trends zu trotzen.
- Inhalte dieses Blogartikels
- Klimawandel Ade! Dem Wetter die Stirn bieten
- Gemüse-Asketen anbauen
- Mein Wunsch-Gartentrend: Der Gemüsegarten schaut nicht in den Kalender sondern auf die Natur
- Schotterwüste Ade! Hin zum lebendigen Garten
- Gartentrend Hydroponik. Nein danke! Unsere Gemüse sind Feinschmecker
- Erkenntnisse zu Gartentrends 2026
1. Klimawandel Ade! Dem Wetter die Stirn bieten
Klima-Prognosen klingen beunruhigend. Sie gehen davon aus, dass sich die Erde weiter erwärmt, dass Hitzewellen und Starkregen zunehmen – unabhängig davon, ob menschengemacht oder natürlichen Ursprungs.
Vermutlich werden viele von uns die Folgen spüren. Die einen freuen sich über viele, bildschöne Sommertage. Die anderen leiden unter Temperaturen wie in der Wüste.
Auch in unsere Gärten spüren wir die Veränderungen. Im schlimmsten Fall vertrocknen Pflanzen in der wochenlangen Hitze oder Starkregen reißt wertvolle Erde mit.
Doch das muss nicht sein! Mit einem kleinen Trick kann unser Naturgarten auch in Zukunft ein grünes und buntes Paradies sein, in dem sich Mensch, Igel, Krabbenspinne und Wildbiene wohlfühlen.
Mit diesem Trick biete ich in unserem Garten dem Klimawandel die Stirn
Mein Zaubertrick gegen Trockenheit und Bodenerosion ist mulchen. Angenehmer Nebeneffekt: Mulch liefert Nahrung für Regenwürmer & Co., düngt die Pflanzen und baut Humus auf.
Mit dem Mulchen ist es wie mit der Fliegenklatsche – man erledigt zwei Fliegen auf einmal. Letzteres überlasse ich dann doch lieber meinem Mann. Wegen dem Karma … Und weil ich keiner Fliege was zuleide tun kann.
Ich mulche alles, was mir über den Weg läuft. Besonders neu gepflanzte Bäume, Sträucher und Stauden. Beim Einpflanzen bekommen sie eine ordentliche Portion Wasser und dann packe ich sie in eine dicke Mulchschicht.
Schon länger bestehende Pflanzungen freuen sich über den Schutzmantel aus Mulch, sobald er haufenweise frisch anfällt – Rasenschnitt oder Laub zum Beispiel. Damit spare ich mir den Weg zum Komposthaufen.
Dadurch trocknet der Boden während Dürrephasen nicht so schnell aus. Wenn ich eine dicke Mulchschicht wegkratze, bin ich immer wieder überrascht, wie lange die Erde feucht bleibt!
Und wenn Starkregen weinen könnte, würde er sich schreiend auf den Boden werfen und die Augen ausweinen. Denn er hat keine Chance, die gut bedeckte Erde mitzureißen.
Es ist so einfach. Mit dem einfachen Mittel „Mulch“ passen wir unseren Garten an veränderte Zeiten an und schaffen ein kunterbuntes Paradies.

2. Gemüse-Asketen anbauen!
Nicht nur Zierpflanzen, sondern auch Gemüse wird unter der Hitze leiden. Im schlimmsten Fall fällt die Ernte mau aus. Beispiele gefällig?
Busch- und Stangenbohnen etwa werfen bei Temperaturen über 30 Grad ihre Blüten ab. Es fehlt ihnen die Kraft fürs „Kinder kriegen“. Ohne Blüten keine Befruchtung. Und ohne Befruchtung keine Ernte.
Ähnlich unproduktiv reagieren Salat und Spinat auf hohe Temperaturen. Statt saftig-grüne Blätter zu liefern, wachsen sie mit Blütenstängeln in den Himmel.
Das mache ich heute schon gegen gestresstes Gemüse
Als Kind hatte ich einen Zauberkasten. Aber mit ihm kann ich gegen sommerlich heiße Temperaturen nicht anzaubern.
Eine klimafreundliche Klimaanlage fürs Hochbeet ist eine schöne Vorstellung. Aber sie muss erst noch erfunden werden. Was also tun?
Wir bauen Gemüse an, das von sich sagt: „Mir kann es gar nicht warm genug sein.“ Einige dieser Gemüse erledigen ihren Job erst bei Hitze richtig gut.
Sie wachsen besser, blühen besser, fruchten besser. Sie versprechen erst in brütend heißen Zeiten eine besonders reiche Ernte.
Das ist beim Neuseeländer Spinat so, den wir statt gewöhnlichem Spinat anbauen. Selbst bei Hitze ist der Exot ausdauernd. Nicht einmal Trockenheit setzt ihm zu.
Und Stangenbohnen? Die lassen sich durch die langen Meter- oder Spaghettibohnen ersetzen. Sie sollen bei Hitze ausdauernd wie MarathonläuferInnen sein. Das muss ich erst noch ausprobieren.
Ich experimentiere immer wieder mit anderen Sorten oder unbekannten Gemüsen und hoffe auf das passende Wetter. Was kommt, weiß man ja im Vorhinein nie. Gärtnern in Zeiten des Klimawandels bleibt spannend!
3. Mein Wunsch-Gartentrend: Der Gemüsegarten schaut nicht in den Kalender sondern auf die Natur
In den letzten Jahren hat das Wetter immer wieder in verschiedene Richtungen kräftig ausgeschlagen. Mal Dürre, so dass die Erde rissig wurde, dann wieder so viel Regen, dass wir uns fragten: Wo ist die nächste Arche Noah? Dann wieder war es für eine bestimmte Jahreszeit zu kalt oder zu warm.
Der März ist bei uns ein Kandidat für falsches Wetter. In jüngster Vergangenheit ist der Frühling oft ausgefallen, der Winter direkt in den Sommer übergegangen. Mit über 20 Grad hat sich die Temperatur im März an die Temperatur von Sommertagen herangeschlichen.
Dann wieder gab es auch das Gegenteil. Im Juli 2025 hatten wir im Bayerischen Wald laut Deutschem Wetterdienst bis zu 25 Regentage und gefühlt wochenlang Temperaturen um die 10 Grad. Meine phänologischen Aufzeichnungen bestätigen mein Gefühl.
Irgendwann war die Kälte im Haus nicht mehr auszuhalten und ich habe im Ofen ein wärmendes Feuer entzündet. Und das im Juli! Zu einer Zeit, in der man normalerweise anstatt dicke Jacken leichte T-Shirts und Shorts trägt! Da war es im März wärmer! Es fühlte sich wie Herbst an! Brrr!
Und auch der Postelein und Feldsalat erkannten die fortgeschrittene Jahreszeit als solche. Die im Mai gesäten Samen keimten im Juli. Obwohl auf den Samenpackungen steht, dass die Samen erst im August oder September zu säen sind. Was zu einer späteren Keimzeit als im Juli führen würde. (Warum ich die Samen im Mai säe, ist eine andere Geschichte).
Dass sie im Juli gekeimt sind, liegt wahrscheinlich daran, dass Samen nicht lesen können. Deshalb wissen sie nicht, was auf den Samenpäckchen steht. Dieses Defizit gleichen sie jedoch mit einem feinen Gespür für Vorgänge in der Natur aus.
Sie beobachten das Wetter, die Tageslänge, die in den vergangenen Wochen angesammelte Licht- und Wärmemenge sowie andere biologische Merkmale. Sobald alle Umweltbedingungen passen, gibt ihr Samen-Superhirn das Signal zum Aufbruch.
Unsere Salat-Samen haben das gleiche getan wie die Zeigerpflanzen vom phänologischen Kalender. Beide schauen auf das Gesamtpaket der Umwelteinflüsse und nicht nur auf Einzelereignisse.
Neben den oben genannten Salaten hat auch der Klarapfel – eine phänologische Zeigerpflanze – die Zeichen in der Natur wahrgenommen.
Normalerweise reift er in unserer Region um Anfang bis Mitte August. Im Jahr 2025 konnten wir deutlich früher in den knackig-frischen Apfel beißen. Die Reihenfolge der Naturerscheinungen war stimmig. Wenn auch der Kalender nicht dazu gepasst hat.
Das mache ich heute schon dagegen: Meine Wunderwaffe gegen Wetter-Purzelbäume
Gegen das Wetter kommen wir nicht an. Da können wir noch so viel jammern. Unsere Strategie ist es, mit der Natur zu arbeiten.
Als HobbygärtnerInnen kennen wir die komplizierten Einzelteile, die im Umwelteinfluss-Paket liegen, nicht. Mit denen müssen wir uns auch nicht abmühen.
Denn die Pflanzen schauen nach dem Wetter, zählen für uns zusammen und tüfteln. Sie erledigen für uns die ganze Kleinarbeit. Wir müssen dann bloß noch gucken, was passiert.
Das Ergebnis sehen wir als Erscheinungen wie Blüte, Früchte oder Blattfall. Diese bilden eine Art Kalender. In dem steht für uns: „Wenn die Naturerscheinung xy zu sehen ist, dann säen wir das Gemüse yz aus.“
So säen wir Gemüse zur richtigen Zeit aus. Und wir handeln im Einklang mit der Natur. Denn die Natur sieht im Gegensatz zum Kalender das große Ganze.
4. Schotterwüste Ade! Hin zum lebendigen Garten!
Es folgt meine Zukunftsvision. Diesen Trend leite ich aus dem Trend zu mehr Biodiversität und Ökologie ab.
Im Jahr 2026 wird ein Umdenken erfolgen. Niemand wird sich mehr für trostlose, Klima-, Lebens- und insektenfeindliche Schottergärten erwärmen.
Ein umweltfreundlicher Gestaltungs-Trend wird sich durchsetzen. Er heißt: Zurück zum naturnahen Garten. Zum ökologisch wertvollen Organismus mit bunter Blumenpracht, mit Steinhaufen, Totholzhaufen und langen Gräsern.
In vielfältigen Hecken mit Nährgehölzen zwitschern Vögel und am Heckenfuß tummeln sich zwischen dichten Verstecken Laufkäfer und Igel. Ach! Vor lauter Vorfreude komme ich gleich ins Schwärmen!
Das mache ich heute schon gegen graue Ödnis und für wunderbare Erlebnisse
Wir haben einen lebendigen Naturgarten mit vielen, meist wilden Elementen, die nicht nur Insekten sondern auch Laufkäfer, Blindschleichen und Erdkröten anlocken.
Für uns ist es jeden Tag eine Freude, im Garten auf Entdeckungsreise zu gehen. Da kann ich ständig in Erinnerungen über die kleinen Naturwunder schwelgen.
Ich erinnere mich
- an das Schauspiel mit der Hornisse, die einen Schmetterling lebendig ins Nest bringen wollte, das aber nicht konnte, weil er mit seinen Flügeln zu sehr geflattert hat. Da hat ihm die Hornisse drei Flügel abgebissen. Dann konnte sie mit der lebendigen Beute starten.
- an die Meisen, die im Frühling Läuse vom Gewöhnlichen Schneeball picken, um ihren Nachwuchs zu versorgen.
- an die Krabbenspinne, die eine Wespe erbeutet hat.
- an die vielen Puppen des Marienkäfers am Ginster.
- an die wunderschön gestreiften Streifenwanzen.
- an die Vögel im Winter, die aus den Nachtkerzen Samen picken.
- an das Amseljunge, dem der Wurm im Hals stecken geblieben ist, Ein Amselelternteil hat immer wieder gegen seinen Schnabel geklopft, bis das Amselkind wusste, was zu tun war. Dann hat der Amselelternteil den Wurm aus dem Hals gezogen.
In unserem Garten rührt sich was und es gibt so viel zu sehen! Das ist einer meiner Wunsch-Garten-Trends 2026, dass sich niemand mehr nach einem Schottergarten sehnt. Vielleicht hilft es, sich die lebendige und lebensfrohe Natur im Garten intensiv vorzustellen und zu wünschen?

5. Garten-Trend Hydroponik. Nein danke! Unsere Gemüse sind Feinschmecker
Hydroponik, also der Anbau von Gemüse ohne einen einzigen Krümel Erde, nur in bewegtem Wasser und mit einer optimalen Düngerlösung versorgt, soll ja so toll sein.
Auch in der Vereinszeitschrift des Gartenbauvereins wurde sie als vielversprechende Anbaumethode für Leute mit kleiner Anbaufläche angepriesen.
Aber brauchen wir das wirklich im privaten Gemüsegarten? Das wäre ja so, als ob wir auf gutes Essen verzichten würden. Unseren Nährstoffbedarf stellen wir dann ausschließlich mit optimierten Nahrungsergänzungsmitteln sicher. Wo bleibt der Geschmack?
Ich war dieses Jahr im Technik-Museum in Speyer. Es wurde ein Film gezeigt, wo ein Astronaut die Ernährung in einer Raumkapsel vorgestellt hat. „Na ja“, sage ich da nur. Wo bleibt der Genuss?
Mir leuchtet nicht ein, warum wir auf Erde im Hobby-Gemüsegarten verzichten sollen. Beim Wein heißt es, dass die Boden-Zusammensetzung, auf der die Traube wächst, Auswirkungen auf den Geschmack hat.
Warum soll das bei Gemüse anders sein? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man zwischen einer Tomate, die in guter Erde und einer Tomate die in optimaler Nährlösung gewachsen ist, keinen Unterschied schmeckt.
Noch einmal: Brauchen wir Hydroponik wirklich im Hobby-Gemüsegarten? Ich halte das für eine fragwürdige Entwicklung. Dieser Trend fühlt sich an, wie ein Abschied von der Natur.
Ich könnte jetzt über die Vorteile von echter Erde sprechen, von Humus als wertvollem CO2-Speicher, von der Erde als Lebensraum für dicke Regenwürmer, emsig wuselnde Tausendfüßler und lustige Rollasseln. Tue ich aber heute nicht.
Das mache ich heute schon für bodenschonendes, gutes Gemüse
Wir bauen unser Gemüse ausschließlich in Erde und Kompost an. Gute Erde, in denen sich unsere Pflanzen die Nährstoffe holen, die sie brauchen.
Und wir düngen mit dem, was die Natur hergibt: meistens Brennnesseljauche, Pferdemist und Rasenschnitt. Dünger voller Leben, der Leben spendet.
Energieintensiv hergestellter mineralischer Dünger dagegen kommt uns nicht in den Garten. Mit dieser Haltung wachsen in unserem Garten nicht nur Gemüse und Blumen, sondern auch das Leben.
Erkenntnisse mit Garten-Trends 2026
Der von Dürre, Wind, Regen, Sturm und fragwürdigen Trends gebeutelte Garten fordert uns heraus. Wir können jetzt den Kopf in den Komposthaufen stecken oder schauen, wie wir in Zukunft gärtnern wollen.
Ich bin mir sicher: Als HobbygärtnerIn bringen wir eine gehörige Portion Liebe zur Natur mit. Und ich bin davon überzeugt, am Ende wird die Natur stärker sein als wir. Oder wer kann schon Wassermassen bei Überschwemmungen mit den Händen aufhalten?
Es geht nur mit der Natur und nicht gegen sie. Wenn wir uns an die Natur anpassen und nicht umgekehrt versuchen, die Natur in unsere Form zu zwängen, können wir der nächsten Gartensaison entspannt entgegensehen.
Viel Freude in Garten und Natur
Sonja
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