Der Pflanzplan für Gemüse: 8 wichtige Informationen

Ein Pflanzplan für Gemüse braucht viele Informationen

Lange habe ich versucht, unser Gemüse im Garten nur mit einem vagen Pflanzplan im Kopf anzulegen. Man könnte auch sagen: ohne Plan. Was ich falsch gemacht habe und zwischenzeitlich anders mache, erzähle ich euch hier.

Das Problem beim Anbauen von Gemüse ohne Pflanzplan

Durch den nicht vorhandenen Pflanzplan für Gemüse hatten wir im Frühjahr eine reiche Ernte. Während des restlichen Gartenjahres schaute das schon anders aus. Gemüse ja, aber nicht immer das, was wir wollten.

Diese Probleme kristallisierten sich beim Anbau von Gemüse ohne konkreten Pflanzplan heraus:

Im Gemüsebeet fehlte der Platz

Wir lieben Radi und Kohlrabi. Dieses Gemüse wächst eigentlich die ganze Gartensaison über. Auf beides mussten wir immer wieder längere Zeit warten.

Denn wenn es Zeit war, ein bestimmtes Gemüse zu säen, war kein freier Platz im Gemüsebeet. Also hieß es warten, bis Platz war.

Dadurch habe ich im Garten auch andere Samen wie Grünkohl und Feldsalat viel zu spät ausgesät, sodass sie mickrig geblieben sind.

Die Fruchtfolge klappte nicht

War an einer anderen Stelle im Garten ein freier Platz, konnte ich wegen der Fruchtfolge nicht das Gemüse säen, das ich mir vorstellte.

Wenn ich dann trotzdem ohne Rücksicht auf die Fruchtfolge gesät hatte, bloß weil Platz war, tat ich das mit einem komischen Gefühl.

Wird die Fruchtfolge nicht eingehalten, steigt das Risiko von Pflanzenkrankheiten. Letztes Jahr hatten wir das erste Mal Besuch von der Möhrenfliege. Um zu verhindern, dass sich diese Viecherl dauerhaft in unseren Karotten festbeißen, will ich die Fruchtfolge strikt (undogmatisch) einhalten.

Termine zur Aussaat, Fruchtfolge, Entwicklungszeit, Erntezeit und viele weitere Infos – der Kopf raucht

Viele Informationen, die für den Pflanzplan notwendig sind, waren nur in meinem Kopf gespeichert oder ich habe sie in Büchern und Zeitschriften nachgelesen. Die liegen aber nicht im Garten herum, wenn ich sie gerade brauche.

Und ohne Überblick über Termin für Aussaat und Pflanzung, Fruchtfolge, Entwicklungszeit, Erntezeit, den letzten Termin für Aussaaten für Wintergemüse und weitere Informationen ist es schwer, das Gemüsebeet so zu bestellen, dass es immer von allem reichlich Ernte abwirft.

Deshalb: Ein Pflanzplan für Gemüse musste her!

Diese 8 Informationen sind wesentlich, um einen Pflanzplan für Gemüse zu erstellen

Eifrig machte ich mich über einen Pflanzplan her, stellte aber bald fest, dass ich erst noch einen Haufen Informationen brauchte. Für den besseren Überblick habe ich dafür Tabellen gebastelt.

Diese Fragen taten sich während der Planung des Gemüsebeetes auf:

1. Wie viele Gemüsebeete und welche Gemüsebeete stehen im Garten zur Verfügung?

Von der Anzahl und Größe der Gemüsebeete ist die Bepflanzung abhängig. Außerdem ist zu klären, ob die Beete vor Wühlmäusen und Schnecken sicher sind.

In unserem Garten wohnen Wühlmäuse. (Nein, wir haben im Garten nicht die größte Wühlmaus, die es in Europa gibt: den Biber. Sondern so niedliche Haus- und Hof-Wühlmäuse).

Es gibt Beete, die bepflanze ich wegen der Wühlmäuse nicht mit Karotten, Petersilie, Mangold oder anderem bedrohtem Gemüse. Die entsprechend gefährdeten Pflanzen und Kräuter wachsen im Hochbeet.

Und weil ich immer glaube, dass die vorhandenen Beete auf keinen Fall reichen und ich noch mit anderen Beetformen experimentieren will male ich mir aus, wo ich neue Beete anlegen könnte … und welches Gemüse ich darin anbauen könnte.

2. Welches Gemüse will ich anbauen?

Es gibt soooo viel Gemüse, das ich anbauen will. Und jedes Jahr wird es mehr! Angefangen von den Gemüseklassikern wie Radi, Salate, Bohnen, Karotten, Gurken, Kartoffeln und Tomaten bis hin zu Gemüsen, die wir bisher nicht im Garten hatten wie Ölkürbis, Pastinaken oder Erdmandeln.

Jedes Gemüse, das ich (neu) anbauen will oder schon angebaut habe landet in der Tabelle. Außerdem enthält die Tabelle die Namen der Gemüsesorten, soweit ich sie kenne.

3. Welche Gemüsesamen brauche ich?

Wenn ich also weiß, welches Gemüse ich anbauen will, brauche ich die Samen. Die Tabelle enthält eine Spalte für ein Kreuz. Will ich Samen (nach)kaufen, mache ich bei dem entsprechenden Gemüse ein Kreuzchen und landet auf meiner Einkaufsliste. Steht in der Spalte kein Kreuzchen, ist der Samen vorrätig.

Da ich gerne die regionalen Geschäfte unterstütze, schaue ich zuerst in unseren Läden vor Ort, ob sie diese Gemüsesamen in der von mir bevorzugten Qualität anbieten. Erst wenn sie nicht im Laden zu kaufen sind, bestelle ich sie online oder kaufe sie direkt über den Versandhandel der Anbauverbände.

4. Wann sind die Aussaat- und Pflanzzeiten des Gemüses?

Die Aussaat- und Pflanzzeiten geben darüber Auskunft, wann welches Gemüse gesät und gepflanzt wird. Außerdem ist es für die Planung des Gemüsebeetes wichtig, zu wissen, ob die Aussaat mit Voranzucht, im Frühbeet und als Direktsaat erfolgt.

5. Wie lange dauert es, bis das Gemüse geerntet werden kann?

Zeitpunkt der Aussaat, Dauer des Wachstums und Erntezeiten sind wichtige Aspekte für den Pflanzplan, weil darauf die Folgesaaten aufbauen. Es geht um ungefähre Entwicklungszeiten des Gemüses. So genau lässt sich das ja nicht sagen.

6. Zu welchen Jahreszeiten will ich welches Gemüse ernten?

Am Liebsten will ich das ganze Jahr eigenes Gemüse aus dem Garten ernten. Das klappt nicht immer hundertprozentig. Abgesehen von starker Trockenheit und extremer Hitze, strengen Wintern (sodass kein Durchkommen zum Gemüse mehr ist) oder gefräßigen Wühlmäusen war das Beet teilweise falsch bepflanzt.

Ich erläutere das am Beispiel von Lauch: Im Frühjahr habe ich immer Lauch ausgesät, konnte ihn aber erst im Herbst und Winter ernten. Damit hat der Lauch das Beet das ganze Jahr über belegt, obwohl die erste Hälfte des Jahres nichts zu ernten war.

Irgendwann habe ich gesehen, dass es sich bei der ausgesäten Lauchsorte um Herbst- und Winterlauch handelte, die erst spät im Jahr ausgesät wird und auch erst spät im Jahr so richtig gut wächst. Es ist also wichtig zu wissen, wann was gut wächst.

Mit diesem Wissen über die Gemüsesorte lässt sich das Beet in der ersten Jahreshälfte mit anderem Gemüse bepflanzen, sodass auch Frühjahr und Sommer eigenes Gemüse bringen. Wer Herbst- und Wintergemüse wie Pastinaken, Feldsalat oder Grünkohl ernten will, muss die Samen rechtzeitig aussäen, damit das Gemüse bis zum Winter noch zu einer entsprechenden Größe heranwächst.

7. Welche Fruchtfolge soll im Gemüsebeet eingeplant werden?

Ich versuche verschiedene Aspekte der Fruchtfolge im Gemüsebeet unterzubringen, sehe das aber gelassen, wenn sich nicht alles vollständig umsetzen lässt. Folgende Konzepte habe ich im Hinterkopf.

  • Pflanzenfamilien

Meine Fruchtfolge orientiert sich bevorzugt an den Pflanzenfamilien. Deshalb stehen in der Tabelle alle Gemüsearten (wie Salate, Kohl) nach Pflanzenfamilien wie Korbblütengewächsen oder Kreuzblütengewächsen zusammengefasst. Das war ein Stück Arbeit, bis diese Informationen zusammengetragen waren, denn wer weiß schon aus dem Stand heraus, wo der Winterpostelein dazugehört?

  • Wurzel-, Blatt-, Blüten- oder Fruchtgemüse?

Handelt es sich beim Gemüse um Wurzel-, Blatt-, Blüh- oder Fruchtgemüse? Soweit möglich, ist das Ziel, das jeweilige Gemüse weder nacheinander noch nebeneinander anzubauen. Wenn es sich nicht vermieden lässt, mache ich es trotzdem und schaue, was passiert.

  • Stark-, Schwach- oder Mittelzehrer?

Die Informationen zu Stark-, Schwach- und Mittelzehrern tauchen in der Tabelle nur auf, weil ich den Starkzehrern bei Aussaat und Pflanzung zusätzlich Kompost gönnen will.

Ansonsten lasse ich das in der Fruchtfolge aber unberücksichtigt. Dazu gibt es zu viele widersprüchliche Informationen. Nix Genaues weiß man scheinbar nicht.

8. Mischkultur: Welche Nachbarschaften sind günstig?

Soweit als möglich achte ich auf gute Nachbarschaften. Je weiter das Jahr ins Land zieht, desto schwieriger wird es allerdings, das einzuhalten. Ich bin ehrlich: Manchmal kaufe ich mir im Laden spontan noch weitere Gemüsesamen – diese wollen auch unter die Erde.

Dann geht es an den konkreten Pflanzplan für das Gemüse

Im Laufe der Beschäftigung mit dem Pflanzplan für Gemüse ist aus dem Durcheinander in der Tabelle doch noch ein strukturiertes Info-Blatt geworden.

Bei der Beetplanung nehme ich das Papier mit der Tabelle in die Hand und sehe auf einen Blick die Informationen, die ich brauche. Ich beabsichtige, in jedem Beet nur Gemüse von bestimmten Pflanzenfamilien anzubauen. In einem Beet gibt es dann beispielsweise nur Gemüse aus der Familie der Doldenblütengewächse und Lauchgewächse, im anderen Kreuzblütengewächse und Gänsefußgewächse.

Das hat den Vorteil, dass der komplette Pflanzplan jedes Jahr von Beet zu Beet vollständig weiter wandern kann. Wenn nötig, passe ich den Pflanzplan fürs Gemüse jedes Jahr an oder ergänze ihn.

Damit lassen sich die Gemüsebeete mindestens ein Jahr von bestimmten Pflanzenfamilien freihalten. Und ich muss nächstes Jahr nicht darüber nachdenken, wo letztes Jahr Doldenblütengewächse, Korbblütler oder andere Pflanzenfamilien gewachsen sind.

Allerdings machen sich in den Gemüsebeeten auch essbare Wildkräuter wie Löwenzahn, Vogelmiere oder Hirtentäschel breit. Die lasse ich entweder gewähren, auch wenn sie wegen der Zugehörigkeit zu einer Pflanzenfamilie da nicht sein dürften, oder ich reiße sie aus. Das entscheide ich nach Gefühl.

Meine Erkenntnisse mit dem Pflanzplan für Gemüse

Seit ich den Garten mit einem Pflanzplan für Gemüse beackere, fällt die Ernte reichhaltiger aus. Außerdem muss ich bei der Aussaat nicht jedes Mal neu rätseln, was jetzt ins Beet passen würde. Diese Gedanken habe ich mir einmal am Anfang des Jahres gemacht und sind damit abgehakt. Das beschleunigt das Säen und Pflanzen von Gemüse erheblich.

Trotzdem reagiere ich flexibel genug auf Veränderungen. Wenn es nun mal unbedingt doch noch mehr Mangold oder mehr Stangenbohnen sein müssen… 🙂

Und manchmal fällt trotz eines ausgeklügelten Pflanzplanes die Grünkohlernte im Winter ins Wasser – ähm – den Feldhasen zum Opfer. Aber das ist eine andere Geschichte. 🙂

Viel Freude in Natur und Garten

Sonja

Edit: Bei Anne habe ich eine schöne Ergänzung zum Thema Gemüsebeet planen gefunden. Und bei Johannes auch, da gibt es zusätzlich Fotos zu den einzelnen Entwicklungsstadien.

10 Kommentare

  1. Hallo Sonja,

    das hast du wunderbar zusammengefasst!

    Dein Beispiel mit dem Lauch hat mich an meine Frühlingszwiebeln erinnert… ich frage mich ernsthaft, warum die Dinger “Frühlings”zwiebeln heißen, bei mir aber immer erst im Spätsommer erntereif sind. 😀
    Wobei ich da jetzt schon die zweite oder dritte Sorte ausprobiere und es immer heißt, dass sie ab März ausgesät werden soll – auch mit Vorziehen waren sie nicht nennenswert flotter. Hast du da Erfahrungen?

    Liebe Grüße
    Anne

    1. Hallo Anne,
      Namen sind Schall und Rauch, das habe ich auch schon bei Gelben Rüben (Karotten) festgestellt. Da ist es egal, ob es frühe Karotten oder späte sind, die können alle im Winterbeet mit ein bißchen Kälteschutz überwintern.
      Mit Frühlingszwiebeln habe ich bisher keine Erfahrungen. Ich warte mal, bist du die ideale Sorte hast. 🙂

      Liebe Grüße
      Sonja

  2. Hallo Sonja,
    ein wirklich guter und umfassender Artikel zu einem Thema, das bei vielen Gartlern und Gartlerinnen etwas vernachlässigt wird. Wenn es dir recht ist,
    verlinke ich ihn bei mir beim entsprechenden Artikel.
    Wünsche dir noch ein gutes Gartenjahr,
    Johann

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