Diese Blume zieht einen besonderen Schmetterling an

Diese Blume zieht speziell diesen ungewöhnlichen Schmetterling an.
Der Gewöhnliche Wasserdost blüht unscheibar – zieht aber einen besonders auffälligen Schmetterling an.

In unserem Garten flattern viele auffällige und unscheinbare Schmetterlinge von Blume zu Blume. Aber diesen wunderschönen Schmetterling hatte ich bisher noch nie gesehen!

Deshalb mein Schmetterlingsbuch befragt: Es handelt sich um den Russischen Bären. Was für ein seltsamer Name für einen Schmetterling!

Ich denke gleich an die Rückkehr der Bären im Bayerischen Wald, die im 19. Jahrhundert ausgerottet wurden. Deren Pranken galten bei den Fürsten wohl als Delikatesse. Aber ich schweife ab.

Warum der Schmetterling offensichtlich nicht lesen kann, wo er wohnt, auf welcher Urlausbsinsel er gerne Urlaub macht und welche Vorlieben er sonst noch hat, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Der Schmetterling, der nicht lesen kann

Beim Russischen Bären handelt es sich um einen Nachtfalter, der scheinbar nicht lesen kann, denn er fliegt auch tagsüber. Und zu dieser Zeit habe ich ihn entdeckt! Auf der Terrasse – als er gerade sein Nachmittagsschläfchen gehalten hat.

Mein Schmetterlingsbuch sagt, der Russische Bär ist nach der FFH-Richtlinie und nach der Bundesartenschutzverordnung (welch´ ein Wort!) eine geschützte Art.

Woanders habe ich gelesen, dass dieser Schutzstatus wohl ein Fehler sei, weil nur eine Unterart des Russischen Bären gemeint gewesen sei. Aber das ist jetzt egal. Dieser Schmetterling ist jedenfalls geschützt.

Wie sieht der Russische Bär, der kein Bär, sondern ein Schmetterling ist, aus?

Der Russische Bär ist ein auffällig schöner Schmetterling. Wenn er ruht hält er seine Vorderflügel geschlossen und man sieht eine ausgefallene schwarz-gelb-weiße Zeichnung.

Sobald der Schmetterling fliegt, sind seine leuchtend orange-roten Hinterflügel zu sehen. Mit offenen Hinterflügeln habe ich ihn allerdings nicht aufs Foto bekommen, sondern nur mit geschlossenen Flügeln, aber ein kleiner Teil der leuchtenden Flügelfarbe ist trotzdem zu erahnen.

Der Schmetterling ruht und wird gerade nicht von der Blume angezogen, die er so gerne mag.
Der Schmetterling “Russischer Bär” ruht neben dem Garten.

Am letzten der drei Brustabschnitte befindet sich ein Hörorgan, mit dem der Schmetterling Ultraschall hören kann. Das ist so was von nützlich, wenn Fledermäuse Ortungslaute aussenden.

Welche Lebensräume bewohnt der Russische Bär?

Der Schmetterling besiedelt völlig unterschiedliche Lebensräume, lebt sowohl auf sonnigen und felsigen Böschungen, als auch in feuchten und schattigen Gegenden. Außerdem hält er sich in Hecken mit Waldnähe auf. Mit Hecken und Wald sind wir in unserer Region gut ausgestattet. In fünf Minuten bin ich zu Fuß im Wald.

Gut, dass der Russische Bär blütenreiche Gärten mag, denn Blumen findet er in unserem insektenfreundlichen Garten massig. Der Schmetterling besiedelt Magerrasen, Hochstaudenfluren und Steinbrüche. Aufgelassene Steinbrüche gibt es in unserer Gegend ebenfalls.

Das Hauptvorkommen dieses Schmetterlings ist trotz seines Namens nicht Russland, sondern die griechische Insel Rhodos. Dort tritt er wohl in Massen auf, was wiederum Massen von Touristen anzieht.

Welche Pflanzen frisst die Raupe des Schmetterlings?

Der Russische Bär bildet je Jahr nur eine Generation erwachsener Schmetterlinge aus und fliegt in der Zeit von Juli bis September. Er überwintert als Raupe. Deren Nahrungspflanzen sind Wildkräuter wie Kleiner Wiesenknopf, Klee, Natternkopf, Große Brennnessel, Wiesensalbei, Huflattich, Kreuzkraut, Himbeeren oder holzige Gewächse wie Hasel oder Sal-Weide.

Das zeigt, wie wichtig es für einen insektenfreundlichen Garten ist, nicht nur Kulturpflanzen, sondern auch Wildkräuter und Wildpflanzen zuzulassen. Diese dienen den Schmetterlingsraupen oft als Futterpflanzen. Zum Teil sind es sogar essbare Wildkräuter und Wildpflanzen.

Welche Blumen ziehen den erwachsenen Schmetterlings-„Bär“ an?

Der erwachsene Schmetterling nuckelt gerne am Nektar von Blumen, bevorzugt dabei Gewöhnlichen Wasserdost (Eupatorium cannabinum). Ersatzweise nimmt der Russische Bär auch Dost (Origanum vulgare). Beide Pflanzen wachsen in unserem Garten.

Die Blume für den Schmetterling: Gewöhnlicher Wasserdost

Der Wasserdost ist eine winterharte Pflanze, die bis zwei Meter groß wird. Vor Jahren haben wir ihn an eine feuchte und sumpfige Stelle im Garten gepflanzt. Er liebt nämlich feuchte Böden. Er fühlt sich offensichtlich pudelwohl, weil er supergut wächst. Fast zu gut.

Besondes auffällig am Wasserdost ist, dass es auf seinen Blüten immer sehr geschäftig zugeht. Gefühlte tausend Insekten schwirren da rum. Und sobald ich mich nähere, um sie genauer anzuschauen, fliegen sie auf. Das Gesummsel ist das reinste Insektenkonzert!

Meine Erfahrungen mit dem Wasserdost

Der Wasserdost hat den Drang, sich mit dem Wind über Samen auszubreiten. Plötzlich taucht er an Stellen auf, wo ich ihn nicht hingepflanzt hätte, weil ich gesagt hätte, dass das kein passender Standort ist.

Er ist allerdings auch schon an Plätzen gewachsen, wo ich mir vorgestellt hatte, dass er mir dort gut gefallen würde. Das hat er wohl gehört und schwupps war er da.

Bisher habe ich den Wasserdost gewähren lassen, zum Beispiel an der Außenseite der Hecke. Aber dort, wo er stört, habe ich die Absicht, ihn wegzumachen. Er bedrängt beispielsweise die Johannisbeeren. Und nun kommt dieser Schmetterling daher! Soll ich – oder soll ich nicht – den Wasserdost abschneiden?

Aber unabhängig davon: Der Wasserdost ist eindeutig eine insektenfreundliche Pflanze für Bienen und Insekten! Auch Schmetterlinge wie Distelfalter, C-Falter oder Admiral gehen in das “Wasserdost-Restaurant”.

Wer also eine Blume für Schmetterlinge im Garten sucht, könnte es mit dem insektenfreundlichen Wasserdost versuchen.

Viel Freude in Garten und Natur

Sonja

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