Lohnt sich Mischkultur im Gemüsebeet?

Gemüse in Mischkultur anbauen

Mischkultur. Gute Gemüse-Nachbarn. Das sind Begriffe, die einem bei der Planung des Gemüsebeets wie ein bellender Hund am Gartenzaun verfolgen. Mal schwanzwedelnd in freudiger Erwartung. Mal erschreckend. Aber lohnt es überhaupt, sich „Mischkultur“ anzutun?

Neben Antworten auf diese Frage lest ihr in dem Artikel auch noch das:

  • Was versteht man unter Mischkultur und welche Ziele verfolgt sie?
  • Wie schaut das Gemüsebeet mit einer Gemüsemischung aus?
  • Wie funktioniert das mit guten oder schlechten Nachbarn bei Mischkultur?
  • Mischkultur: Beispiele für gute und schlechte Nachbarn.
  • Widersprüchliche Aussagen über passende Gemüsepartner.
  • Wird Mischkultur im Gemüsebeet überbewertet?
  • Meine Erkenntnnisse mit Mischkultur im Gemüsebeet.

Freut euch auf interessante Forschungsergebnisse! Und wie immer ist alles mit einem Haufen eigener Erfahrungen gespickt!

Was versteht man unter Mischkultur und welche Ziele verfolgt sie?

Bei Mischkultur geht es um das Gegenteil von Monokultur, um eine Mischung verschiedener Gemüse. Im Beet wird nicht nur ein Gemüse wie Kohlrabi oder Salat oder Mangold angebaut, sondern eine sorgfältig ausgewählte Mixtur verschiedener Pflanzen.

In Mischkultur angebautes Gemüse dankt es (vielleicht?) mit stärkerem Wachstum und besserer Pflanzengesundheit. Ein natürlicher Schutz vor „Schädlingen“ wie zum Beispiel vor Maden in Karotten oder vor Kohlweißlingen am Ewigen Kohl soll sich ebenfalls einstellen.

Außerdem hofft man auf eine gesteigerte Widerstandskraft gegen Krankheiten wie Mehltau an Gurken und Tomaten oder Sellerierost an Sellerie.

Der Duft bestimmter Pflanzen wiederum lockt Fressfeinde von „Schädlingen“ oder Insekten zur Bestäubung an. Alle diese „Maßnahmen“ haben nur ein Ziel: Sie sollen die Ernte sicherstellen und erhöhen.

Wie schaut das Gemüsebeet mit einer bunten Gemüsemischung aus?

Mischkultur im Gemüsebeet mit Rote Bete, Pastinaken, Gurken und Basilikum.

Traditionell wird das Gemüse in Mischkultur reihenweise nebeneinander gesät oder gepflanzt. Das sieht recht „ordentlich“ aus. In unserem Gemüsegarten baue ich im Hochbeet Gemüse aber nicht klassisch in Reihen an, sondern in wildestem Mischkultur-Durcheinander.

Ich pflanze eine Reihe Knoblauch nicht neben eine Reihe Karotten und daneben eine Reihe Salat, sondern da mal ein oder zwei Kohlrabis, dort mal eine Rote Bete und weiter hinten noch eine. Wo halt gerade Platz ist.

Ich gärtnere nämlich zwischenzeitlich ohne Pflanzplan, weil das für den kleinen Raum, auf dem ich Gemüse anbaue, einfacher zu handhaben ist. Dadurch stellt sich im Hochbeet von alleine eine kunterbunte Gemüsemischung ein.

Wie funktioniert das mit den guten oder schlechten Nachbarn bei Mischkultur?

Vielleicht habt ihr schon einmal einen Plan für ein Gemüsebeet ausgetüftelt. Dann wisst ihr, wie aufwändig das ist. Wenn man weiß, wie Mischkultur funktioniert, sieht man die viele Arbeit in einem anderen Licht.

Die Wissenschaft sagt: Pflanzenwurzeln geben im Boden chemische Stoffe ab, die andere Pflanzen in ihrem Wachstum hemmen oder fördern können. Auch oberirdisch läuft dieser Prozess über Blätter, Blüten und andere Pflanzenteile ab.

Bekannte Stoffe sind leicht flüchtige, organische Verbindungen wie unter anderem Menthol, Linalöl, Limonen, Ethylen oder Methyljasmonsäure. Dazu zählen auch ätherische Öle.

Wer schon einmal seine Nase in Pfefferminze, Thymian oder Schlehenblüten gesteckt hat oder durch einen mit Terpenen „bedufteten“ Wald gewandert ist, weiß, was ich meine. Pflanzen und Tiere „riechen“ diese Duftstoffe ebenfalls und reagieren darauf.

Beispiel für die unterirdisch hemmende Wirkung von Nachbarn

Forschungen an Meersenf (botanisch „Cakile edentula“) haben gezeigt, dass dieser unterirdisch erkennt, ob um ihn herum die gleichen oder andere Pflanzen wachsen.

Wenn es sich um keine arteigene Verwandtschaft handelt, reagiert Meersenf „futterneidisch“ und schüttet eine Menge Signal- und Botenstoffe aus. Diese hemmen das Wurzelwachstum der fremden Pflanzen.

Die Wurzeln des Meersenfs gewinnen dadurch mehr Platz, wachsen kräftig und ergattern so auf dem kargen Küstenboden mehr von den lebenswichtigen Nährstoffen.

Beispiel für die oberirdisch hemmende Wirkung von Nachbarn

Pfefferminze strömt oberirdisch ätherische Öle aus. Sie sollen das Wachstum von frisch gekeimten Ackerwinden hemmen und diese dann um die Ecke bringen.

# Naturgarten-Info: Wer will schon Winden bekämpfen, wenn sich Spiralhornbienen – eine in Deutschland gefährdete Wildbienenart – auf den Pollen von Winden spezialisiert haben?

Mischkultur: Beispiele für gute und schlechte Nachbarn

Auf oben genannten Erkenntnissen aufbauend passen bestimmte Kräuter, Gemüse- und Obstsorten zusammen oder eben nicht.

  • Basilikum soll sich gut mit Tomaten, Gurken und Salat vertragen. Basilikum bildet mit Gurken ein gutes Paar. Das kann ich bestätigen. Ob das nun an den Botenstoffen liegt? Mit Sicherheit liegt es am vielen Wasser, das beide schlürfen.
  • Erbsen und Pastinaken wachsen in unserem Hochbeet in trauter Zweisamkeit.
  • Busch- und Stangenbohnen vertragen sich laut Theorie mit Gurken, Salat, Kohl und Dill, aber nicht mit Fenchel, Erbsen, Lauch und Zwiebeln.
  • Pastinaken und Zwiebeln harmonieren angeblich auch miteinander. Da habe ich wegen dem unterschiedlichen Wasserbedarf meine Zweifel.
  • Tagetes (Studentenblumen), die Nematoden abtöten, passen gut zu Pastinaken und Karotten.
  • Wermut und Schwarze Johannisbeere: Wermut (sortenabhängig) hilft wirklich gegen Johannisbeer-Säulenrost.
  • Kerbel vertreibt angeblich Blattläuse und Ameisen und soll sich deshalb gut für Michkultur mit Salat eignen. Hm. Habe ich zwischen Kerbel schon mal Ameisen oder Blattläuse gesehen? Das weiß ich jetzt gar nicht. Werde ich beobachten.
  • Die ätherischen Öle der Pfefferminze sollen der Ackerwinde den Garaus machen. Also im insektenfreundlichen Garten nicht nebeneinander pflanzen, wenn man sich zusammen mit Insekten weiterhin über die Blüte der Ackerwinde freuen will.
  • Tomaten und Sellerie neben Kohlgewächsen sollen den Kohlweißling abwehren. Na ja. Meine Erfahrungen sind völlig andere.

Über diese Aufzählung hinaus kenne ich noch mindestens 18 weitere Gemüsepartner für die Mischkultur im Hochbeet.

Widersprüchliche Aussagen über passende Gemüsepartner

Die Angaben über gute Gemüse-Nachbarn sind oft extrem widersprüchlich. In fast jedem Buch steht etwas anderes. Vielleicht hat eine*r vom anderen abgeschrieben? Vielleicht haben die Leute von anderen Leuten was gehört? Vielleicht gibt es andere gute Gründe?

Ich sehe das, was in den Büchern steht nicht so eng und probiere oft Dinge aus, die nicht funktionieren sollen. Dabei erlebe ich die tollsten Sachen.

Hier sind ein paar Beispiele aus unserem Garten, bei denen sich Gemüse nicht an die guten oder schlechten „Beziehungsregeln“ gehalten hat:

  • Gurke und Rettich mag sich laut meinen Gartenbüchern angeblich nicht. Sagt das bloß nicht unseren Rettichen! Die wachsen ganz gut neben Gurken. Vermutlich weil beide viel Wasser mögen.
  • Gurken und Tomaten sollen auch nicht nebeneinander angebaut werden? Die Tomate, die zwischen den Gurken von alleine hochgewachsen ist, hat diese Nachbarschaftsregel erfolgreich ignoriert.
  • Bohnenkraut soll man nicht neben Rettiche pflanzen. Das ist wieder so ein hoffnungsloser Fall in unserem Hochbeet, der sich nicht an die „das-sind-ungünstige-Nachbarn-Regel“ hält.
  • Knollenfenchel geht nicht neben Bohnen? Ich glaube, ich muss meinen Gemüsen einen Alphabetisierungskurs zahlen, damit sie nachlesen können, neben welchem Gemüse sie gefälligst Wachstumsprobleme haben sollen.
  • Dill will nicht neben Estragon? Ob das stimmt, weiß ich wirklich nicht, habe ich nämlich noch nicht ausprobiert.
  • Mit dem Walnussbaum soll keine Pflanze so richtig zurechtkommen. Dabei spielen scheinbar sowohl Wurzel- als auch Blattausscheidungen eine Rolle. Die Blätter enthalten den Farbstoff Juglans. Fallen diese auf den Boden, spült ihn der Regen in die Erde und soll auf andere Pflanzen wachstumshemmend wirken. Soweit die Theorie … Bei meinen Eltern wachsen zwischen den Walnussbäumen Johannisbeersträucher, die viele Beeren tragen. Vielleicht vertragen sich Johannisbeeren mit Walnussbäumen, aber andere Beerensträucher hätten sich schon lange in die ewigen Jagdgründe verabschiedet?

Meiner Meinung nach haben (in unserem Garten) die widersprüchlichen Aussagen über gute und ungünstige Nachbarn nichts oder nur wenig mit Wurzel- und Blattausscheidungen zu tun, sondern mit den Wachstumsbedingungen im Gemüsebeet: viel Platz – wenig Platz, viel Wasser – wenig Wasser, viele Nährstoffe – wenig Nährstoffe, von anderen Gemüsen oder essbaren Wildpflanzen überwuchert – oder nicht überwuchert.

Ich glaube beim Gemüseanbau im Hobbygarten kommt es nicht so drauf an, sich akribisch an Empfehlungen für gute Gemüse-Nachbarn zu halten. Es sind ja keine Riesenfelder wie in der industrialisierten Landwirtschaft, sondern eher kleinteilige Strukturen, die wir bearbeiten.

Interessant wäre in diesem Zusammenhang, zu wissen, bis zu welcher Entfernung sich Botenstoffe sowohl unterirdisch als auch auf dem Luftweg ausbreiten können. Im Boden spielen dabei mit Sicherheit Pilze eine große Rolle.

Unabhängig von den verschiedenen Meinungen zu passenden Gemüsepartnern: Es gibt eine interessante Studie zur Wirkung von Mischkultur. Und die ist auch für den privaten Gemüsegarten interessant!

Wird Mischkultur im Gemüseanbau überbewertet?

Um die Frage zu klären, ob Mischkultur was taugt, schauen wir einige Forschungsergebnisse an.

Schweizer Wissenschaftler*innen haben dazu in der Schweiz und in der Extremadura in Spanien Versuche durchgeführt. Samen produzierende Pflanzen wie Weizen, Hafer, Linsen, Blaue Lupinen oder Koriander wurden in Monokultur und zum Vergleich in Mischkultur angebaut. Die Reihenabstände in Mischkultur betrugen 12 Zentimeter.

Das Ergebnis: Wenn nur 2 verschiedene Gemüse in Mischkultur angebaut wurden, war der Ertrag in der Schweiz um 21,4 Prozent und in Spanien um 3,4 Prozent höher als beim Anbau in Monokultur.

Bei vier verschiedenen Gemüsen in Mischkultur wurde in Spanien bereits 12,7 Prozent und in der Schweiz 44,3 Prozent mehr geerntet als in der Monokultur-Vergleichsgruppe.

Es gab noch weitere Erkenntnisse: Bei vier verschiedenen Pflanzen fiel in Spanien der Biomassezuwachs (Blattwerk und Stängel) um 25,8 Prozent und in der Schweiz um 46 Prozent höher aus.

Die Forscher*innen erklärten Letzteres mit der Konkurrenz zwischen den Pflanzen, die in Mischkultur angebaut worden waren. Diese sei groß, sodass die Pflanzen schnell wachsen müssten, um einen Platz an der lebenswichtigen Sonne zu ergattern.

Bei der Bewertung des Samen- oder Fruchtertrags fiel die Ertragssteigerung zurück. Allerdings war in Mischkultur trotzdem noch ein Mehrertrag gegenüber der Monokultur zu verzeichnen.

Die Expert*innen führten den Biomassezuwachs bei gleichzeitig geringerer Samenernte auf die verwendeten Testpflanzen zurück. Diese seien speziell für den Anbau in Monokultur gezüchtet worden und kämen deshalb mit dieser besser zurecht.

Da ich bevorzugt Samen von ökologisch arbeitenden Saatgutbauern kaufe, die nach den Richtlinien von Bio-Anbauverbänden wirtschaften, gehe ich davon aus, dass unser Saatgut Mischkultur gewöhnt ist.

Die Wissenschaftler*innen bestätigen indirekt meine Annahme. Sie meinen, dass mit Saatgut, das an Mischkultur angepasst ist, auch der Fruchtertrag steigen könnte. Diese Theorie wollen sie noch prüfen.

Die ETH Zürich hat in einer anderen Studie festgestellt, dass es günstig ist, die Flächen je Gemüseart klein zu halten und die Nachbarflächen jeweils unterschiedlich zu bepflanzen. (Die untersuchten Parzellen je Gemüseart waren zwischen 100 und 10.000 Quadratmeter groß).

Auf den Versuchsflächen nahm die Anzahl der Tiere wie Bienen, Laufkäfer und Schwebfliegen, die als Fressfeinde von „Schädlingen“ gelten, deutlich zu, je vielfältiger alles bepflanzt war. Zudem werden mit Mischkultur offensichtlich die Ressourcen besser genutzt. Mischkultur wird also nicht überbewertet.

Meine Erkenntnisse mit Mischkultur im Gemüsebeet

Mischkultur im Gemüsebeet ist eine lohnende Sache! Sie beschert uns laut Studien eine höhere Ausbeute und fördert „Nützlinge“. Nicht nur wegen der positiven Forschungsergebnisse bleibe ich ihr in unseren Chaos-Hochbeeten weiterhin treu.

Es gibt nämlich noch einen unschlagbaren Vorteil für Mischkultur im Gemüsebeet: Sie ist einfach und unkompliziert umzusetzen – wenn man ohne Pflanzplan arbeitet.

Viel Freude in Garten und Natur

Sonja


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