Was Tomaten gar nicht mögen. Und trotzdem überleben.

Tomaten und was sie nicht mögen.

Es ist der 17. Mai.

Und ich war nachlässig.

Ich habe die Tomaten beim Vorziehen vernachlässigt.

Deshalb sind sie quasi im Hungerstreik.

Sie zeigen schon Mangelerscheinungen. Gelbe Blätter und so was.

Das Problem: Ich habe viel zu viele Tomaten vorgezogen.

Irgendwann kommt die Zeit, zu der ich bei der Menge keine rechte Lust mehr habe, mich bis zum Auspflanzen um sie zu kümmern.

Deshalb hege ich die leise Hoffnung:

Vielleicht geht die eine oder andere wegen Vernachlässigung ein?

Aber nein! Das tun die Tomaten dann doch nicht.

Die sind echt zäh.

Schade.

Muss ich mich weiter um viel zu viele Tomatenpflanzen kümmern.

Doch jammern hilft nichts.

Also aufgerafft und angefangen, zumindest die Tomaten, die ich sowieso in Töpfen anbaue, umzutopfen und nach draußen zu stellen.

Und das trotz ungünstiger Temperaturvorhersagen: Nachts mittlere einstellige  Temperaturen. Das heißt bei uns, dass es auch frostig werden kann.

Außerdem standen die Pflanzen die letzten Tage nur im warmen Wohnzimmer. Fürs Abhärten war das Wetter untauglich.

Also insgesamt ungünstige Voraussetzungen fürs „Auspflanzen“. Trotzdem: Es musste sein! Raus damit!

Doch heute morgen um 6 Uhr!

Oh Schreck!

Das Garagendach und Nachbars Autodach sind mit Rauh-Reif bedeckt!

Temperatur: 3 Grad.

Bei einer Fortbildung im Nationalpark habe ich gelernt: Am kältesten ist es kurz nach Sonnenaufgang.

Nachts kann es also deutlich kälter gewesen sein. Auch eisig kalt.

Sofort tauchen Bilder in meinem Kopf auf!

Erfrorene Tomatenpflanzen. Hängende Blätter.

Und ich. Ich, die die traurigen Pflanzenreste zum Komposthaufen schleppt.

Ich mochte gar nicht nachschauen.

Da bin ich lieber noch mal unter die warme Bettdecke gekrochen und habe noch eine Runde geschlafen.

Aber irgendwann musste ich mich den (erfrorenen?) Tomatenpflanzen stellen.

Und was sehe ich da?

Ich fasse es nicht!

Sie haben überlebt!

War das der Kälteschutz – oder ihre Zähigkeit?

Eine Sache bleibt allerdings noch abzuwarten.

Sind die Tomatenpflanzen beleidigt?

Das kann bei starker Kälte passieren und dann

  • wachsen sie erst mal keinen Milimeter mehr und / oder
  • die Blüten fallen ab.

Denn einige Pflanzen haben schon Blüten. Zum Beispiel die Sorten Zuckertraube und „Cocktailtomate von der Biobäuerin vom Wochenmarkt“.

Ich werde sehen, wie sie reagieren.

Und folgende Beobachtungen habe ich mit dieser und auch vorjährigen Aktionen gemacht:

Das mögen Tomaten gar nicht während der Voranzucht

1.              Zu lange im kleinen Anzuchttopf sitzen

Tomaten wollen nicht wochenlang im kleinen Anzuchttopf darben. Da fühlen sie sich wie die 60 Hühner in Kleingruppenhaltung, wo jedes Huhn unsagbar viel Platz hat: den Platz eines DIN-A4-Blattes. Hühner brauchen Platz und Tomatenpflanzen wollen ebenfalls mehr Beinfreiheit haben. Also bald in den nächst größeren Topf umpflanzen.

2.              Die Nährstoffversorgung vernachlässigen

Ab einer bestimmten Größe brauchen Tomaten Dünger. Sonst werden die Blätter gelb und fallen ab, weil sie verhungern. Also nicht auf Diät setzen, damit vielleicht doch die eine oder andere eingeht. Das tut sie nicht! Wirklich nicht!

3.              Beim Abhärten Wind und direkter Sonne ausgesetzt sein

Bei uns ist es immer windig. Mal stärker. Mal weniger. Wenn dann am Anfang vom Abhärten noch direkte Sonnenstrahlen dazukommen, führt das zu Blattnekrosen. Definitiv!

Mein Tipp: Am Anfang ein wenig vor Wind schützen und Sonnenschirm aufspannen.

Tomaten im Topf mit Mulch mögen das beim Vorziehen gar nicht.

Meine Erkenntnisse mit dem Vorziehen: Tomaten sind robust

Ja! Es gibt die Zeiten, wo mir das Tomaten anbauen nicht so viel Freude macht und ich sie nur schief anschaue. Trotzdem lassen sich die Pflanzen nicht davon unterkriegen. Sie mögen zwar manche Sachen nicht, die ich mit ihnen anstelle, dennoch:

  • Es ist nicht notwendig, auf hohe einstellige, besser noch – mindestens zweistellige – Nachttemperaturen zu warten, bis man die Tomaten an einen geschützten Platz rausstellt.
  • Tomatenpflanzen sind noch robuster als ich eh´ schon gedacht habe. Selbst nach Hungerkuren, Vernachlässigung, Kälteschock und Experimenten mit Kopf abschneiden erholen sie sich wieder.
  • Bei Mangelerscheinungen im Anzuchttopf mit viel Brennnesseljauche düngen – dann werden die kleinen Pflanzen schnell wieder saftig grün.
  • In Zukunft weniger Tomaten anbauen. (Geht das überhaupt?). Am besten nur so viele, wie wir brauchen. Denn mit dieser Menge bleibt mir die Tomaten-Freude erhalten.

Sind Tomaten Sensibelchen? Es wird ihnen nachgesagt. Doch meine Erfahrung ist eine andere. Sie sind fast unkaputtbar.

Viel Freude in Garten und Natur!

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Endlich eine dicke Ernte im kleinen Gemüsegarten!

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