Verwendung von Brennnesseln zum essen, als Dünger und gegen Hexen!

Brennnesseln verwenden

Die Große Brennnessel ist soooo vielseitig! Aus ihr lässt sich unheimlich einfach ein Dünger für den Garten herstellen oder eine Speise zubereiten. Sie ist auch ein super Biotop für Schmetterlinge!

Dieser Artikel über die Brennnesseln handelt allerdings nicht nur vom düngen und essen, sondern auch von Hexen, Schmetterlingen und … lest selbst.

Brennnesseln im Garten anbauen – wie geht’s?

Vielleicht habt ihr schon mal darüber nachgedacht, Brennnesseln im Garten anzubauen? Das hat den Vorteil, dass ihr zum Sammeln nicht weit gehen müsst und sie immer dann ernten könnt, wenn ihr sie gerade braucht. Genau wie ihr es mit eurem Gemüse macht. Da stellt sich natürlich die Frage: Wohin mit ihr im Garten?

Der Standort: Wo wachsen Brennnesseln?

Wollt ihr die Große Brennnessel im Garten anbauen, orientiert ihr euch am besten bei der Suche nach dem richtigen Platz an der Natur.

Das sind die Standorte, an denen Brennnesseln in der Natur wachsen:

  • Feld- und Waldwege
  • Uferplätze
  • Wegränder allgemein
  • Gartenzäune
  • Hecken
  • feuchte Stellen im Wald
  • an Zäunen
  • Nährstoffreiche Auwälder
  • Waldränder
  • Schuttplätze

Schaut, ob ihr so einen Standort im Garten habt.

Welchen Boden brauchen Brennnesseln im Garten?

Wenn ihr den potenziellen Platz gefunden habt, dann schaut, ob er diese Kriterien erfüllt:

  • Sonnig bis halbschattig (bei uns wachsen sie im Garten in den schattigeren Bereichen)
  • nährstoffreich
  • humos
  • meist feucht
  • lehmige Erde

Brennnesseln pflegen und düngen

Brennnesseln brauchen keine Pflege. Ist das nicht super? Am besten lasst ihr sie in Ruhe, bis ihr sie erntet. Vergesst dabei nicht, den Schmetterlingsraupen was Gutes zu tun und erntet nicht alles ab!

Man muss sie auch nicht wegen der Schnecken oder Wühlmäuse betüteln.

Mischkultur mit Brennnesseln

Die Große Brennnessel neigt dazu, andere Pflanzen zu überwuchern, denn sie ist bei guten Standortbedingungen sehr durchsetzungsfreudig.

Es gibt allerdings einige Pflanzen, denen selbst die Brennnessel nicht Herr wird. In unserem Garten konkurriert die Goldnessel erfolgreich mit der Brennnessel. Diese Kombination schaut zudem hübsch aus.

Essbare Wildkräuter Brennnessel mit Taubnessel.
Brennnesseln mit Taubnesseln, dazwischen Minze und Schwarze Eberraute

Ich habe auch einen Felberich als Zierpflanze in die Nähe von Brennnesseln gepflanzt. Der kann sich ebenfalls gut behaupten.

Die hübsche und selten angepflanzte Stacheldrahtrose fühlt sich auch nicht bedrängt. Und wer kommt schon gegen Schlehen in der Wildobsthecke an?

Zierpflanzen wie Akeleien, kleine Astilben, Funkien und anderes dagegen überwuchert sie flugs. Im Frühjahr wächst bei den Brennnesselpflanzen Scharbockskraut.

Brennnesseln pflanzen
Brennnesseln zwischen Funkien, Phlomis russelana, Heuchera, Giersch und Nelkenwurz – hier greife ich lenkend ein

Wie gesagt, Brennnesseln neigen dazu, andere Pflanzen zu überwuchern. Deshalb bekommt sie bei uns keinen Gemüsepartner an die Seite gepflanzt. Nicht einmal Topinambur oder Kartoffeln dürfen mit ihnen Seite an Seite wachsen. Obwohl das durchaus üppig wachsende Mitbewohner im Gemüsebeet sind.

Probleme

In unserem Garten wuchern Brennnesseln an mehreren Stellen. An manchen versuche ich mehr oder weniger, sie im Zaum zu halten. Wobei hier der Schwerpunkt auf „Versuch“ liegt, denn es ist ganz schön schwer, den Wurzeln beizukommen. Es gibt verschiedene Plätze, wo sie das ganze Jahr tun und lassen dürfen, was sie wollen.

Manchmal bekommen Brennnesseln bei entsprechender Witterung einen Pilz. Dann verarbeite ich sie halt nicht mehr. Es gibt noch genügend andere essbare Wildkräuter im Garten.

Unkraut: Bei manchen ist die Brennnessel als lästiges Unkraut verschrien. Dabei zeigt sie nur einen gut genährten Boden an. Ich wechsle da gerne mal die Perspektive, schaue nicht nur auf das Symptom „Brennnessel“, sondern frage nach der Ursache – und schaufle bei dieser Gelegenheit Erde vom Brennnesselplatz ins Gemüsebeet um.

Wer auch mal einen anderen Blick auf das „Unkraut“ im Rasen werfen will liest diesen Artikel: Der insektenfreundliche Rasen hat 8 Vorteile.

Was kann man von Brennnesseln sammeln?

Von den Brennnesseln erntet ihr die jungen Triebspitzen und Blätter. Wenn sie älter werden, werden sie faserig und zäh.

Im Sommer und frühen Herbst ist Erntezeit für die Samen. Dabei immer Handschuhe anziehen, denn sonst wehrt sich die Brennnessel gegen den Mundraub.

Verwendung von Brennnesseln

Für was kann man Brennnesseln verwenden? Es gibt zwei große Einsatzgebiete:

  • essen
  • und den Garten damit düngen

Verwendung von Brennnesseln als Essen

Brennnesseln können als Frischpflanze oder getrocknet verwendet werden.

Getrocknete und pulverisierte Brennnesseln sind ein idealer Wintervorrat. Die Blätter lassen sich als Tee aufgießen.

Samen schmecken als Topping auf dem Salat oder im Müsli. Mit getrockneten Samen werden selbstgemachte Energiebällchen zu einer süßen Nascherei.

Frische Blätter von Brennnesseln

  • werden wie Spinat oder Mangold verarbeitet
  • kommen bei uns schon mal in eine pikante Pfannkuchenfüllung
  • oder in die vegetarische Gemüse-Lasagne
  • dienen als Suppeneinlage
  • und passen ins Risotto
  • landen im Smoothie.

Brennnesseln lassen sich wirklich vielseitig einsetzen. Aber Achtung: Nicht dauernd nur Brennnesseln essen, denn sie wirken entwässernd.

Es gibt sogenanntes „Nesselsamenöl“ zu kaufen, das aus Brennnesselsamen hergestellt wird. Heißt es dagegen „Brennnesselöl“, dann ist es ein Auszugsöl aus allen Teilen der Brennnessel. Also auf das „Samen“ im Wort achten, denn die Samen enthalten die hochgeschätzten ungesättigten Fettsäuren.

Brennnesseln als Dünger im Garten

Ich packe Brennnesseln immer in den Topf, in dem ich Tomaten anbaue, denn sie sind ein guter Dünger. Lest hier mehr dazu: Tomaten anbauen – im Topf.

Brennnesseln dürfen bei uns als Mulch ihren Dienst tun. Brennnesseljauche wiederum ergibt einen natürlichen Dünger für das Gemüse im Garten. Ich dünge damit bereits die Jungpflanzen, die ich aus Samen ziehe.

Ich traue es mich fast nicht sagen: Beim Ernten der Brennnesseln schaue ich oft die Blätter an, ob sich schon eine Schmetterlingsraupe zum Verpuppen eingerollt hat. Nicht dass ich aus Versehen eine verjauche.

Wie kann man Brennnesseln lagern?

Brennnesseln lassen sich gut trocknen, pulverisieren und in einem Glas aufbewahren. Die im Herbst gesammelten und getrockneten Samen bewahrt ihr ebenfalls in einem dunklen Glas auf. Dann habt ihr für den Winter immer einen Vorrat.

Inhaltsstoffe von Brennnesseln

Brennnesseln enthalten viele wichtige Nährstoffe:

  • Vitamine A, B, D und E. Sie enthalten fünf-mal mehr Vitamin C als eine Zitrone und dreimal mehr Vitamin C wie Grünkohl.
  • Eiweiß
  • Magnesium
  • Flavonoide
  • Polyphenole
  • Kieselsäure
  • Kalium
  • Chlorophyll
  • Phosphor
  • Eisen
  • Karotinoide
  • Antioxidantien
  • Kalzium
  • Die Samen sind zudem voller Linolsäure und ungesättigter Fettsäuren

Kann man Brennnesseln verwechseln?

Große Brennnesseln können mit Kleinen Brennnesseln und Taubnesseln verwechselt werden. Taubnesseln brennen nicht. Beide „Nesseln“ sind ebenfalls essbar.

… Und mehr

Wort-Herkunft

Der botanische Name der Großen Brennnessel lautet „urtica dioica“. „urtica“ kommt vom lateinischen Wort „usere“, das „brennen“ bedeutet. Warum wohl? Ich komme einfach nicht drauf.

„Dioica“ kommt vom botanischen Begriff „diözisch“. Das bedeutet „zweihäusig“ und heißt, dass die Große Brennnessel eine weibliche und eine männliche Pflanze hervorbringt. Das ist einer der Unterschiede zur Kleinen Brennnessel, bei der beide Geschlechter an einer Pflanze wachsen.

Botanik

Die Große Brennnessel gehört zur Familie der Nesselgewächse (Urticaceae).

Es gibt verschiedenfarbige Brennnesseln. Die „Wurzel“ ist ein Rhizom.

Lebensraum / Ökologie

Brennnesseln zeigen stickstoffhaltige, überdüngte Plätze an. Das heißt aber nicht, dass dort, wo Brennnesseln wachsen, immer künstlich viel gedüngt wurde.

Der Boden kann auch durch natürliche Düngung gut genährt sein, wenn zum Beispiel wie im Wald Laub liegenbleibt und andere Pflanzenteile verrotten.

Manche Menschen pflanzen in ihrem Garten Blumen, um Schmetterlingen ein Nahrungsangebot zu  machen. Das bringt jedoch nichts, wenn deren Raupen mangels Futterpflanzen „verhungern“.

Brennnesseln sind wichtige Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen. Einige dieser hübschen Flattertiere sind Distelfalter, Admiral, Kleiner Fuchs, Russischer Bär, C-Falter und Tagpfauenauge und noch viele mehr.

Russischer Bär

Manche dieser Schmetterlinge legen ihre Eier nur auf Brennnesseln und auf sonst keine andere Pflanze ab. Einige sind noch ausgefuchster und mögen nur die Pflanzen, die an einem bestimmten Platz wachsen.

Das Tagpfauenauge gehört zu dieser erlesenen Riege der Schmetterlinge. Laut meinem Kosmos Schmetterlingsführer* werden die Eier nur auf Brennnesseln abgelegt, die sonnig oder höchstens im Halbschatten wachsen. Außerdem müssen Luftfeuchtigkeit und Windschutz stimmen.

Also von wegen: „Finde ich keine Brennnessel an einem sonnigen Platz weiche ich eben auf einen halbschattigen aus.“  Manche sind da eigen.

Brennnesseln ernten
Brennnessel als Futterpflanze

Sonst noch etwas? Das muss ich nicht wissen

Andere Namen

Die Brennnessel hat noch eine Reihe weiterer Namen: Donnernessel, Hanfnessel und Tausendnessel.

Volkskundliches

Die „Donnernessel“ war dem Donnergott Donar (Thor) gewidmet, denn sie brennt wie ein Blitzstrahl.

Brennnesseln galten in der Volkskunde als Mittel, mit dem man Unheil abwehren konnte. Damit Hexen dem Vieh nicht schadeten, legte man unter die Kühe Brennnesseln oder schlug sie damit. Zur Sommersonnwende räucherte man mit Brennnesseln die Ställe, um böse Geister zu vertreiben.

Lange war sie auch eine Nutzpflanze aus der Kleidung und Papier hergestellt wurde.

Brennnesseln bekämpfen?

Wer jetzt noch nicht von den Vorzügen der Brennnessel im Garten überzeugt ist, kann sie natürlich auch bekämpfen. Dazu bewaffnet ihr euch mit dicken Handschuhen, packt sie am besten möglichst bodennah und versucht, sie mit ihrer Wurzel (Rhizom) auszureißen.

Die „Wurzel“ kann ganz schön lange sein! Und seid euch sicher, ein Stück bleibt immer im Boden und will, dass die Pflanze überlebt.

Gebt ihr keine Chance, Samen zu bilden. Schneidet sie vorher ab und verwertet sie wie oben beschrieben.

Ich reiße sie an manchen Stellen aus – und hoffe, dass noch kein Schmetterling seine Eier an den Blättern abgelegt hat und ich mit der Aktion die Schmetterlinge um die Ecke bringe.

Meine Erkenntnisse mit Brennnesseln im Garten

Brennnesseln sind die Tausendsassas unter den essbaren Wildkräutern! Betrachtet man sie nutzenorientiert, sieht man, dass sich aus ihnen nicht nur ein schmackhaftes Wildgemüse zaubern lässt, sondern dass sie auch die Schmetterlings-Vielfalt erhöhen.

Und ganz ehrlich: Das Zeug dazu, andere Pflanzen im Garten auszurotten, hat selbst sie nicht. Gut, ein wenig lenkend eingreifen kann hilfreich sein. Es braucht nur ein wenig Toleranz und schon überwiegt die Freude über dieses Wildkraut.

Viel Freude in Garten und Natur

Sonja


Ihr habt Lust auf noch mehr essbare Wildpflanzen?

Dann schaut bei der Gewöhnlichen Nachtkerze vorbei. Sie ist auch eine essbare Wildpflanze, sie sich leicht selbst erhält.

Die Bärlauchsaison ist selbst im Mai noch lange nicht zu Ende! Schaut hier, was es wann zu ernten gibt: Bärlauch im Garten und in der Natur ernten

Im Winter wartet dann Topinambur darauf, nicht nur von den Wühlmäusen kulinarisch entdeckt zu werden.


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