Gemüse ohne Pflanzplan anbauen

Gemüsegarten mit Hochbeet

Das mit dem Pflanzplan für den Gemüsegarten ist jedes Jahr wieder eine Quälerei. Deshalb mache ich es ab jetzt gaaaanz anders! Denn ich habe festgestellt, der Gemüseanbau lässt sich auf kleinem Raum nicht so gut planen wie im großen Garten.

Was nicht alles beim Pflanzplan für Gemüse berücksichtigt werden will! Da ist die Rede von

  • Pflanzenfamilien
  • Fruchtfolge
  • Mischkultur
  • Wurzel-, Frucht- und Blattgemüse
  • Dauerkultur
  • Nährstoffbedarf (Stark-, Mittel-, Schwachzehrer)

Alle Aspekte miteinander auf einer kleinen Anbaufläche in Einklang zu bringen ist eine Herkulesaufgabe! Und es ist auf kleinem Raum nur machbar, wenn man sich stresst und auf alle möglichen Gemüse verzichtet.

Das ist meine Erfahrung der letzten Jahre, seit ich verstärkt mit einem Pflanzplan arbeite. Der ist jedoch nicht das Weiße vom Specht-Ei.

Deshalb probiere ich wieder mal was Neues aus. Schließlich will ich mit einfachen Methoden die Gemüsevielfalt auf kleinem Raum erfolgreich erhöhen!

Zuerst jedoch zu den Problemen, die sich aus der Arbeit mit dem Anbauplan ergeben haben.

Probleme mit dem Pflanzplan im kleinen Gemüsegarten

Ein Beetplan für den Gemüseanbau ist schön und gut. In der Theorie. In der Praxis schaut es doch im kleinen Gemüsegarten so aus:

1.     Anbauphasen

Die Fruchtfolge, eventuell sogar 6-jährige oder zumindest mehrjährige Anbaupausen lassen sich nicht einhalten, wenn man nur eine kleine Fläche zum Anbau von Gemüse zur Verfügung hat.

2.     Beetfläche teilen

Was ich nicht alles ausprobiert habe! Bei einer kleinen Anbaufläche die einzelnen Beete einfach teilen? Die Pflanzenfamilie mal links und mal rechts säen? Diese Rechnung geht nicht auf.

Es passt trotzdem nicht mehr Gemüse ins Beet! Die Fläche wird ja nicht größer! Damit hätte ich mich trotzdem und sogar noch mehr bei der Gemüsevielfalt einschränken müssen.

(Wobei ich das mit den mir eigenen Methoden umgangen habe. Wenn du mehr dazu wissen willst, lies diesen Beitrag: 9 Tricks für den Gemüseanbau im kleinen Garten).

Vielleicht lässt sich die Fruchtfolge besser einhalten? Freilich nur, wenn: siehe Problem-Punkt Nummer 3.

3.     Pflanzenfamilien

Fruchtfolge und Mischkultur lassen sich nicht einhalten, wenn man zum Beispiel bevorzugt Gemüse aus einer Pflanzenfamilie wie beispielsweise Kreuzblütengewächse (Rettich, Rucola, Kohlrabi usw.) anbauen will. Also wenn man für eine bestimmte Pflanzenfamilie besonders viel Fläche braucht.

Ist man konsequent, muss man auf verschiedene Lieblingsgemüse verzichten, nur um der Theorie und dem Pflanzplan Genüge zu tun! Frustrierend.

4.     Wintergemüse im Frühjahr

Kleiner Gemüsegarten

Der Winter dauert bei uns lange. Dadurch wächst im späten Frühjahr im Beet noch Wintergemüse wie Grünkohl oder überwintertes Gemüse wie Feldsalat, Winterpostelein, Zuckerhut und Mangold. Gleichzeitig müssten jedoch die Frühjahrs-Aussaat oder die vorgezogenen Jungpflanzen ins Beet.

Der Platz ist also noch nicht frei. Ich will aber das erntereife Gemüse noch ernten. Warum soll ich das fertige Gemüse aus dem Beet ausrupfen, wenn ich das nach und nach noch wegfuttern kann?

Um das neue, noch lange nicht erntereife Gemüse einzupflanzen oder auszusäen und dann noch einige Wochen oder Monate auf eine neue Ernte zu warten?

Und in dieser Übergangszeit erst mal gar nichts von diesem Beet oder gar aus dem Gemüsegarten ernten zu können? Diese Erntelücke erscheint mir nicht sinnvoll!

Gemüsegarten ohne Pflanzplan

5.     Vorkultur, Hauptkultur, Nachkultur

Auch das passiert immer wieder: Unterm Jahr ist das Beet noch von Gemüse besetzt, das doch wieder länger braucht, als auf der Saatgut-Packung oder in den Büchern steht.

Mairübchen sollen angeblich nach sechs Wochen schon geerntet werden können. Pf!!! Wie machen die Gartenbuch-SchreiberInnen das bloß? Ich glaube, die zaubern! (Als Kind hatte ich einen Zauberkasten. Vielleicht sollte ich mir wieder einen zulegen?).

Da taucht die Frage auf: Was tun, wenn laut Beetplan jetzt genau an diesem Platz Gemüse ausgesät oder gepflanzt werden soll und die Natur sich nicht an Zeitpläne hält? Auf eine andere Ecke des Planes ausweichen geht ja nicht, sonst passt der ganze Plan nicht mehr zusammen.

Wartet man mit der Folgebepflanzung, bis die aktuelle Kultur das Beet räumt, verschiebt sich der Zeitplan nach hinten.

Ehe man sich zweimal umguckt ist es wieder Herbst und die Hauptsaison für den Gemüseanbau vorbei. Und wieder lässt sich deutlich weniger anbauen als geplant.

6.     Gefräßige Tiere und andere Probleme im Gemüsegarten

Und dann das! Laut Beetplan können an einem bestimmten Platz in einem Jahr immer wieder Radieschen, Karotten oder anderes Gemüse (nach)gesät werden.

Dumm nur, wenn sich mit der ersten Charge Mitesser oder Krankheiten eingenistet haben. Der Platz im Beet ist also nicht mehr für Radieschen & Co. geeignet. Woanders sind sie nicht vorgesehen.

Was wiederum dazu führt, dass es mit dem Anbau von genau diesem Gemüse für dieses Jahr vorbei ist. An diesem Punkt ist er Anbauplan viel zu unflexibel.

Nach diesen frustrierenden Erfahrungen mit dem Pflanzplan muss was Neues her!

Lösung für all die Probleme mit dem Anbauplan für Gemüse

Mein Hirnkastl sagt: „Es muss doch eine einfache Lösung für das Problem geben?“ Die letzte Zeit bin ich mit einem Beetplan ins Gemüsejahr gestartet.

Im Artikel „Der Pflanzplan für Gemüse: 8 wichtige Infos“ habe ich beschrieben, was ich ausprobiert habe und dass ich anfangs davon angetan war. Anfangs …

Im Laufe der Zeit habe ich den Plan aus oben genannten Gründen trotzdem aus den Augen verloren oder über den Haufen geworfen. Er hat sich auf den kleinen Gemüsebeeten nicht bewährt.

Was probiere ich jetzt aus? Gaaaanz einfach: Dieses Jahr verzichte ich von Anfang an großzügig auf den Pflanzplan im Gemüsegarten.

Ich pflanze oder säe alles wild durcheinander, säe und pflanze dorthin, wo gerade Platz ist.

Wobei ich – wenn möglich – weiterhin auf drei Sachen achten will:

  1. Auf Mischkultur
  2. Fruchtfolge
  3. Pflanzenfamilien.

Vorteil dieser „Ich-baue-Gemüse-ohne-Anbauplan-an-Methode“

Zur Methode des „wild durcheinander Anbauens“ stelle ich diese vier Thesen auf:

  1. Der Gemüseanbau funktioniert im kleinen Gemüsegarten ohne Anbauplan gut.
  2. Die gewonnene Zeit, die ich spare, weil ich nicht mehr über einem Pflanzplan brüten muss, kann ich für andere heißgeliebte Sachen nutzen. (Mich auf dem Esszimmertisch mit Wanderkarten breit machen und an Wanderungen im Bayerischen Wald tüfteln. Keller entrümpeln).
  3. Der Gemüseanbau ist stressfrei, erholsam, weil die oben genannten Probleme entfallen.
  4. Für das Gemüse, das ausgesät oder gepflanzt werden will, ist immer dann ein Platz vorhanden, wenn ich ihn brauche.

Wie weit sich diese Behauptungen bestätigen, werde ich sehen.

Meine Erkenntnisse mit dem Anbauplan für den kleinen Gemüsegarten

Ein Beetplan für Gemüse ist eine super Sache – bei einem großen Garten. Wer wie ich Gemüse nur auf kleiner Fläche anbaut, ohne Gewächshaus arbeitet, viele verschiedene Gemüse anbauen und sich nicht anstrengen will, für den ist der Anbauplan nichts. Ich habe das mit dem Pflanzplan ausprobiert! Da ist der Frust vorprogrammiert.

Die Planung des Gemüsebeets verbraucht außerdem richtig viel Hirnschmalz. Der bis ins letzte durchdachte und getaktete Anbauplan … Puh! Ist das anstrengend! Mein Motto: Bloß keine Plackerei!

Deshalb baue ich dieses Jahr unser Gemüse von Anfang an ohne Plan an. Ich sehe es schon vor mir: Das wird ein richtig gutes Gemüsejahr! Mit Leichtigkeit und Freude!

Viel Freude in Garten und Natur

Sonja


Keramik Kunst im Lallinger Winkel im Gemüsegarten.

Mischkulturpartner von 11 Gemüsen, die (fast) jedem gelingen und wenig Platz brauchen.

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4 Kommentare

  1. Hallo Sonja,

    ja – das gefällt mir auch. Wir haben im Garten auch nicht so viel Platz für Gemüse. Erst wollte ich von einem Beet und einem Hochbeet um weitere 2 Beete erweitern. Dann kam die Wurzelwerkmethode und ich war bei zusätlichen 4 Beeten plus Erdbeerbeet, plus Tomatenbeet an der Scheunenrückwand mit Dach. Ordentlich viel Arbeit. Auch der besagte Pflanzplan – der Kopf rauchte! Bis mir aufging, da ohne Kohl alles leichter wird, weil ich keine längeren Pflanzpausen als 3-4 Jahre habe. Und da ich Kohl eh nicht gut vertrage – hab ich ihn gern weggelassen. Ist die List mal da – gibts auch hier erreichbar Biogemüse zu kaufen. Ein Beet nehme ich jetzt
    noch aus dem Rotieren raus (und rotiere unsere Lieblingsgemüse in 4
    Beeten). Das 5. ist mein Jokerbeet. Da
    plane und pflanze ich jedes Jahr neu und
    beachte trotzdem die Pflanzfamilien und Fruchtpause. Dieses Jahr gibts einen französischen Melonenkürbis und Buschbohnen dort. Und dann pflanz ich
    noch in ettlichen 30 und 50 Liter-Pflanzsäcken. Da kann ich jedes Jahr neu
    starten, ausoprobieren, überzählige Jungpflanzen unterbringen. Mit
    dick Mulch – auch da auf dem Kompost gieße ich kaum. Dieses Jahr sind Gurken, Physalis, Pepino, Ugni, Auberginen, Paprika und Tomaten in den Säcken.

    Ach ja – Brennesseln und genialerweise auch neu Beinwell gibts auch im Garten – und damit dünge und schütze ich.

    Ich liebe den Garten und die Gartenarbeit 💚.

    Herzliche Grüße von mila 🌸

    1. Hallo Mila,

      ich bin gespannt, wie sich bei uns das Gemüse ganz ohne Plan entwickelt. Wie du, nutze ich neben den Hochbeeten auch noch Töpfe. Und die Töpfe werden auch gemulcht.

      Für mich ist Gartenarbeit wie Meditation. 🙂

      Herzliche Grüße
      Sonja

  2. Hallo Sonja,
    toll dass du so ein Experiment wagst, ich bin hochgespannt wie sich das entwickelt!

    Ich hatte vor einer Weile ein ähnliches Experiment laufen, allerdings unfreiwillig, anfangs jedenfalls: 2018 habe ich auf einem ca. Ø3m großen Fleck ein wildes Beet „angelegt“, bzw. entstehen lassen. Dort musste ein Kirschbaum weg, und nach dem Ausgraben der Wurzeln wurde der Krater mit Kompost aufgefüllt. Irgendwie hatten wir dann wohl vergessen, wieder Gras einzusäen, jedenfalls wuchst dort plötzlich alles mögliche, nur kein/kaum Gras.Ringelblumen, Tagetes, Gänseblümchen, ein paar bis heute unbekannte Blumenarten, Petersilie, sogar Physalis (sehr viele sogar!) und jede Menge kleine Tomaten. Ich konnte meinen Vater (sonst immer DER Ordnungsfanatiker im Garten) überreden, dass wir dort NICHT klar Schiff machen, sondern das Ganze als Experiment ein Jahr lang laufen lassen.

    Ergebnis: Ein fruchtbares, reich tragendes, aber leider unbetretbares Dickicht! Die Physalis wurden ca. 1,5m groß und trugen bis in den November Früchte, die allerdings auch erst ab Herbst reif wurden. Die Tomaten müssen sich aus Cocktailtomaten vom Biomüll ausgesamt haben, den Früchten nach zu urteilen. Wir haben die Tomaten NICHT gestützt und schon gar nicht ausgegeizt oder sonst irgendwie gepflegt. Alles durfte wachsen wie es wollte, und wohin es wollte. Anarchie im Beet, sozusagen.

    Ab dem Zeitpunkt, als Tomaten und Physalis ca. 50cm hoch waren, haben sie sehr effektiv den Boden verschattet, was weniger „Unkraut“ und mehr Bodenfeuchte bedeutete. Erinnert euch, 2018 war der erste von zwei richtig fiesen Dürresommern – ich habe dieses Fleckchen vielleicht einmal pro Woche gegossen, mehr war nicht nötig. Und vermutlich hätte ich auch diese eine Gießkanne weglassen können, was war mehr das schlechte Gewissen und der immer noch tief verwurzelte Glaube, dass es ohne zusätzliches Gießen nicht ginge.

    Meine Lektion daraus: Einfach mal trauen, der Natur auf einem Stückchen komplett freie Hand zu lassen!

    Jetzt gärtnere ich auf einem 8x5m großen Beet nach Gertrud Franck’s Mischkultursystem und komme relativ gut zurecht, was den selbst entworfenen Plan angeht. Ich erkenne aber viele der Probleme wieder, die du ansprichst: Den Frust bei der Planerstellung (ich habe das vom Herbst an machen wollen und fast bis ins Frühjahr hinein vor mir hergeschoben!), die Probleme mit trödelnden Vorkulturen, etc. So ganz will ich meinen Franck’schen Plan noch nicht gleich wieder aufgeben (nutze ihn jetzt erst das zweite Jahr), aber die Erfahrung mit dem Anarchie-Beet nagt immer noch an mir: Ich will das unbedingt nochmal ausprobieren! Ich behalte dein Experiment daher im Auge! (c:

    1. Hallo Daniel,

      „Anarchie-Beet“. Über diese Beschreibung musste ich lachen.

      Das klingt toll und beschreibt vor allem unseren Garten. Jemand hat mal so was ähnliches wie „gezähmte Anarchie“ dazu gesagt. Vielleicht soll ich für das Blog einen neuen Namen zulegen: Anstatt sonjas-gartenfreuden: sonjas-anarchiegarten?

      Da herrscht in vielen Bereichen Anarchie! Was nicht nur auf die Naturgarten-Zertifizierung zurückzuführen ist (was kein Grund für Anarchie wäre), sondern auch auf unsere meine Bequemlichkeit. Und ich „erkläre“ das immer mit den vielen Lebenwesen, die sich da tummeln, Insektennachwuchs an Gräsern, Überwinternde Insekten in nicht abgeräumten Stängeln, Wildblumen und Pflanzen, um die man sich nicht kümmern muss, die gut für Insekten und uns Menschen sind und die auch Wühlmäuse nicht fressen usw.

      Ich bin auch gespannt, wie das Experiment mit dem Gemüse, das ich von Anfang an wild Durcheinander wachsen lassen will, gelingt. Ich glaube fest daran, dass es super wird! Und dass ich noch entspannter gärtnern kann! (Geht noch entspannter überhaupt noch?) Hihihi.

      Das mit Gertrud Francks Mischsystem hätte mich auch interessiert, habe auch das Buch dazu. Aber dazu müsste ich von unserem wilden Garten was opfern. Weil auf dem kleinen Raum, auf dem wir Gemüse anbauen lässt es sich nicht umsetzen. Ich setze jetzt mal auf wildes Durcheinander in den vorhandenen Gemüsebeeten. Habe allerdings dieses Jahr viel zu viele Knollensellerie vorgezogen. Das wird eine Knollensellerie-Monokultur. 😉

      Viele Grüße
      Sonja

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