Kartoffeln anbauen: 11 Antworten auf 11 häufig gestellte Fragen

Kartoffeln anbauen

Kartoffeln im Garten anbauen: Wie geht das überhaupt? Hier bekommt ihr eine ausführliche Anleitung an die Hand, mit der ihr Kartoffeln anbauen und pflegen könnt.

Wer nicht genug von der Kartoffel bekommt, kann darüber hinaus noch allerhand andere wissenswerte Dinge über das Gemüse, das keine Wurzel ist, lesen.

Die Sache mit dem Anbau von Kartoffeln

Legen wir los mit den Fragen rund um den Anbau von Erdäpfeln.

1.    Kann man normale Kartoffeln anbauen?

Ja, ihr könnt ganz normale Bio-Speisekartoffeln hernehmen. Ihr braucht keine speziellen Pflanzkartoffeln.

Am besten lasst ihr von Speisekartoffeln, die euch schmecken, ein paar übrig. Nicht, dass ihr am Ende welche anbaut, die ein geschmacklicher Reinfall sind.

2.    Nur vorgekeimte Kartoffeln anbauen?

Bevor des ans Pflanzen geht, sind sie idealerweise vorgekeimt. Das hat den Vorteil, dass sie mit dem Wachstum schneller in die Puschen kommen.

Der Austrieb muss aber nicht sein. Es dauert dann halt länger, bis die ersten Keime aus der Erde gucken.

Meistens ist es kein Problem, Kartoffeln zum Keimen zu bringen, weil sie im Haus schneller keimen, als man schauen kann.

Wenn ihr merkt, langsam geht´s ans anbauen und die Kartoffeln keimen bei euch zu Hause noch nicht, dann lagert sie heller und wärmer. Und schwupps! Schon treiben sie aus!

3.    Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Kartoffeln zu stecken?

Um den richtigen Zeitpunkt herauszufinden, beobachtet ihr am besten die Natur und euren Garten. Das sind die Faktoren, nach denen ihr euch beim anbauen richten könnt:

Temperatur

In Anbau-Anleitungen ist zu lesen, dass Kartoffeln gepflanzt werden können, sobald der Boden 7 Grad warm ist. Ich benutze kein Thermometer, mach´ es mir einfach. Ich schätze die Temperatur pi mal Zeigefinger. Aber die Bodentemperatur alleine reicht mir nicht.

Boden

Ich muss außerdem den Eindruck haben, dass es bisher schon lange warm genug war, so dass der Boden nicht nur warm sondern auch etwas abgetrocknet ist.

Der Boden soll nämlich nicht mehr pitschi-patschi-nass sein, wenn ihr die Knollen reinlegt.

Bei uns dauert der Winter länger. Ist der letzte Schnee endlich weggetaut, ist der Boden noch furchtbar nass und matschig.

Dann warte ich selbst im April noch ein Weilchen, bevor ich anfange, Kartoffeln zu pflanzen. Die Bodenfeuchtigkeit hat also ebenfalls Einfluss auf den Zeitpunkt, wann ich die Mutterknolle stecke.

Wetteraussichten

Außerdem schaue ich nach den Wetteraussichten, bevor es ans anbauen geht. Tendenziell soll die Wettervorhersage Richtung „schön“ zeigen. So dass nicht mehr mit allzu viel Kälte und Nässe zu rechnen ist.

Die Region

Der richtige Zeitpunkt ist auch noch von der Region abhängig, in der ihr Kartoffeln anbauen wollt. Bei uns in der Region ist der Zeitpunkt ungefähr Mitte bis Ende April gekommen.

Es muss nicht immer April sein. Der Monat dient der groben Orientierung. Wer im Rheinland wohnt, wird wahrscheinlich schon früher loslegen können. Dort schaut der Frühling deutlich eher vorbei als bei uns.

Pflanzt man allerdings zu früh, können einem die Eisheiligen einen Strich durch die Kartoffelrechnung machen. Ist das Kraut zu der Zeit schon sehr groß ist, ist es sub-optimal, wenn Frost kommt.

4.    Der Standort: wo Kartoffeln anbauen?

Kartoffeln mögen einen sonnigen Standort. Schattig habe ich ausprobiert. Das hat bei uns nicht funktioniert.

5.    In welchem Boden kann man Kartoffeln anbauen?

Es heißt, dass die Knollen in tiefgründigem und lockerem Boden wachsen wollen. Manche legen sie in einen Haufen Stroh. Bei mir landen sie unter der Erde.

So richtig tiefgründig war unser allererstes Kartoffelbeet nicht. Dadurch konnte ich unbeabsichtigt die Frage klären, ob Kartoffeln die Erde lockern? Die Antwort darauf lest ihr weiter unten.

Es war eine „Versuchsfläche“ auf stark verdichtetem Boden. Auf diesem Platz hatte ich im Jahr zuvor einen Haufen Rasenschnitt aufgeschichtet, der zum Teil verrottet war.

Der Rest vom Gras, der noch nicht verrottet war kam auf den Komposthaufen. Den reifen Kompost, der sich gebildet hatte, habe ich liegenlassen und den Boden mit der Grabgabel gelockert. Damals habe ich dieses Gartengerät noch öfter benutzt.

Steine habe ich für einen Steinhaufen zur Seite gelegt und steinharte Erdbrocken zerbröselt.

Die Wühlmäuse waren vorher schon als nützliche Gärtner unterwegs und hatten unter dem Grashaufen die Erde durchlüftet. Das alles zusammen musste als Beetvorbereitung genügen.

Zwischenzeitlich, also bei einem „gebrauchten“ Gemüsebeet, verbessere ich den Boden mit Kompost und wenn ich was bekomme, mit Alpaka- oder Schafwolle. Mehr dazu weiter unten unter „düngen“.

6.    Kartoffeln anbauen: Wie groß ist der Abstand zwischen den Reihen?

Der Abstand zwischen den Reihen beträgt etwa einen guten halben Meter plus x. Der Abstand in der Reihe ist etwas weniger, vielleicht vierzig Zentimeter.

So genau geht es bei mir nicht. Die Kartoffeln brauchen jedoch so viel Platz, dass sie ihre Ausläufer ungehindert rausschicken und Knollen bilden können.

7.    Kartoffeln pflanzen: Wie geht das und wie tief?

Ihr zieht in eurem Gemüsebeet Rillen oder macht für jede Kartoffel ein Loch, in die ihr die Knolle reinsteckt.

Aus dem Buch Der Selbstversorger von Wolf-Dieter Storl* habe ich folgende Idee übernommen: Ich wälze die gekeimten Knollen in Holzasche.

Die Rillen oder Löcher, in die die Kartoffeln kommen, bestäube ich ebenfalls mit einem Hauch Holzasche. Dann lege ich die Kartoffeln mit den Keimen nach oben rein.

Die Tiefe beträgt ungefähr zehn Zentimeter. Das geht nach Augenmaß oder nach meinem sinnvollen Gartenwerkzeug, das ich immer dabei habe: die Handspanne.

Wenn das erledigt ist, die angießen und vorsichtig mit Erde zudecken, damit die Keime nicht abbrechen. Die Erde nochmal gießen und warten.

8.    Wie muss man Kartoffeln pflegen?

An Pflegemaßnahmen fallen diese drei Dinge an: düngen, gießen und vielleicht anhäufeln.

Wie düngen?

In unserem allerersten Kartoffelbeet war vom verrotteten Grasschnitt Kompost als Dünger vorhanden, so dass ich da nicht nachlegen musste. Heutzutage gebe ich etwas Kompost und Alpaka- oder Schafwolle dazu.

Aber nicht zu viel, denn mein Experiment mit der Kartoffelpyramide hat mir gezeigt, dass die Pflanzen gegen allerlei Probleme widerstandsfähiger bleiben, wenn sie nicht zu viel gedüngt werden.

Die Asche, die ich beim Pflanzen in die Saatrillen streue, dient der Kali-Versorgung. Zwischen die fertigen Reihen lege ich Gartenabfälle.

Was nichts anderes als mulchen ist. Die Idee dahinter ist, dass das Grünzeug im Laufe der Zeit verrottet und als Dünger wirkt.

Die Kartoffelpflanzen dünge ich während des Wachstums ein paar Mal wenigstens ein- bis zweimal mit verdünnter Brennnesseljauche.

Gelegentlich nehme ich vom Waldspaziergang zur weiteren Kaliversorgung einige Wedel Adlerfarn mit und lege sie zwischen die Reihen.

Oder ich verwende wuchernde Farnwedel vom Garten. Wobei ich noch recherchieren will, ob dieser auch Kali enthält. Bis dahin mache ich es einfach.

Wie gießen?

Die Größe der Kartoffelknollen hängt von der Wasserversorgung ab. Deshalb während Hitze- und Trockenperioden öfter durchdringend gießen. Und natürlich auch, wenn man ihnen deutlich ansieht, dass sie Durst haben.

Anhäufeln – ja oder nein?

Ich häufle die Kartoffeln nicht an, obwohl das oft empfohlen wird. Bei meinen ersten Anbauversuchen ist mir die Zeit davongelaufen. Später habe ich angehäufelt.

Das war mir allerdings im Ergebnis zu viel Aufwand. Ich habe festgestellt, dass das Anhäufeln nicht sein muss. Das scheint mir eine weitere überflüssige Arbeit beim Gemüseanbau zu sein.

Sollten allerdings im Laufe des Wachstums einzelne Knollen aus der Erde gucken, decke ich diese mit Erde zu, damit sie nicht grün werden und damit giftiges Solanin entwickeln.

9.    Kartoffeln anbauen: Wildkräuter jäten

Gelegentlich machen sich Vogelmiere, Gundermann oder andere Wildkräuter recht breit. Bis das Kartoffelkraut groß genug ist, solltet ihr bei Begleitkräutern lenkend eingreifen. Manche von ihnen sind sogar essbar.

Später bedeckt das Kraut den Boden so gut, dass keine bedeutsame Menge mehr durchkommt.

10. Wann und wie kann man Kartoffeln ernten?

Frühe Sorten könnt ihr je nach Anbaubeginn etwa ab Juli nach und nach ernten. Dabei immer nur die Menge ernten, die ihr gerade verbrauchen wollt.

Späte Sorten zum Lagern erntet ihr, sobald das Kraut vollständig vertrocknet ist. Kullern euch die Knollen beim Ausbuddeln einzeln entgegen, sind sie reif.

Hängen sie noch an den Ausläufern, dann könnt ihr mit der Ernte noch warten. Wenn das Kraut vollständig hinüber ist, ist das aber normalerweise nicht mehr der Fall.

Für die Ernte stochere ich mit einer (Hand)-Grabegabel vorsichtig im Boden rum. Dann wühle ich noch mit den Händen in der Erde nach weiteren Kartoffeln. Das ist bei unserer kleinen Anbaufläche leicht möglich.

Die Ernte ist immer wieder wie ein Überraschungsei. Denn man weiß nie, wie die Kartoffeln ausschauen werden, ob sie essbar oder grintig, groß oder klein sind.

Meistens fällt die Ausbeute üppig aus, was mich besonders freut, weil ich mich um die Kartoffeln kaum kümmere.

Beißen allerdings die Wühlmäuse zu oder ist es ein regnerischer Sommer, den die Kraut- und Knollenfäule besonders gerne mag, dann fällt die Ernte mickriger aus.

11. Wie werden Kartoffeln gelagert?

Nach der Ernte die Kartoffeln noch einige Tage trocknen lassen, bevor sie endgültig in die Holzkiste kommen. Dann wandern sie zum Lagern in den kühlsten und finstersten Teil vom Keller.

Die Kisten noch mit Brettern, alten Stoffen oder Pappkartons zudecken, so dass es in den Kisten so dunkel als möglich ist. Das soll verhindern, dass die Kartoffeln keimen.

Andere Sachen rund um die Kartoffel

Der Verwendungszweck – Was kann man mit Kartoffeln machen?

Für Kartoffeln gibt es eine Menge leckerer Kochrezepte und sogar eigene Kochbücher nur mit Kartoffeln.

Solche Sachen machen wir draus: Vegetarisches Kartoffelgulasch, Kartoffelchips, Spanische Tortilla, Kartoffel-Zucchini-Pflanzerl, Kartoffel-Gemüse-Gratin mit Sauerkraut oder Lauch oder Blumenkohl, Kartoffelnudeln, Kartoffelplätzchen, gebackenes Ofengemüse, oder…

Ein besonders schmackhaftes Rezept für gebackene Wurzelgemüse steht im Kochbuch von Annekatrin Weber*.

Inhaltsstoffe / Nährstoffe von Kartoffeln

Kartoffeln enthalten unter anderem folgende Vitamine und Mineralstoffe: Vitamin C, Vitamin B1,  B2 (Niacin), Pantothensäure (Vitamin B5), Vitamin B6.  An Mineralstoffen tun sich Kalium, Kalzium, Phosphor und Magnesium hervor.

Außerdem enthalten sie Kohlenhydrate, Stärke, Ballaststoffe, Flavonoide und Anthocyane.

… Und mehr unnützes Wissen

Wort-Herkunft

Das Wort „Kartoffel“ kommt vom italienischen „tartufolo“. Das bedeutet Trüffel. Und Trüffel stammt vom lateinischen terrae tuber (Erdknolle) ab.

Lebensraum / Ökologie

Schnecken schätzen das Kraut und Wühlmäuse die Knollen als Nahrungsquelle. Außerdem ist das Kraut ein wichtiger Lebensraum für Kartoffelkäfer. Ja, ich weiß. Diese tierischen Mitesser sind jetzt für manche Leute nur mäßig erfreulich.

Dagegen fällt es Menschen leichter, sich mit Insekten als Besucher der hübschen Blüten anzufreunden. Nebenbei: Kartoffeln wurden früher nicht zum Essen sondern wegen ihrer hübschen Blüten als Zierpflanzen angebaut.

Kartoffelblüte

Sonst noch etwas?

Weltweit werden jährlich fast 400 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet und zu Lebensmitteln, Futtermitteln für Tiere oder Industrieprodukten verarbeitet.

Für was Kartoffeln alles herhalten müssen ist erstaunlich! Da wird aus ihnen Alkohol, Papier, Folien, Kunstschnee, Pappe, Puder, Seife, Shampoo, Tesafilm, Waschpulver und anderes gemacht.

Volkskundliches

Früher hieß es, die Kartoffel sei ein „dämonisches, lüsternes Gewächs und Frucht des Bösen“. Und die erste Kartoffel sei dort gewachsen, wo der Teufel auf den Boden gespuckt habe.

Bei den Inkas gab es eine Kartoffelgöttin: Sie heißt „Axomama“. Was für ein lautmalerisch schöner Name!

Botanik

Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen wie auch Tomaten. Das Kraut, rohe Kartoffeln und grüne Stellen an den Knollen sind giftig und dürfen nicht gegessen werden.

Kartoffeln sind keine Wurzeln sondern die verdickten Enden von unterirdisch wachsenden Sprossteilen.

Meine Erkenntnisse und Erfahrungen mit dem Anbau von Kartoffeln

Ich habe schon mehrere Arten ausprobiert, Kartoffeln anzubauen. Unter anderem in einem zur Kartoffelpyramide umfunktionierten Hochbeet und in einem Kübel. Die besten Ernteergebnisse hatte ich im ebenerdigen Beet. Sieht man von den Wühlmäusen ab.

Fegen nicht gerade Wühlmäuse oder die Kraut- und Knollenfäule wie ein Tornado über Kartoffeln hinweg, dann sind sie ein einfach anzubauendes Gemüse, das ohne viel Pflege wächst.

Einen verdichteten Boden lockern sie definitiv nicht! Was habe ich noch gelernt? Das erste Kartoffelbeet war zu nah am Sauerkirschbaum. Beim Anlegen des neuen Gemüsebeetes bin ich auf die Baumwurzel gestoßen und habe sie verletzt. Daraus folgt:

Geht man in der Nähe von Bäumen beim Gemüseanbau nicht mit einem Hochbeet in die Höhe sondern in den Boden, dann auf ausreichend Abstand zu Baumwurzeln achten.

Viel Freude in Garten und Natur

Sonja

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2 Kommentare

  1. Hallo Sonja,
    danke für den interessanten Artikel. Ich freue mich auch jedes Jahr auf meine Kartoffelernte. Kartoffeln aus dem eigenen Anbau schmecken wirklich wesentlich besser als die aus dem Supermarkt.

    Beim Düngen meiner Kartoffelpflanzen schwöre ich zum Beispiel seit Jahren auf Kuhmist. Wenn ich die Furchen für die Kartoffel gezogen habe, gebe ich in die ganze Reihe etwas Kuhmist vom Bauern und bedecke diesen mit einer dünnen Schicht Erde. Darauf kommen dann die Pflanzkartoffeln. Zum Schluss die Reihen mit Erden schließen und an häufeln.

    So hatte ich bisher jedes Jahr eine Super-Ernte.

    Grüne Grüße
    Alex

    1. Hallo Alex,
      das ist ja interessant, dass du bei der Pflanzung der Kartoffeln mit Kuhmist düngst.
      Überall ist zu lesen, dass der Kuhmist schon seit Herbst im Beet liegen soll.

      Es geht nichts über eigene Erfahrungen.

      Viele Grüße
      Sonja

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