Nehmen wir mal an, jemand fragt mich: „Wie kann ich im Einklang mit der Natur gärtnern?“ Ich: „Probier es mit phänologischem Gärtnern.“ Das bedeutet, er oder sie erledigt Gartenarbeiten dann, wenn die Natur sagt: „Jetzt ist es Zeit für´s Rosen schneiden oder für die Aussaat!“
Die Natur sagt das allerdings nicht mit Wörtern, sondern zeigt den richtigen Zeitpunkt mit Erscheinungen an. Dafür guckt der Mensch, was in der Natur gerade passiert. Blüht zur Zeit die Forsythie? Dann ist jetzt Zeit für den Rosenschnitt.
Beim phänologischen Gärtnern beobachtet man also die Natur. Was Phänologie ist und warum sie für den Anbau von Gemüse so wichtig ist, habe ich bereits in einem früheren Artikel behandelt.
Im aktuellen Beitrag geht es um die Fragen, für wen die Phänologie-Methode besonders gut geeignet ist und was das phänologische Gärtnern nicht ist?
- Inhalt
- Für wen ist das Gärtnern mit Hilfe von phänologischen Merkmalen ideal?
- Wann braucht man den phänologischen Gemüseanbau?
- Was ist phänologisches Gärtnern nicht?
- Meine Erkenntnisse mit dem Gärtnern mit Hilfe der Phänologie
Für wen ist das Gärtnern mit Hilfe von phänologischen Merkmalen ideal?
1. Hobbygärtnerinnen, die in kälteren Regionen leben und endlich die richtige Zeit für die Aussaat von Gemüsesamen wissen möchten
Vielleicht wollt ihr das auch? Die Gemüsesamen zur richtigen Zeit aussäen, so dass die Gemüse im Frühling keinen Kälteschock und im Herbst noch eine ordentliche Größe bekommen?
Doch oft stimmen die Angaben auf den Samenpackungen für die früheste und späteste Aussaat mit dem eigenen Klima nicht überein.
Ich weiß nicht, wie oft ich auf Angaben zu Saatzeiten auf den Samenpackungen, Büchern und im Internet hereingefallen bin.
Mal war ich zu früh dran und deshalb war es zu kalt. Die Gemüse sind nicht gewachsen und haben dann vorzeitig geblüht. Mal war es im Herbst zu spät. War also wieder nix mit guter Ernte.
Wesentlich erfolgversprechender und weniger frustrierend ist es, sich am phänologischen Kalender zu orientieren und sich auf die Entwicklungsstadien der Pflanzen zu verlassen.
Diese wissen über Temperatur und Lichtmenge mit Hilfe komplexer Systeme, wann was zu tun ist. Wie sie das im Einzelnen machen, müssen wir nicht wissen, damit wir mit ihnen im Garten arbeiten können.
Die phänologische Anbaumethode ist also (nicht nur) für Menschen ideal, die in kälteren Gegenden leben, sondern für alle, die dem Gemüse mit der richtigen Anbauzeit gute Startbedingungen liefern wollen.
2. Menschen, die gerne in die Natur gehen
Phänologisches gärtnern wird vor allem Menschen ansprechen, die sich gerne in der Natur aufhalten und schauen, was dort geschieht.
Idealerweise nehmen diese NaturfreundInnen auch Details wahr. Denn bei der Phänologie beobachtet man genau, was passiert.
Nehmen wir als Beispiel den Haselstrauch. Sobald die Haselkätzchen stäuben, beginnt der Vorfrühling. Das sieht man nicht immer aus der Ferne.
Aus der Distanz könnte man meinen, dass der Hasel schon stäubt, weil seine Kätzchen bereits leuchtend gelb am Strauch hängen.
Doch die Gelbfärbung sagt noch nichts darüber aus, ob er auch schon Pollen in die Luft entlässt, also stäubt.
Wenn der Wind nicht gerade gut sichtbare Pollen durch die Luft wirbelt, geht man am besten zum Strauch und betrachtet ihn aus der Nähe.
Nicht nur gucken, auch schütteln gehört dazu. Dann sieht man die Details, die den Unterschied zwischen „nur gelb sein“ und „stäuben“ ausmachen.
3. Hobbygärtnerinnen mit einem Naturgarten
Wenn im eigenen Garten die phänologischen Zeigerpflanzen wachsen, ist das super-gut. Dann hat man die besten Informationen über das Mikroklima, das im Nachbargarten schon wieder anders sein kann.
Wenn der eigene Garten für die Zeigerpflanzen zu klein ist oder sie vom Stil her nicht in den Garten passen, macht das nichts. Dann geht man eben raus in die Natur.
4. Garten-Fans, die den Kreislauf der Natur bewusst erleben wollen
Der Kreislauf der Natur, der Werden und Vergehen beinhaltet, ist ein Thema in Gärten, die nach dem Permakultur- oder Naturgarten-Prinzip gestaltet sind.
Doch diesen Kreislauf findet man nicht nur in Gärten, die nach diesen Prinzipien bewirtschaftet werden, sondern überall.
Dadurch hat jeder Mensch die Möglichkeit, Veränderungen in der Natur bewusst wahrzunehmen und sie für den Gemüseanbau zu nutzen! Eine tolle Sache!
5. AnhängerInnen von biologisch angebautem Gemüse
Baut man selber Gemüse im kleinen Garten an, möchte man vielleicht auf Gift oder sogenannte „Pflanzenschutzmittel“ verzichten.
Man geht also nicht wie auf dem konventionell bestellten Getreidefeld einmal mit der Giftspritze drüber und dann hat man seine Ruhe.
Weil man das eben nicht tut, bedeutet es für das Gemüse mehr Konkurrenz durch Unkraut und Mitesser (Schädlinge). In der Folge muss man mehr dranbleiben.
Unterstützt wird der Gemüseanbau mit Maßnahmen, die Pflanzengesundheit und –abwehrkräfte fördern. Starke Gemüsepflanzen erhält man durch die Wahl vom richtigen Zeitpunkt von Aussaat und Pflanzung.
Damit reduziert man zum Beispiel im Frühjahr das Risiko zu früh loszulegen, weil auf der Samenpackung „Aussaat Januar oder Februar“ angegeben ist.
So brauchen die Jungpflanzen nicht mit Kälte, Nässe und wenig Licht kämpfen. Durch gute Wachstumsbedingungen können sie sich auf ein gesundes Pflanzenwachstum einstellen.
Das wiederum sorgt dafür, dass sie weder einen Wachstumsstop einlegen, noch Heerscharen von Fressfeinden zum Opfer fallen. So fällt biologischer Gemüseanbau im Hobbygarten gleich viel leichter.
Wann braucht man den phänologischen Gemüseanbau?
Diese Art von Gemüseanbau ist sinnvoll,
- wenn man als HobbygärtnerIn mit den Aussaatzeiten auf den Samenpackungen nicht zurecht kommt
- wenn man die Anbaubedingungen optimieren (immer dieser Optimierungswahn) will
- wenn man die Anbauzeiten an den eigenen Standort, der sich vielleicht klimatisch von den Angaben auf den Samenpackungen, im Internet oder in Büchern unterscheidet, anpassen will
- und wenn man Kindern die Natur näher bringen will, indem man sie spielerisch an die Naturphänomene heran führt. Wenn die Kinder dann auch noch im eigenen kleinen Gemüsebeet Radieschen oder anderes schnell wachsendes Gemüse anbauen können, lässt sich Phänologie mit dem Gemüseanbau verbinden. So lernen Kinder ökologische Zusammenhänge kennen.
Was ist phänologisches Gärtnern nicht?
1. Phänologie ist keine Garantie fürs Gelingen
Phänologie unterstützt den Anbau von gesunden und widerstandsfähigen Gemüsepflanzen. Sie ist aber keine Erfolgs-Garantie.
Denn beim Gemüseanbau spielen viele weitere Faktoren wie Düngung, Bodenbeschaffenheit, Regen, Hitzesommer und Urlaubsreisen (was macht die Urlaubsvertretung?) eine bedeutende Rolle.
2. Phänologisches Gärtnern ist keine Wissenschaft, die man nicht versteht
Was im ersten Augenblick vielleicht kompliziert klingt, ist in der Umsetzung einfach. Man muss weder ehrenamtliche phänologische Beobachterin sein noch Ökologie studiert haben, um damit zurecht zu kommen.
Denn im Prinzip ist es wirklich sehr leicht. Man sucht sich bestimmte Pflanzen, schaut nach deren Entwicklungsstadien und richtet daran den Zeitpunkt für Gartenarbeiten aus.
3. Phänologisches Gärtnern ist kein Projekt, bei dem man die Natur nur einmal im Leben beobachtet
Es ist nicht so, dass man die phänologischen Erscheinungen einmal beobachtet und man dann einen “ewigen Kalender” hat.
Nein. Man beobachtet die Naturereignisse jedes Jahr aufs Neue, denn sie werden sich zeitlich verschieben. Aber Vorsicht!
Das Beobachten kann in Begeisterung umschlagen! Dann irrt plötzlich bei jedem Spaziergang der Blick auf der Suche nach phänologischen Merkmalen durch die Gegend.
Wenn man schon so weit ist, macht man sich am besten Aufzeichnungen, so dass man über die Jahre nicht nur klimatische Entwicklungen in der eigenen Region erkennen kann sondern auch weiß, welche Pflanzen wo wachsen.
4. Der phänologische Kalender ist kein starrer Aussaatkalender
Folgendes Motto funktioniert nicht: “Schneeglöckchen haben damals am 22. Februar zum Blühen angefangen, deshalb machen sie das jedes Jahr so. Deshalb fange ich jedes Jahr mit dem Vorziehen von Salat am 22. Februar an.”
Phänologische Erscheinungen zeigen sich jedes Jahr sehr wahrscheinlich zu einem anderen Zeitpunkt. Damit verschieben sich die Aussaat-Zeiten entsprechend. Der phänologische Kalender ist flexibler als ein Datumskalender.
5. Phänologie ist keine esoterische Praxis
Phänologie beschäftigt sich ausschließlich mit nachweisbaren, sichtbaren Natur-Erscheinungen und wie sich diese im Laufe eines Jahres verändern. Das hat nichts mit Mondphasen, übersinnlichen Erfahrungen oder spirituellen Praktiken zu tun.

Meine Erkenntnisse mit dem Gärtnern mit Hilfe der Phänologie
Phänologisches Gärtnern ist gärtnern mit den Natur-Erscheinungen, wie sie im Laufe eines Jahres auftreten. Es ist kein Hokus-Pokus, sondern eine Wissenschaft, die biologische Prozesse beobachtet, geografische Elemente berücksichtigt und daraus Schlussfolgerungen zieht.
Sie ist für jene Menschen ideal, die gern in die Natur gehen und jedes Jahr aufs Neue entspannt die beste Zeit für Gartenarbeiten und Gemüseanbau nutzen wollen.
Phänologisches Gärtnern ist nichts für Menschen, denen es keine Freude macht, die Natur zu beobachten.
Viel Freude in Garten und Natur
Sonja
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