Erde im Hochbeet: Muss man sie wechseln?

Hochbeet Erde tauschen

Immer wieder lese ich, dass man die Erde im Hochbeet von Zeit zu Zeit austauschen muss. Einmal ist von allen zwei bis drei Jahren die Rede, dann von fünf bis sechs Jahren.

Ist das wirklich so? Muss man die Erde alle paar Jahre erneuern? Im folgenden Artikel gehe ich auf diese Frage ein und gebe einen nützlichen Hinweis am Rande des Themas, an was man oft nicht denkt.

1.  Darum muss man die Erde im Hochbeet nicht austauschen

Wer meint, die Erde erneuern zu müssen, denkt vielleicht an folgende zwei Theorien, warum das notwendig sein soll. Nehmen wir sie genauer unter die Lupe.

# Theorie 1: Warum man die Erde auswechseln soll: Nährstoffarmut

Es heißt: Die Erde im Hochbeet ist nach ein paar Jahren ausgelaugt. Um neue Nährstoffe zuzuführen, gibt es keinen anderen Weg, als die Erde auszutauschen.

Ich meine, der Boden erschöpft sich nach ein paar Jahren nur dann, wenn man ihn nie organisch düngt. Genauso wie er auslaugt, wenn man ein Gemüsebeet nie mit Dünger versorgt.

Wer aber die Gemüsepflanzen mit Kompost, Flächenmulch, Brennnesseljauche und anderen biologischen Naturstoffen düngt, sorgt für Humusaufbau und führt den Gemüsepflanzen über diesen Weg laufend Nährstoffe zu, so dass die Erde nicht ausgetauscht werden muss.

Die Erde von Bodenbeeten tauscht man auch nicht aus. Warum also sollte man das im Hochbeet machen? Klingt für mich nicht logisch.

Birgit erklärt ausführlich, wie ihr die Erde aufpeppen könnt, ohne sie auszutauschen.

# Theorie 2: Warum man die Hochbeeterde tauschen soll: Fehlender Wärmegewinn

Es heißt: Die unteren Schichten der Füllung haben sich nach ein paar Jahren zersetzt und liefern keine Wärme mehr, womit die Fußbodenheizung als Vorteil vom Hochbeet entfällt.

Den Pflanzen soll die zusätzliche Wärme gefallen und das belohnen sie sowohl im Frühjahr als auch im Herbst mit längeren Wachstumszeiten.

Es wird euch vielleicht überraschen: Ich sehe das anders. Klar friert die Erde im Hochbeet von den Seiten her leichter ein, als sie es im Beet auf dem Gartenboden tun würde. Bis sie dort in tiefere Schichten gefroren ist, dauert.

Aber wisst ihr, was ich glaube? Wenn es bitterkalt ist, dann wächst oberirdisch sowieso kein Gemüse, nicht im ebenerdigen Gemüsebeet und nicht im Hochbeet. Da nützt die Wärmflasche auch nichts.

Nun könnte man sagen, dass die Wärme der unteren Schichten für mehr Wachstum sorgt, wenn es zwar schon kalt ist, aber noch nicht friert oder im Frühjahr eher mit einem Wachstumsschub zu rechnen ist.

Ich habe den Eindruck, dass vor allem die Lufttemperatur Einfluss auf die Bodentemperatur hat. Sie ist dafür entscheidend, ob das Gemüse wächst. Wenn es von unten her ausreichend warm ist, bedeutet das nicht, dass die Luft direkt über der Erde vom Hochbeet das auch ist.

Das ist meine Beobachtung. Um das Wachstum zu fördern, kann man einen Kälteschutz drüber stülpen, muss man nicht auf die Wärmflasche von unten setzen.

Ich gebe zu: Ich habe habe tatsächlich mal ein halbes Hochbeet ausgeschaufelt, um es neu zu befüllen. Hatte ja gelesen, dass man das machen soll.

Das Ausschaufeln hat mir vom Aufwand her völlig gereicht! Ich habe es dann schön brav mit neuen Schichten befüllt. Der Effekt? Im Vergleich zur anderen Hälfte des Hochbeets habe ich keinen Unterschied beim Wachstum vom Gemüse festgestellt.

Hochbeet mit Erde befüllt, Gemüse, Rasen

2.  Darum soll man die Erde im Hochbeet wechseln. Aus meiner Gartenpraxis

Vor ein paar Jahren habe ich die Erde von einem anderen Hochbeet vollständig ausgeschaufelt, aber nicht, um sie zu erneuern.

Die Aktion hatte den einen einzigen Grund: Unsere Hochbeete sind fast alle aus dem Material Holz, das an einer Stelle so morsch war, dass die Wühlmäuse den Weg ins Hochbeet gefunden hatten. Das ist für mich tatsächlich das einzige überzeugende Argument für die Plackerei.

Wie sich nachher rausgestellt hatte, war es nur ein einziges kleines Loch. Pech gehabt. Aber wenn die Wühlmäuse Knollensellerie und Karotten wegfressen, ist es auch bei mir mit „Gärtnern mit wenig Aufwand“ vorbei.

Übrigens haben wir in das neue Hochbeet weder lehrbuchmäßig neue Schichten eingefüllt noch die Erde erneuert, sondern es mit dem Inhalt vom alten Hochbeet befüllt.

Das ist ja bis zum Gartenboden alles gute, humose Erde, die sich im Laufe der Zeit gebildet hat. Warum soll man die woanders hinschütten?

Sicher ist das Bodenleben durcheinander geraten, aber es gab keine andere Möglichkeit, als das Beet „umzugraben“, wollten wir weiter auf der Fläche Gemüse anbauen. Obendrauf haben wir zusätzlich eine Schicht eigenen Kompost gepackt.

3.  Was tun bei Bodenkrankheiten?

Mir fällt doch noch eine Situation ein, bei der man den Inhalt vom Hochbeet auswechseln kann: Wenn sich eine Pflanzenkrankheit wie Kohlhernie eingenistet hat.

Nachdem ich Kohlhernie noch nie hatte und auch nicht haben werde, weiß ich natürlich nicht, was ich im Ernstfall machen würde. Wie ich mich kenne, würde ich wahrscheinlich nur die oberste Schicht austauschen und schauen, wie das dem Schleimpilz „Kohlhernie“ – Schleimpilze sind übrigens keine Pilze – gefällt.

4. Extra-Tipp: Standort prüfen

Wenn man sich die Arbeit macht und das Hochbeet mühsam ausschaufelt, kann man sich gleich die Frage stellen, ob der Standort noch was taugt? An diese Frage haben wir damals nicht gedacht, als wir das Hochbeet erneuert haben.

Bei einem unserer Hochbeete ist der Standort nicht mehr passend, dort ist es durch die Hecke über die Jahre sehr schattig geworden. Man könnte also die Gelegenheit nutzen und das Hochbeet, falls notwendig, versetzen.

Meine Erkenntnisse mit dem Austausch der Hochbeet-Erde

Allein schon wegen der Schinderei wechseln wir die Erde im Hochbeet nicht mal so eben aus, um der Theorie zu genügen. Nur wenn sich der Holzrahmen endgültig auflöst und die Wühlmäuse einziehen, gehen wir ans Werk.

Viel Freude in Garten und Natur

Sonja


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2 Kommentare

  1. Liebe Sonja,
    vielen Dank für deinen Artikel zum Hochbeet. Ich habe dieses Jahr eins angelegt und hab während des Prozesses erst realisiert, wie viel Arbeit das ist und dass ich die Erde auch nicht vorhabe zu tauschen. Ich habe dieses Jahr das Beet Bilderbuch mäßig mit den entsprechenden Schichten, also Drainage, Laub/Staudenschnitt, Kompost und Pflanzerde angelegt.

    Wie würdest du dann mit Jauche, Hornmehl und Co ab jetzt weiter Düngen? Ich habe als Starkzehrer Kohlrabi, Gurke und Tomate, sowie Mittelzehrer (Möhre und Erbse) geplant.
    Wie hältst du dein Beet also „frisch“?

    Ich freue mich sehr über deine Erfahrungen!
    Viele Grüße
    Sophie

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