Naturgarten anlegen: 6 Ideen und ein Einblick in unseren Garten

Was gehört in den Naturgarten?

Heute gebe ich euch einen kleinen Einblick in unseren Garten und zeige ein paar Ideen auf, mit denen man mit einfachen Mitteln einen pflegeleichten Naturgarten anlegen kann.

Unser Garten ist jetzt ganz offiziell ein Naturgarten

Naturgarten Ideen

Wir haben unseren Garten als „Naturgarten“ zertifizieren lassen. Wie sind wir darauf gekommen, unseren Garten zertifizieren zu lassen?

In Bayern gibt es eine Aktion, die von Niederbayern angestoßen wurde: „Bayern blüht – Naturgarten“ (das musste jetzt gesagt werden, dass die Idee aus Niederbayern stammt).

Als ich mir die Kriterien für die Zertifizierung zum Naturgarten durchgelesen hatte, hab´ ich mir gedacht: „Von 100 Punkten bekommen wir mindestens 108“. Also für die Naturgarten-Zertifizierung angemeldet.

Manche Kriterien sind Muss-Kriterien, andere Kann-Kriterien. Den Kriterienkatalog decken wir sowieso schon fast von Anfang an ab, weil wir etwas für die Tier- und Pflanzenwelt tun wollten.

Zwischenzeitlich wollen wir ein sichtbares Zeichen gegen die zunehmende Verschotterung der Gärten, gegen verarmte Rasenflächen (wie wir das machen, könnt ihr hier nachlesen: „Der insektenfreundliche Rasen hat 8 Vorteile) und für mehr Vielfalt im Garten setzen. Deshalb haben wir uns schon vor längerer Zeit zur Zertifizierung angemeldet.

Zu diesem Zweck mussten wir in unserem Garten nichts mehr ändern. Dann kam die Pandemie dazwischen, deshalb hat sich die offizielle Zertifikatsübergabe laaaange hingezogen.

Lest weiter unten einige der Kriterien, die man für die Zertifizierung erfüllen muss und lasst euch davon inspirieren. Diese Punkte sind in meinen Augen so was wie eine Ideensammlung, wie man einen Naturgarten anlegen kann. Vorher noch ein Einblick in unseren Garten.

Wie sieht unser pflegeleichter Naturgarten aus?

Unser Garten ist ein wildes, Tier- und pflanzenfreundliches Durcheinander mit Elementen aus der Permakultur. Ein Naturgarten muss jedoch kein wildes Durcheinander sein!

Ist halt bei uns so, weil das am wenigsten Arbeit macht, schön und bequem ist und nebenbei für Krabbeltiere wie Insekten, Blindschleichen oder Igel und die Vielfalt (Biodiversität) allgemein gut ist.

Hier hat sich unter den unter den Pfingstrosen fast direkt neben einem Sitzplatz ein Igel versteckt.

Ich habe mich gefragt, was mir am Naturgarten im Gegensatz zum parkähnlichen Garten gefällt? Ein Naturgarten schaut meiner Meinung nach superschön aus, weil er so „natürlich“ wirkt, es sich so anfühlt, als ob man sich in der unberührten Natur aufhalten würde.

Im Naturgarten blüht zu fast jeder Jahreszeit etwas.

(Parkähnliche Gärten gefallen mir in einem bestimmten Zusammenhang auch – bloß ist diese Art der arbeitsintensiven Gartenbewirtschaftung nichts für uns).

Außerdem löst der Naturgarten Entdeckerfreude aus. Egal, wie oft wir durch unseren Garten gehen, wir sehen immer wieder neue, faszinierende Sachen! Hier folgen ein paar Beispiele:

Nest einer Feldwespe in einer Fensterlaibung

Winziges Ei einer Florfliege an einem Lindenblatt
Bartnelken und Echtes Johanniskraut. Eine harmonische Farbkombination, oder?

Habt ihr schon mal die Veränderliche Krabbenspinne, die zur Tarnung die Blütenfarbe annimmt, gesehen? Schaut euch das Foto weiter unten an, da packt sie gerade ihre Beute.

Was gehört in einen Naturgarten?

Einige der Kriterien / Ideen für die Zertifizierung zum Naturgarten sind:

  • eine wilde Ecke zulassen (wir haben gleich mehrere davon)
  • kein Gift hernehmen
  • keine torfhaltige Erde verwenden (dient dem Klimaschutz)
  • Gräser wachsen lassen (einige Tierchen legen da ihr Eier ab)
  • Regenwasser nutzen
  • Voraussetzungen für eine hohe biologische Vielfalt schaffen
  • auf Kunstdünger verzichten (der verbraucht übrigens bei der Herstellung viel Energie)
  • Kompostwirtschaft betreiben
  • Mulchen (lest dazu mehr im Beitrag über „Mulchen – meine Spezialtechnik„)
  • Gemüse in Mischkultur anbauen
  • zwischen den Fugen was wachsen lassen
  • Wiesenelemente, die maximal dreimal jährlich gemäht werden (wir mähen unsere Mini-Fettwiese einmal, selten zweimal)
  • vielfältige Lebensräume anbieten, z. B. mit Trockensteinmauern, Totholzhaufen, Schattenplätze
  • Wildkräuter zulassen (manche von ihnen sind essbar wie Vogelmiere, Brennnessel oder Nachtkerze) – und auch Giersch wird als eine wichtige Nahrungspflanze für Insekten gesehen
  • Im Rasen dürfen Wildkräuter wachsen
  • Beerensträucher wie Himbeeren oder Johannisbeeren pflanzen und naschen
  • sich Mähroboter und Laubsauger ersparen
  • einheimische Laubbäume, Wildpflanzen oder Obstbäume pflanzen
  • eine vielfältige Hecke
  • umweltfreundliche Materialien aus der Region
  • Unterschlupfmöglichkeiten für Tiere (z. B. Steinhaufen, Strauchschnitthaufen, markhaltige Stängel, Nistkästen)
  • und, und, und …
Totholzhaufen, Lichtnelken, Steine und ein Sandhaufen neben dem Maulbeerbaum vereint
Was gehört in den Naturgarten? Totholz

Neu gebaute Trockensteinmauer aus hiesigem Granit – anschließend wurde die Fläche unterhalb noch bepflanzt.

Wenn ihr vielleicht auch einen Naturgarten anlegen wollt (man muss sich ja nicht gleich zertifizieren lassen), sucht einfach aus dem Kriterienkatalog aus, was euch gefällt und legt los.

Wie haben wir den Naturgarten angelegt?

Bei der Gestaltung des Gartens orientiere ich mich stark an der Natur, frage mich oft „Wie ist das in der Natur?“ und schaue dann, ob sich das auf den Garten übertragen lässt.

Prinzipiell lassen wir die Natur schalten und walten, wie sie will. Da siedelt sich viel von alleine an. Damit meine ich nicht nur essbare Wildpflanzen wie Vogelmiere, Nachtkerze oder Rainkohl, sondern auch farbenfrohe Blumen oder Sträucher wie Lichtnelken oder Pfaffenhütchen.

Sie haben zwei Vorteile: Sie sind pflegeleicht, werden oft (aber nicht immer) von Wühlmäusen und Schnecken verschont und bieten den Tieren fast das ganze Jahr hindurch Nahrung oder Unterschlupfmöglichkeiten.

Wo etwas stört oder wir es anders haben wollen, greifen wir lenkend ein. Das wars. Das ergibt dann oft von alleine ein kunterbuntes Blütenfest.

Das Pfaffenhütchen hat sich in unserem Naturgarten alleine angesiedelt. Es ist ausgesprochen hübsch und Vögel lieben seine Früchte!
Naturgarten gestalten

Bei uns wächst auch das berüchtigte Jakobs-Kreuzkraut. Es heißt immer, man soll es wegmachen, weil es giftig ist. Ich esse es ja nicht und Pferde und andere große Tiere halten wir nicht im Garten. Wenn es verblüht ist, kann man es vor der Samenreife abschneiden, damit es sich nicht in den Wirtschaftswiesen verbreitet und im Heu landet.

Das Kreuzkraut schaut mit seinen leuchtend gelben Blüten mit guter Fernwirkung hübsch aus und es sind immer gaaaaanz viele Insekten an den Blüten. Selbst die Schnecken sind beim Kreuzkraut keine Kostverächter. Wenn sie da was zum Fressen finden, lassen sie andere Sachen wie Gemüse in Ruhe. Auch was wert.

Ich habe übrigens schon oft beobachtet, dass sich Schnecken über Wildkräuter hermachen. Wenn man diese im Garten nicht anbietet, müssen sich die Nacktschnecken ausschließlich an Kulturpflanzen und Gemüse halten. Sonst müssten sie ja hungern.

Wie legt man einen Naturgarten an? Eine Ideensammlung für Anfänger*innen

Wie kann man Elemente des Naturgartens mit wenig Aufwand einfach umsetzen?

# Idee 1) Gräser wachsen lassen

Gras wächst in unserem Garten nicht nur in der Hecke, sondern auch unter den Obstbäumen und zwischen den Zierpflanzen. Hintergrund ist, dass es Insekten gibt, die ihr Gelege an Gräsern ablegen. Mäht man das Gras ab ist das Gelege ebenfalls weg.

So ganz nebenbei macht es weniger Arbeit, wenn man die Gräser wachsen lässt. Bei uns wächst auch unter der Wildobsthecke Gras und ist damit das ideale Versteck für Blindschleichen und Igel! Vielleicht auch für Laufkäfer und Feldgrillen?

->> Wie geht das mit dem Gras-wachsen-lassen? Einfach nichts tun!

Naturgarten: Gräser und Wiesenelement zwischen Apfelbaum und Himbeere
Wiese im Naturgarten

# Idee 2) Extensiver Naturrasen

Ein Hoch auch auf die „8 Vorteile, die ein insektenfreundlicher Rasen“ bringt. Nicht nur, dass er weniger Arbeit macht, …

->> Auch hier ist wieder das Nichts-tun wichtig – also Wildkräuter wie Gundermann oder Günsel wachsen lassen.

# Idee 3) Blüte fast das ganze Jahr hindurch

Es soll zeitlich versetzt was blühen, damit das Nektarangebot für Insekten durchgängig ist. Bei uns im Garten blüht ständig irgendwas, auch dann noch, wenn die Kulturpflanzen grade nicht blühen wollen oder von Wühlmäusen, Schnecken oder anderen tierischen Weggefährten weggefuttert werden.

Oft sind es Wildkräuter, die die Blühlücke von Zierblumen schließen. Und diese Wildpflanzen haben sich von alleine angesiedelt. In unserem Garten wächst eine Blühmischung aus Zierpflanzen, Wildpflanzen und Gemüse.

Gemüse habe ich zu Blühpflanzen dazugepackt, weil ich zum Beispiel Zuckerhut im Frühjahr aus dem Gemüsebeet nehme und irgendwo in den Garten verpflanze. Er blüht sehr schön und sehr lang. Das ist wirklich insektenfreundlich und was fürs Auge!

Eine fast ganzjährige Blüte (bei uns blüht im Winter nur der Schnee) ist mit einer Mischung aus Kulturpflanzen und vielen Wildpflanzen überhaupt kein Problem!

->> Wie bringt man das hin? Mit Nichts-tun. Nicht jeden nicht gepflanzten Grashalm und nicht jedes sogenannte Unkraut auszupfen, sondern abwarten, was das vielleicht Schönes wird.

Pfingstrosen, halbgefüllt (wir haben auch ungefüllte) mit Günsel, damit die Insekten Nahrung finden

(Zuckerhut kann man nicht nur blühen lassen, man kann ihn auch als Herbst- und Wintersalat anbauen und essen. Das ist bei uns sein eigentlicher Zweck.)

Hier blüht Feldsalat zwischen wilden Vergissmeinnicht und Flockenblumen.

Ideen für den Blumengarten.

# Idee 4) Kein Gift verwenden

Gift hat in unserem Garten sowieso nichts zu suchen, weder als sogenanntes „Pflanzenschutzmittel“ (wobei diese Mittel wie Herbizid, Fungizid, Insektizid immer mit -zid enden und das genau das Gegenteil von „schützen“ ist, nämlich „töten“), noch als Mittel gegen fleißige Mitesser wie Schnecken, Wühlmäuse oder Käfer.

->> Wie bekommt man das hin, auf den Einsatz von Gift zu verzichten? Kein Gift kaufen.

Auch wenn ich ein großes Herz für Tiere habe: Beim Gemüse hört der tierische Spaß jedoch selbst bei mir auf. Wenn ihr wissen wollt, wie wir unser Gemüse vor Wühlmäusen und Schnecken ganz ohne Gift schützen, dann lest hier weiter:

# Idee 5) Gemüse in Mischkultur anbauen

Im Naturgarten wird idealerweise zumindest ein Teil des eigenen Gemüsebedarfs angebaut. Das verkürzt die Transportwege deutlich.

Wir bauen unser Gemüse in Hochbeeten an. Wie ihr Hochbeete für den Garten befüllen könnt und welches Gemüse sich bewährt hat, erfahrt ihr hier: Hochbeete im Garten fürs Gemüse

->> Wie war das gleich wieder mit der Mischkultur? Lest, wie ich es seit diesem Jahr handhabe, indem ich es mir einfach mache und nichts mehr plane (was sowieso nicht hinhaut): Eine Sache, die ich mir im Gemüsegarten nicht mehr antue oder das hier: 10 Gemüsepartner für die Mischkultur im Hochbeet Wer weiterhin planen will, könnte das lesen: Der Pflanzplan fürs Gemüse: 8 wichtige Informationen

Naturgarten Salat

# Idee 6) Garten in Teilen nicht winterfest machen

Die „wilde Ecke“ oder Sträucher und Stauden erst im Frühjahr abräumen oder schneiden. Damit hat man im Herbst nicht so viel Arbeit mit dem „Garten winterfest machen“.

Der eigentliche Grund ist jedoch: Es gibt Insekten, die in Stängeln oder Samenkapseln überwintern. Pflanzen bieten mit ihren Samen im Herbst und Winter Nahrung. Deshalb ist es wichtig, erst im Frühjahr „aufzuräumen“.

So habe ich durch das Küchenfenster schon oft beobachtet, wie Vögel die Samen von Gräsern oder Nachtkerzen aufpicken.

->> Was im Herbst mit Gräsern, Stauden und Sträuchern tun? Nichts.

Der gut getarnte Stieglitz beim Picken von Samen der Gewöhnlichen Nachtkerze

Ein Garten zum Entspannen

In unserem Garten tummeln sich nicht nur Tiere, sondern auch wir Menschen. Wir bauen Gemüse an und haben angenehm schattige Sitzplätze unter Bäumen. Eine grüne und eine türkisfarbene Liege haben wir auch – nur dass die Liegen fast unbenutzt bleiben.

Manchmal schaffen sie es nicht einmal vom Winter-Einlagern raus in den Garten. Schließlich ist es so interessant, durch den Garten zu schlendern und zu schauen, was es wieder Neues gibt – wer will da schon in der Liege liegen? Fast stündlich gibt es was zu entdecken!

Krabbenspinne auf Holunderblüte nach erfolgreicher Jagd
Naturgarten anlegen

Meine Erkenntnisse mit dem Naturgarten

Tomatenanbau im Naturgarten

Auf den Punkt gebracht ist unser Garten ein interessanter Naturgarten, in dem wir Gemüse biologisch anbauen und der mit Hilfe von Elementen aus der Permakultur vielfältigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen bietet. Daneben macht er deutlich weniger Arbeit als andere Gartentypen.

Viel Freude in Garten und Natur

Sonja


Mischkulturpartner von 11 Gemüsen, die (fast) jedem gelingen und wenig Platz brauchen.

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1 Kommentar

  1. Ein Naturgarten ist mit der schönste Garten. Sicherlich sind die weniger „natürlichen“ Gärten auch schön, aber oft habe ich den Eindruck, dass zu viel tun auch schnell zu unnatürlich wird. Schön das dieser Blogbeitrag uns Leser mit in die Natürlichkeit eines Gartens nimmt. Weiter so!

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