Warum Gemüse vorziehen? 3 gute, ein unvernünftiger und ein paar mehr Gründe, die dafür sprechen

Gemüse vorziehen - Tomaten

Ich ziehe viele Gemüse vor. Hier kommen drei meiner Gründe und ein „unvernünftiger“ Grund, warum ich das mache. Lest außerdem und noch ein paar Statements von anderen Gartenblogger*innen, warum es sich aus deren Sicht lohnt, Gemüse vorzuziehen.

Grund 1: Gemüse vorziehen, um früher zu ernten

Ich ziehe einige Gemüse vor, weil ich dadurch früher ernten kann. Das betrifft zum Beispiel Tomaten, Gurken oder Stangenbohnen. Für uns ist da auch noch deshalb von Bedeutung, weil wir kein Gewächshaus haben, das das Wachstum beschleunigen würde.

Für eine frühere Ernte fange ich bei manchen Gemüsen im Januar oder Februar mit dem Vorziehen an, bei anderen wie Stangenbohnen oder Gurken im April.

Wenn ich das so haben will, stellt sich die Frage, wie lange es von der Aussaat bis zur ersten Ernte dauert?

Beispiel: Warum Tomaten vorziehen?

Einige sagen, dass es völlig ausreicht, Tomaten im März vorzuziehen. Das stimmt. Jedoch beginnt die Ernte dann erst später. Würde ich erst später anfangen, die Samen auszusäen, kann es bis zur Ernte sortenabhängig August oder fast Herbst werden.

„Meine“ Tomaten brauchen je nach Sorte von der Aussaat über die Keimung und Blüte bis zur Ernte mindestens viereinhalb bis 5 Monate, bis die leckeren roten oder gelben Früchte reif sind.

Zu welchem Zeitpunkt ich anfange, Tomaten vorzuziehen, ist von der Sorte abhängig. Mitte / Ende Januar beginne ich mit dem Vorziehen der Fleischtomate „Berner Rose“ und der Cocktailtomate „Zuckertraube“. Dann ist auch noch etwas Luft nach hinten, falls mal Samen nicht keimen.

Im Februar folgen andere Tomatensorten und Buschtomaten. Durch das Vorziehen sichere ich mir die erste Tomatenernte schon Anfang bis Mitte Juni.

Beispiel: Warum Stangenbohnen vorziehen?

Stangenbohnen brauchen mindestens 2 Monate bis sich was ernten lässt. Fange ich mit der Voranzucht Anfang / Mitte April an, kann ich schon im Juni die ersten Stangenbohnen ernten.

Die Stangenbohnen, die ich nicht vorziehe, sondern nach den Eisheiligen direkt ins Hochbeet säe, brauchen deutlich länger bis zur ersten Ernte. Da ist im Juni noch kein Drankdenken.

Beispiel: Warum Gurken vorziehen?

Die ersten Gurken ziehe ich Mitte bis Ende April im Haus vor. Von diesen kann ich ebenfalls schon im Juni Gurken ernten. Die Gurken, die ich Mitte Mai direkt ins Beet oder den Topf aussäe, sind zu dieser Zeit noch lange nicht so weit.

Grund 2: Gemüse zum Schutz vor Schädlingen vorziehen

Gemüse vorziehen hier Kohlrabi

Gemüsesamen kommen zum Vorziehen bei mir in kleine Anzuchttöpfchen. Ziehe ich Kohlrabi, Gurken und Salat wie Zuckerhut vor, so fallen sie gefräßigen Mitessern wie Schnecken nicht so leicht zum Opfer. Denn diese lieben Keimlinge und junges Gemüse über alles.

Wenn ich später mein bereits vorgezogenes Gemüse ins Hochbeet pflanze, dann ist es schon größer und damit älter, wodurch es die Vielfraße öfter links liegen lassen.

Außerdem fällt im Anzuchttopf die Kontrolle auf „Schädlinge“ hin leichter. Die Schnecke, die durch den eigenen Kompost den Weg in den Anzuchttopf gefunden hat, finde ich irgendwann. Im Beet dagegen würden sie nachts seelenruhig alles wegfressen.

Die Chancen, dass Jungpflanzen überleben, steigen mit diesem Grund für die Voranzucht von Gemüse immens. Auch wenn es nur wenige Schnecken ins Hochbeet schaffen, können sie ganz schön was wegfressen.

Grund 3: Gemüse vorziehen spart Platz im Beet

Die Voranzucht von Gemüse spart Platz im Hochbeet. Das ist vor allem im kleinen Gemüsegarten von Bedeutung.

In der Zeit, in der die Samen in kleinen Töpfen keimen und zu jungen Gemüsepflanzen heranwachsen, können die Gemüsepflanzen im Beet den Platz ruhig belegen. Den brauche ich dann nicht für die Nachsaat.

Gemüse vorziehen, damit man überhaupt etwas ernten kann

Paprika-Gemüse vorziehen

Es gibt Gemüse wie Paprika oder Früchte wie Physalis, die ewig brauchen, bis es was zu ernten gibt. Fängt man nicht frühzeitig mit dem Vorziehen an, wird das nichts mehr bis zum Herbst.

Dann wird es denen zu kalt und sie reifen nicht mehr aus. Bei solchen Gemüsen oder Früchten bleibt nichts anderes übrig, als sie vorzuziehen.

Das sagen andere Gartenblogger*innen, warum sie Gemüse vorziehen

Nun kommen noch andere Gartenblogger*innen zu Wort. Lest, was ihr (wichtigster) Grund fürs Vorziehen von Gemüse ist.

Daniel Brumme vom Gartenblog „derbrumme“

Ich habe den Garten-Blogger Daniel Brumme nach seinem wichtigsten Grund fürs Vorziehen von Gemüse gefragt. Er sagt dazu:

Pflanzen vorziehen gehört für mich definitiv zum Gärtnern dazu, aus vielen Gründen. „Den einen wichtigsten“ Grund kann ich da gar nicht nennen.

Da wäre zum Einen die Vielfalt. Nehmen wir mal die Tomaten: Es gibt ja tausende Tomatensorten, und ich bekomme meine jährliche Auswahl (dieses Jahr sind es stolze 27 Sorten!) nur realisiert, wenn ich Tomatensamen statt Jungpflanzen kaufe.

Ich würde von einigen Sorten wohl gar keine Jungpflanzen bekommen, weder offline in meiner Region und vermutlich auch nicht immer in Onlineshops. Oder wenn, dann wird’s richtig teuer – und damit sind wir schon beim nächsten Grund.

Der finanzielle Aspekt ist nämlich mindestens genauso wichtig: Jungpflanzen sind ja logischerweise teurer als Saatgut, nicht nur weil Jungpflanzen viel mehr Arbeit gemacht haben als Saatgut.

Der Aufwand, den die Gärtnerei in die Pflanzen gesteckt hat, muss schließlich bezahlt werden. Und auch beim Versand ist Saatgut im Vorteil: Jungpflanzen verpacken ist richtig aufwändig, in einen Briefumschlag dagegen passen Dutzende Samentüten.

Ich habe 2022 knapp 120 Tomatenpflanzen selbst vorgezogen – bei Preisen zwischen 4-6 € pro Pflanze (einige Sorten kosten sogar gerne mal 15 € pro Pflanze!) wäre das brummsche Gartenbudget längst gesprengt.

Ja, meine Vorzuchtlampen verursachen Stromkosten. Auch wenn das LED’s sind, lande ich inzwischen bestimmt bei knapp 100€ pro Saison.

Ich habe mir über die Jahre mehrere verschiedene Wachstumslampen zugelegt, die neueste Anschaffung ist die  Stärkste: Sie hat hat beeindruckende 85W und leuchtet ca. 12h/Tag, drei Monate lang.

Trotzdem sind die Stromkosten nur ein Bruchteil dessen, was ich für Jungpflanzen ausgeben müsste. Das meiste Saatgut habe ich entweder von meinen eigenen Tomaten oder ertauscht, ich kaufe nur noch wenige Samen dazu. Das entlastet den Geldbeutel.

Auch nicht ganz unwichtig: Der Versand von Saatgut hat keine zeitliche Grenzen. Ich kann mir meine 27 Tomatensorten als Saatgut das ganze Jahr über bestellen oder mit Freunden rumtauschen.

Bei Jungpflanzen dagegen hat man ein enges Zeitfenster von wenigen Wochen, in denen die verschickt werden können – die  müssen ja zwingend irgenwann zwischen Aussaat im März und Anfang-Mitte Mai bei uns ankommen.

Ich müsste mühsam und zeitaufwändig in mehreren einzelnen Onlineshops (ja, ich kaufe fast alles online) meine Wunschliste abarbeiten, bis ich alles zusammen hätte (viele Einzelbestellungen treiben die Portokosten hoch).

Oder eben von Gartenmarkt zu Gartenmarkt fahren, bzw. andere Märkte abklappern. Das Bestellen und Tauschen von Saatgut dagegen ist wesentlich entspannter.

Neben diesen „harten“ Gründen gibt es auch noch ein paar „weiche Faktoren“, die mir mindestens genauso wichtig sind.

Erstens unterstütze ich mit Saatgut noch eher als mit Jungpflanzen langfristig die Erhaltung der Sortenvielfalt: Ich habe mir das Saatgut der meisten neuen Tomatensorten für dieses Jahr bei befreundeten Hobbygärtnern ertauscht, die ich seit Jahren durch eine Garten-Gruppe in den sozialen Medien kenne.

Die ganz wenigen gekauften Tomatensorten bestelle ich dann online bei kleinen Bio-Gärtnereien, und nicht bei irgendwelchen großen kommerziellen Ketten.

Wir wissen inzwischen ja alle, dass in der Landwirtschaft seit Langem ein Kampf der Großen gegen die Kleinen geführt wird, mit allen uns bekannten Folgen: Zusammenbruch der Artenvielfalt, fortschreitende Patentierung von Sorten, immer weiterführende Regulierungen, die sich letztlich nur noch große Konzerne leisten können und so weiter.

Schon allein deshalb verbietet es sich für mich deshalb, beispielsweise Pflanzen oder Saatgut von Marken wie Kiepenkerl, Sperli oder Gärtner Pötschke zu kaufen, die zu Monsanto/Bayer gehören.

Zweitens schließlich gehört die Anzucht für mich auch deshalb zum Gärtnern dazu, weil ich Wissen und Erfahrung sammeln will.

Wir Brummes sind zwar noch weit von einer autarken Versorgung entfernt – selbst im Sommer kaufen wir manches Grünzeug zu – aber ich habe in den letzten Jahren so viele Dinge über das Anbauen von Gemüse (und Obst) gelernt, dass mir immer bewusster geworden ist, wie essenziell dieser Erfahrungsschatz eigentlich ist und wie abhängig wir alle sind.

Natürlich hätte ich genauso wie alle anderen auch ein Riesenproblem, wenn’s morgen in den Supermärkten plötzlich nix mehr gäbe. Aber zumindest könnte ich mittel- und langfristig etwas im Garten anbauen und hätte viele Anfängerfehler schon hinter mir.

Dieses Wissen und diese Erfahrung zu haben und immer weiter zu vertiefen ist extrem befriedigend, natürlich auch ohne Katastrophen-Szenarien im Hinterkopf.

Und drittens möchte ich meinen grünen Babies beim Wachsen zusehen und die nicht schon fix und fertig kaufen. Das mag jetzt kitschig klingen, aber ich habe tatsächlich ein ganz anderes Verhältnis zu Pflanzen, die ich selbst gesät und vorgezogen habe, als zu Jungpflanzen aus dem Gartenmarkt, die ich „nur noch“ ins Beet setzen muss.

Das „Selbstfairsorger-Team“

Til vom selbstfairsorger-team schreibt zur Frage „Warum Gemüse vorziehen? folgendes:

Unser Grund fürs Gemüse vorziehen: Wir lieben die Unabhängigkeit vom Sortenangebot auf dem Markt. In unserem Garten lebt die Vielfalt und dementsprechend bestimmen wir selbst, welche Sorten wir anbauen möchten.

Claudia vom „das-wilde-Gartenblog“

Claudia vom Wilden Gartenblog sieht das so:

Wir ziehen Tomaten, Zucchini, Gurken, Palmkohl und Kürbisse vor, weil sie als wärmeliebende Pflanzen vor Mitte/Ende Mai nicht raus dürfen. Sie würden nicht keimen oder gleich wieder erfrieren.

Eine Aussaat erst im Mai wäre aber zu spät, deshalb das Vorziehen. Ab Mitte April bekommen Tomaten und was sonst noch sehr weit gediehen ist ein Zwischenquartier im Gewächshaus.

Gerne würden wir mehr vorziehen, auch Stauden, Blumen etc. – aber dafür reicht der Platz auf der Fensterbank nicht!

Paprika & Chilis, die noch früher vorgezogen werden müssten, bauen wir nicht an, weil das natürliche Licht noch nicht reicht. Und auf Kunstlicht haben wir keine Lust – und sowieso nicht genug Platz.

Meine Erkenntnisse mit dem Vorziehen von Gemüse

Das Vorziehen von Gemüse kann aus verschiedenen Gründen Spaß machen oder notwendig sein. Durch die Voranzucht vom Gemüse könnt ihr früher eigenes Gemüse ernten, mehr Sorten oder überhaupt Sorten anbauen, die es nicht als Jungpflanze zu kaufen gibt. Außerdem ist der Schutz vor Fressfeinden leichter umzusetzen, wodurch ihr mehr ernten werdet.

Und ganz ehrlich: Im Winter ziehe ich Tomaten und anderes Gemüse wie Kohlrabi, Stangensellerie oder Lauch wahrscheinlich auch deshalb so früh vor, weil ich endlich wieder im Garten werkeln will.

Das ist dann eine Ersatzhandlung, denn bei uns beginnt das Garteln nicht vor März. Also könnte ein Grund „Ungeduld“ sein. Lassen wir das als „unvernünftigen“ Grund für das Vorziehen von Gemüse gelten.

Viel Freude in Garten und Natur

Sonja


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