Grünkohl im Hochbeet anbauen

Grünkohl als Wintergemüse im Hochbeet anbauen

Grünkohl im Hochbeet anbauen. Geht das? Ja, das geht! Und schon steht der Ernte von Grünkohl im Winter nichts entgegen – wenn nicht gerade hungrige Feldhasen im Garten vorbeihoppeln und gucken, was für überaus schmackhaftes Wintergemüse im Angebot ist. Und den Grünkohl dann wegfuttern.

Das gibt es hier zu lesen: Meine Erfahrungen mit dem Grünkohl anbauen und wie ich es mache.

Grünkohl pflanzen: Standort

Das Wintergemüse braucht einen sonnigen bis halbschattigen Platz.

Der Boden / die Erde für den Grünkohl im Hochbeet

Der Boden beziehungsweise die Erde sollte humos, nährstoffreich und wasserdurchlässig sein.

Aussaat von Grünkohl

Wir bauen die Sorte „Lerchenzungen“ an. Diesen ziehe ich ab April vor. Nach Empfehlungen in Gartenbüchern soll man Grünkohl ab Mai bis Juni vorziehen. Meine Erfahrung ist, dass bei uns der Juni für das Vorziehen zu spät ist.

Denn bei der Aussaat im Juni hat der krause Kohl bis zum Winter keine passable Erntegröße mehr erreicht. Im folgenden Frühjahr ist er dann richtig gut gewachsen und war damit bereit zur Ernte.

Aber dadurch hat der Grünkohl das Beet belegt, sodass ich an diesem Platz kein Frühjahrsgemüse säen konnte. Die Voranzucht im April dagegen hat sich bewährt. Der Grünkohl wächst bis zum Winter zu einer erntetauglichen Größe heran.

Wann Grünkohl pflanzen?

Angeblich soll man Grünkohl von Juni bis Anfang August ins Gemüsebeet auspflanzen. Zu dieser Zeit bieten Gärtnereien auch Jungpflanzen an.

Ich aber pflanze Grünkohl schon ab Ende Mai ins Hochbeet, wenn er ein 4-Blatt-Stadium erreicht hat und sobald irgendwo ein Plätzchen frei ist. Wenn kein Platz frei ist, dann eben später.

Zum Schutz vor Kohlfliegen habe ich früher einen Kohlkragen aus Papprollen vom Toilettenpapier rumgemacht. Seit mir Pappe im Beet nicht mehr geheuer ist, mache ich das nicht mehr.

Da wir keine Probleme mit Kohlfliegen haben, ist ein Kohlkragen um die Stängelbasis auch nicht notwendig.

Grünkohl pflanzen: Abstand

Es heißt, die einzelnen Pflanzen sollen in einem Abstand von etwa 40 x 50 cm gepflanzt werden. Ich pflanze sie je nach Platz auch enger zusammen. Das funktioniert ebenfalls.

Einmal habe ich direkt daneben einen Rettich gesät und vergessen. Den Radi habe ihn erst entdeckt, als der Grünkohl etwas zur Seite gekippt und der Rettich damit sichtbar war. Er war schon groß. Dass dem Rettich das Licht nicht gefehlt hat, wundert mich ehrlich gesagt schon.

Mischkultur Grünkohl – gute und schlechte Nachbarn

Am Jahresanfang meine ich immer, dass ich auf sogenannte gute Mischkultur-Partner achten will und plane das bisweilen ein. Die Erfahrung zeigt, dass sich bei einer kleinen Gemüseanbau-Fläche ein Anbauplan schwer realisieren lässt.

Dann kommt Grünkohl eben da hin, wo gerade Platz ist, unabhängig von sogenannten guten oder schlechten Mischkultur-Partnern.

Bei der Mischkultur-Theorie kommt ja noch dazu, dass manche behaupten, alle gleichen Pflanzenfamilien sollen in ein Gemüsebeet und andere sagen das genaue Gegenteil, dass keine gleichen Pflanzenfamilien nebeneinander wachsen wollen.

Da denke ich mir: „Ist bei der kleinen Anbaufläche eh´  egal, was als guter oder schlechter Nachbar neben dem Grünkohl wächst.“

Einmal zeigte mir mein Pflanzplan fürs Gemüse, dass gute Nachbarn neben Grünkohl Rote Bete wären. Das habe ich ausprobiert und es hat gut geklappt. Ob das tatsächlich an der guten Nachbarschaft lag, bleibt für mich eine offene Frage.

Manchmal findet ein Gemüse ungeplant eine Heimat neben dem Grünkohl: wilde Rauke zum Beispiel. Die hatten wir überraschend geschenkt bekommen.

Für die Rauke hatte ich schnell einen Platz gebraucht und deshalb neben den Grünkohl gepflanzt. Das war der einzige freie Platz. Also eingepflanzt, gewartet, beobachtet und was ist passiert? Beide Gemüse sind gewachsen.

Ihr seht, der Pflanzplan dient mir nur zur groben Orientierung und wird aus aktuellem Anlass auch schon mal über den Haufen geworfen. Wenn es mir gerade in den Kram passt, bin ich fürs Ausprobieren und schaue, was funktioniert.

In Gartenbüchern steht, dass auch folgende Gemüse gute Mischkultur-Nachbarn für Grünkohl wären:

  • Erbsen
  • Kartoffeln
  • Lauch
  • Sellerie
  • Salat
  • Tomaten – sollen verhindern, dass sich der Kohlweißling den Kohl als Raupenfutterpflanze ausguckt. Das hat bei uns mit Weiß- und Rotkohl nicht funktioniert. Vielleicht waren es zu wenige Tomaten?
  • Spinat
  • Radicchio

Wer sich einen Pflanzplan für Gemüse bastelt, könnte bei der Planung diese Kombination berücksichtigen: Grünkohl nach frühen Kartoffeln pflanzen.

Grünkohl einpflanzen

Das Vorziehen ist vorbei. Nun geht es darum, den Grünkohl ins Hochbeet zu bekommen. Damit er gut gedeiht gebe ich nützliche Sachen ins Pflanzloch:

Manche empfehlen, beim Setzen der Pflanzen zusätzlich Hornspäne einzuarbeiten. Das ist nichts für mich. Mir gefällt nicht, dass Klauen und Hörner von Rindern verarbeitet werden, von denen ich nicht weiß, wie sie gehalten wurden.

Schafwolle, Alpakawolle oder reifer Pferdemistkompost sind Alternativen. Wenn das nicht vorhanden ist, dann öfter mit Brennnesseljauche nachdüngen.

Grünkohl düngen

Grünkohl ist ein Starkzehrer. Da er mächtig groß wird, braucht er einiges an Energie. Deshalb dünge ich nach der Pflanzung immer wieder mal mit Brennnesseljauche nach. Ist ja leicht selber herzustellen. Wenn in der Jauche auch noch Beinwell ist, ist auch für Kali gesorgt.

Außerdem mulche ich mit Rasenschnitt und „Unkraut“ wie Vogelmiere oder anderen essbaren Wildkräutern, die im Beet wachsen.  

Grünkohl Sorte anbauen

Grünkohl pflegen

Grünkohl braucht neben Düngergaben auch Wasser. Wenn es zu trocken ist, hilft alles nichts und man muss die Pflanze gießen.

Das ist vor allem beim Anbau von Grünkohl im Hochbeet wichtig, weil hier die Erde viel schneller austrocknet, als im Gemüsebeet auf dem Boden. Selbst dann, wenn man regelmäßig mit Rasenschnitt oder anderen Gartenabfällen mulcht.

Was ist sonst noch zu beachten? Grünkohl wächst in die Höhe und fällt im Hochbeet leicht um. Um das zu verhindern, könnt ihr ihn an einem stabilen Stecken festbinden.

Ich nehme her, was gerade zur Hand ist, zum Beispiel die Bodenhülse von einem ausgedienten Sonnenschirm.

Grünkohl ernten

Grünkohl ist winterhart und bleibt den Winter über im Hochbeet stehen. Von diesem schmackhaften Kohl ernte ich die Blätter, die sich weiter oben am Stängel befinden.

Die älteren schmecken zum Teil erdig und zäh. Nach den ersten Frösten schmeckt Grünkohl süßlicher – manche sagen besser.

Damit Grünkohl bei milden Temperaturen weiterwachsen kann, erntet ihr nur die unteren jüngeren Blätter, die Spitze bleibt stehen.

Das gewährleistet, dass die Fotosynthese funktioniert und ihr immer weiter und weiter ernten könnt.

Es heißt immer, man soll Grünkohl nicht komplett mit Blatt und Stiel abschneiden, weil er dann nicht mehr weiterwachsen würde. Dazu habe ich eine Geschichte:

In einem sehr strengen Winter mit tiefen Minustemperaturen und viel Schnee sind in unseren Garten die Feldhasen ins Hochbeet gehoppelt und haben den Grünkohl mit Stumpf und Stiel weggefuttert – soweit sie den Stiel bei dem gefrorenen Schnee erreicht haben.

Es war nur mehr ein kurzer Stumpf übrig. Das „Herz“ war weg. Ich dachte: „Oje, der Grünkohl ist verloren.“ Im Winter war er das auch. Aber im Frühjahr hat er an den verbliebenen Blattachseln am Stumpf neu ausgetrieben.

Grünkohl lagern

Da Grünkohl winterfest ist und frisch geerntet wird, braucht ihr ihn nicht einzulagern. Ihr könnt ihn aber einkochen oder einfrieren. Dann habt ihr für die Zeit, in der es keinen Grünkohl gibt, einen Vorrat.

Aber zu der Zeit gibt es so viel anderes frisches Gemüse und so viele verschiedene  essbare Wildkräuter, da ist es nicht notwendig, auf Vorräte von Wintergemüse zurückzugreifen.

Die tierische Herausforderung / Schädlinge

Im Sommer und Frühherbst besuchen Kohlmottenschildläuse (weiße Fliegen) manchmal unseren Grünkohl. Sie profitieren wohl von trockenen und heißen Sommern.

Wenn es kälter wird, verschwinden sie von alleine. Da ich Grünkohl normalerweise erst im Winter ernte, ist das kein Problem.

Ich mag Schmetterlinge. Und ich mag Grünkohl. Dann gibt es noch den Kohlweißling, ein wenig beliebter Schmetterling an Kohlgewächsen.

Es heißt, die Raupen des Kohlweißlings mögen auch Grünkohl. Den rühren sie bei uns jedoch nicht an. Wie nett von ihnen.

Vielleicht weil in unseren Hochbeeten auch Butterkohl oder andere Kreuzblütengewächse wie „Ewiger Kohl“ und Steckrüben stehen? Diese haben die Kohlweißlinge zum Fressen gern.

Für den Fall, dass die Kohlweißlinge auf dem Grünkohl vorbei schauen, ist ein Kulturschutznetz erste Wahl. Gegen die weiße Fliege soll der Cola-Strauch helfen. Vielleicht versuche ich das irgendwann einmal.

Der Verwendungszweck: Was kann man mit Grünkohl machen?

Aus Grünkohl lässt sich in der Küche einiges herstellen. Hier sind ein paar Anregungen:

  • in Norddeutschland wird Grünkohl traditionell mit Pinkel aufgetischt – bei uns in Süddeutschland ist das Gericht nur wenig bekannt
  • das Gemüse taugt für Gemüsemischungen wie Grünkohlcurry, -aufläufe oder -risotto
  • der Kohl passt in Smoothies
  • man kann ihn entsaften
  • Grünkohl klein geschnitten in den Salat geben
  • Grünkohlchips

In Kochbüchern und im Internet gibt es noch viel mehr Anregungen.

Inhaltsstoffe / Nährstoffe

Grünkohl enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe: unter anderem Kohlenhydrate, Eiweiß, Vitamin C, Kalzium, Karotinoide, Vitamin E, Kalium, verschiedene B-Vitamine, Eisen, Folsäure, Vitamin K, Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffe, Senfölglykoside, Flavonoide und Chlorophyll.

… Und mehr / Wissensecke

Das Wort „Grünkohl“

Grünkohl kennt man auch unter den Bezeichnungen Krauskohl, Federkohl, Friesische Palme oder unter „Kale“ in New York. Bei Letzterem kann man das lateinische Wort „caulis“ herauslesen, das übersetzt „Kohl“ bedeutet.

Die Redewendung: Jemanden „verkohlen“ besagt, jemanden zum Narren halten oder Krampf (Unsinn) erzählen.

Lebensraum / Ökologie

Für die Raupen des Kohlweißlings ist der Grünkohl eine wertvolle Futterpflanze. Erdflöhe freuen sich ebenfalls über das Wintergemüse, sofern es zur Hauptwachstumszeit sehr trocken ist.

Kurioses zum Grünkohl

Wer hätte das gedacht? Es gibt eine Grünkohl-Kochweltmeisterschaft. Sachen gibt´s!

In Deutschland wurden im Jahr 2018 im Freiland etwas mehr als 17.000 Tonnen Grünkohl geerntet. Das ist relativ wenig im Vergleich zu Spargel. Von Spargel wurden in Deutschland 122.000 Tonnen geerntet.

Volkskundliches

Grünkohl wurde als Palmkohl schon von den alten Römern angebaut, und war in deren Augen so wertvoll, dass es die Bauern, die Grünkohl angebaut hatten, zu Wohlstand bringen konnten. Die alten Griechen wiederum sollen übermäßigen Alkoholkonsum mit Grünkohl auskuriert haben.

Botanik

Bei Grünkohl handelt es sich um ein Kohlgewächs, das im Gegensatz zu Weiß- oder Rotkohl keinen Kopf bildet, sondern mehr oder weniger gekraust an einem Strunk nach oben wächst.

Grünkohl gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) wie auch Kohlrabi oder Rettich. Im zweiten Jahr blüht Grünkohl wunderschön gelb und ist ein wunderbar insektenfreundlicher Pflanzenschatz, der sich im Gemüsegarten versteckt.

Meine Erkenntnisse mit dem Anbau von Grünkohl im Hochbeet

Grünkohl ist ein Muss in Sachen Wintergemüse. Ich mag seinen Geschmack und seine gesunden Inhaltsstoffe in einer Zeit, zu der es sonst nur wenig frisches Grün im Garten gibt.

Außerdem gefällt es mir, wie er im tiefsten Winter als grünes Etwas aus der Schneedecke herausragt. Dann kommen allerdings auch die Rehe im Garten vorbei und schauen, was es zu naschen gibt. Das bedeutet, rechtzeitig vorsorgen und mit Jute abdecken.

Grünkohl im Hochbeet anzubauen hat zwei entscheidende Vorteile gegenüber anderen Wintergemüsen, die geerntet und gelagert werden müssen. Einerseits bleibt er als typisches Wintergemüse im Beet und man muss sich um fehlende Lagermöglichkeiten keine Gedanken machen. Andererseits ist der Kohl wirklich sehr robust, was Kälte betrifft.

Viel Freude in Garten und Natur

Sonja

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