Essbare Wildpflanzen / Wildkräuter: Vogelmiere (Stellaria media)

Essbare Wildpflanzen: Vogelmiere im Garten

Das Schöne an essbaren Wildkräutern ist: Eines Tages sind sie einfach da! So auch die Vogelmiere! Das weniger Schöne an der Vogelmiere ist:

Sie neigt zum Wuchern und kann andere Pflanzen im Garten oder Gemüsebeet verdrängen.

Essbare Wildkräuter: Wo wächst die Vogelmiere?

Die Vogelmiere siedelt sich auf nährstoffreichen und stickstoffhaltigen Plätzen an, auf denen sich eine kahle Fläche auftut. Vielleicht hat man ein Beet hergerichtet oder umgegraben oder ein Acker wurde gepflügt und der Boden ist nun offen.

Da die Samen der Vogelmiere bis zu 60 Jahre keimfähig bleiben, kann es leicht sein, dass man mit den entsprechenden Arbeiten die Samen ans Licht befördert hat, sie keimen und munter wachsen.  

Im Garten findet man sie oft im Gemüsebeet, wo sie auch schon mal lästig wird. In der Natur wächst die Vogelmiere auf Brachflächen, an Wald- und Wegrändern und auf dem Acker.

Die Vogelmiere wächst sowohl in der Sonne, als auch im Schatten. Hauptsache es ist wenigstens eine winzige freie Fläche vorhanden.

Wie muss ich die Vogelmiere pflegen?

Die Vogelmiere sieht so zart aus, so als ob man sie ständig betüteln müsste. Falsch! Sie ist ein durchsetzungsfähiges, essbares Wildkraut, das gut ohne menschliche Hilfe zurechtkommt.

Man muss sogar schauen, dass man sie im Zaum hält, damit sie andere Pflanzen nicht überwuchert.

Dort, wo die Vogelmiere im Garten stört, greife ich deshalb ein, reiße sie samt Stumpf und Stiel aus. Das ist leicht zu bewerkstelligen, denn sie wurzelt nicht tief.

Lässt man sie als Mulch auf dem Beet liegen, können ihre Reste mit Erdkontakt wieder anwachsen. Samen, die im Vogelmiere-Mulch enthalten sind und auf den Boden fallen, keimen ebenfalls schnell. Da heißt es dranbleiben und ein Auge drauf haben oder beide Augen zudrücken, nichts tun, wachsen lassen, ernten und essen.

Wann erntet man die Vogelmiere?

Die Vogelmiere ist ein ganzjähriges Wildkraut. Ich schneide die Triebspitzen mit Blättern – und  falls vorhanden Blüten – mit der Schere ab und verarbeite sie weiter.

Der Verwendungszweck – Was kann man mit der Vogelmiere machen?

Essen. Die Vogelmiere ist im Gegensatz zu vielen anderen essbaren Wildpflanzen geschmacksneutral. Außer im Winter, da schmeckt sie herb, bitter.

Es heißt zwar, dass sie wie junger Mais schmecken würde, aber das habe ich bisher nicht raus geschmeckt. Vielleicht liegt es daran, dass ich keine jungen Maiskolben futtere?

Die Vogelmiere lässt sich wie Spinat verarbeiten, einem Rohkostsalat unterjubeln, als Topping über eine Suppe streuen oder in einen selbstgemachten Kräuterquark mischen.

Außerdem eignet sie sich für Kräutertee, Pesto, Smoothies, zum Entsaften oder als Gemüse.

Für den Garten: Die Vogelmiere eignet sich als Bodendecker für konkurrenzfähige Pflanzen wie Tomaten oder Stangenbohnen. Sie bedeckt den Boden, er trocknet nicht so leicht aus, man muss nicht so oft gießen und der Boden wird vom Regen nicht ausgeschwemmt.

Essbares Wildkraut: Inhaltsstoffe / Nährstoffe

Die Vogelmiere enthält allerhand Nährstoffe: Vitamin C und Provitamin A, die Vitamine B1, B2 und B3. Phosphor, Magnesium, Kupfer und Kalium, sowie weitere Stoffe wie Eisen, Zink und Kieselsäure. Saponine. Deshalb sollte man die Vogelmiere nur in Maßen essen.

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Wort-Herkunft:

Der botanische Name „Stellaria“ bedeutet so viel wie „Sternchen“. Der Name ist auf die weißen, sternförmigen Blüten zurückzuführen.

Sie heißt auch Vogelmiere, weil sie sich als Vogelfutter für Vögel eignet, die zu Hause im Käfig gehalten werden.

Hühnerdarm heißt sie, weil sich im Stängel ein Gefäßstrang befindet, den man wie einen Darm aus dem äußeren Stängel ziehen kann.

Lebensraum / Ökologie

Die Vogelmiere ist eine Pionierpflanze, die „verwundete“ Böden bedeckt. Dadurch verhindert sie, dass der Boden austrocknet oder bei Regen der Oberboden weggeschwemmt wird.

Als Zeigerpflanze weist sie auf Stickstoff hin.

Viele Vögel lieben ihre Samen und für größere Wildtiere wie Hasen ist sie ein gefundenes Fressen. Insekten holen sich den Nektar, der leicht zugänglich ist. Er wird am Grund der Staubbeutel produziert. Ameisen sorgen für die Verbreitung der Samen.  

Sonst noch etwas? Unnützes Wissen zum Thema essbare Wildkräuter

Die Vogelmiere gab es wohl auch schon während der Eiszeit. Vermutlich wurde sie schon von den Neandertalern als essbares Wildgemüse genutzt.

Sie ist eine europäische Pflanze und wurde von hier mit der Kolonialisierung in die weite Welt getragen.

Volkskundliches

In der Volkskunde hieß es, dass Hühner, die viel von dem Kraut fressen würden, viele Eier legen würden.

Botanik

Die Vogelmiere gehört zu den Nelkengewächsen. Sie bringt im Laufe eines Jahres mehrere Generationen hervor. Jede Generation bildet bis zu 20.000 Samen aus.

Die Vogelmiere wird zwar von Insekten bestäubt, sind aber grade keine unterwegs, bestäubt sie sich selber.

Sie keimt und wächst auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Was für die Versorgung mit frischen, essbaren Wildkräutern im Winter gut ist.

Es heißt, die Vogelmiere soll zwischenzeitlich zunehmend resistent gegenüber Herbiziden sein. J

Meine Erkenntnisse mit der Vogelmiere als essbare Wildpflanze

Die Vogelmiere ist ein praktisches essbares Wildkraut. Hat man sie einmal im Garten, kann man sie nicht versehentlich ausrotten. Somit lässt sich immer frisches Wildkraut ernten, auch zu Zeiten, wo es sonst nicht viel gibt.

Allerdings muss man aufpassen, dass die Vogelmiere andere Pflanzen nicht überwuchert. Das kann schnell passieren, denn soeben ist sie noch ein winziges Pflänzchen, das gerade mal aus zwei Blättchen besteht und plötzlich hat sie alles überwuchert. So schnell kann man gar nicht schauen, wie das geht!

Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen und Kommentare.

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